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Datababes Party 03 feat. GoGo Goddess (Berlin), SmashFX (Zürich)
Fr 14.12.2001, Rheinterrassse, Konstanz
killerPOKE (21.12.2001)
 
Also, Objektivität ist natürlich anders... wie sollte ich schon als Datababe so richtig distanziert und rational einen Abend beurteilen, der auf unserem eigenen Mist gewachsen ist, aber vielleicht ist distanziert und rational auch genau die falsche Herangehensweise.
Trotz Rekordkälte (danke an die Rheinterrasse, die das zähneklappernde Kassenpersonal optimal mit Gasheizern versorgte) fanden sich etliche Neugierige ein, um die dritte offizielle Datababes-Party in neuer Umgebung zu begutachten. Unsere anfänglichen Sorgen vor einer leeren Tanzfläche oder unmenschlichem Gedränge wurden glücklicherweise nicht bestätigt. Die Rheinterrasse füllte und leerte sich gemütlich, weder negatives Rumgedränge noch Torschlußpanik machten sich breit, so daß alle entspannt bis um 4:00 morgens feiern konnten.
Zu feiern gab es dann doch einiges: dezent eröffnet wurde der Abend von Valerian, der mit NuBreaks, Elektro und zarterem Drum'n'Bass, die Tanzfläche anwärmte und den auftauchenden Gästen Gelegenheit gab, sich erstmal die Eiszapfen aus dem Bart zu zupfen und die ersten Drinks zu geniessen. Während also die Meute so langsam warmlief, stieg bei einigen Technikinteressierten schon massiv die Spannung, denn was sich da hinter dem DJ Pult auftürmte, sah nicht gerade nach der klassischen Vorstellung von einer Band aus:
Macintosh, Mikro, Effektgerät und Plattenspieler sind für Konstanzer Verhältnisse wohl kaum eine alltägliche Instrumentierung und "alltäglich", -das waren die Gogo Goddesses auch wahrlich nicht. Die zwei Mädels aus Berlin lieferten gegen Mitternacht ein kurzes aber knackiges Live-Set, das zwischen Be- und Entgeisterung so quasi alles an Meinungen beim Publikum provozierte. Wie nennen wir das so gerne bei uns: "Irritainment".
Nun, es mag klischeemäßig sein, aber wenn ich schnelle Breakbeats mit extravaganten weiblichen Vocals aus Berlin höre, ist die Assoziation "Atari Teenage Riot" natürlich nicht weit, aber Gogo Goddess boten weit mehr als einen schlichten Neuaufguß der Brachial-Elektroniker. Die Beats bewegten sich zwischen Hispeed-Remixen von Dancefloortracks, Hardcore-4-to-the-floor-Gewummer bis hinzu Hiphop-Beats Marke Loud&Slow. Das ganze untermalt von diversen Cuts & Scratches, wummerigen Basslines und atmosphärischen Flächensounds. Also nichts nach dem Motto "schneller ist lauter ist besser", sondern intelligentes Wechselspiel zwischen dicken Groove, Darkness und electronic Warfare.
Doch das war noch lang nicht alles, denn die Ausstrahlung der beiden fußte nicht nur auf dem Sound. Wohl kaum unabsichtlich zog die Frontfrau am Mikro alle Blicke auf sich, die sich selbstbewußt auf den Tischen präsentierte und man ihr förmlich eine aus gewissen Etablissements bekannte Stange herbeiwünschte. Ausdrucksstark und gehörig ungehörig in Ledermini und lasziver Pose prangte sie über den Köpfen des Publikums, das sich wohl teilweise nicht so ganz entscheiden konnte, ob jetzt der Audio- oder der
Video-Anteil des ganzen heißer war. Die Reaktionen waren herrlich verschieden: während sich einige Damen und Herren spontane Heiratsanträge gerade noch verkneifen konnten, outete sich so mancher süß-verschämt durch rote Bäckchen.

Weniger provokativ, aber kein bißchen harmloser ging es dann nach kurzem Umbau mit Smash FX aus Zürich weiter. Die drei Jungs, die sich mittlerweile sicher auf internationalem Parkett bewegen und deren Auftritte im UG oder Rohstofflager auch unter vielen Konstanzern für Begeisterung sorgten, brachten die Rheinterrasse schwer in Fahrt. Zu den etwas
massenkompatibeleren, aber keinesfalls belanglosen(!) Beats zwischen Florida Breaks, Elektro, Bass und 2Step bewegte sich bald fast alles was Beine hatte, selbst diejenigen, die vielleicht ganz anderes erwartet hatten. Es mag an meinem nicht unwesentlichen Alkoholkonsum gelegen haben, aber ich habe selten ein Set erlebt, das mich auf der einen Seite so mitgenommen hat, bei dem ich aber auf der anderen Seite, so wenig Platten kannte (Ausnahme der Ohrwurm: "Sandwiches" von den Grand Detroit Pubahs). Deswegen fällt es mir auch schwer die Stile und Platten zuzuordnen, es war schlicht und einfach ein super Set und jedes neue Stück Vinyl immer eine kleine Überraschung. In diesem Sinne rockten die sympathischen drei DJs das Haus bis zum Schluß und ließen sich auch von der sich langsam leerenden Tanzfläche nicht runterziehen.

Verdammt gute Arbeit von allen beteiligten Künstlern kann man da nur sagen und sowohl unter Machern wie Publikum war eine einhellig gute Stimmung spürbar. Gelungener Abend, will ich meinen...


Lakesidebreaks - andee, snipa, moguai & shiraa (Nu-Clear, Zürich), MC Urs
Sa. 8.12.2001 - K9, Konstanz
Valerian (13.12.2001)

Die Drum and Basser der Lakesidebreaks sind nach halbjährlicher Pause wieder zurückgekehrt und haben, wie die Kollegen von der Basslastic, eine neue, bessere Location für ihre Parties bezogen. Das K9 mit seinem Ex-Kirchen-Saal ist gut geignet für Parties, hat einen guten Sound und bietet durch seine Galerie interessante Perspektiven und Sitzplätze für die Gäste.
Der aus München angereiste Andee hatte seine Züricher Kontakte spielen lassen und so konnte er die Züricher Drum and Bass-Newcomer-Stars Moquai & Shiraa vom der NuClear präsentieren. Es scheint sich noch nicht recht rumgesprochen zu haben, dass jetzt auch im K9 Drum and Bass-Parties stattfinden, denn definitiv zu wenig Leute besuchten die Lakesidebreaks-Party. Dabei war der Sound vom feinsten, -andee und snipa spielten smoothe sounds und deepe roller und ein hoher Prozentsatz der Anwesenden enterte phasenweise die Tanzfläche und hatte viel Spass am Tanzen, doch war es schwer, die Tanzfläche in Bewegung zu halten, da man zum Rauchen und Quatschen in das Foyer gehen musste.
Eine eigentlich gute Party, die dann aber doch unter der starken Konkurrenz der Neuwerkparty und der Parkgaragenparty von LaLumiere zu leiden hatte. Eindrucksvoll war der exzellente Beamer des K9, der riesige Videos von Surfern und Skatern zeigt, -die Leute aber beim Tanzen etwas bannte, doch zumindest für die Rumhockenden eine echtes Bonbon war.


Basslastic IV - Mellokat (Subversion Rec./Belowzero/RV) und Valerian (Datababes.de/Element/KA)
7.12.2001 - Kulturladen Konstanz
Pedro (13.12.2001)
Obwohl meine neue Heimat Zürich wirklich vom Kultur- und Partyleben her einzigartig ist, gibt es für mich dennoch jeden Monat mindestens einen Termin, an dem ich unbedingt nach Konstanz will: zur Basslastic.
Irgendwie ist die Veranstaltung, seit sie ins KuLa gewechselt ist, ein Anziehungspunkt für feier- und tanzfreudige Leute aus KN und seiner Umgebung geworden, die mit großer Freude meist bis in den frühen Morgen abgehen (dieses mal wieder über 200 Leute).

In chronologischer Reihenfolge sah das am Freitag dann etwa so aus:
~ 22.30: Ankunft und Umschauen
ab 23.00: Beim Eingrooven der DJ auch schon mal die Gliedmassen lockern für den anstehenden Tanzmarathon.
ab 0.00: Wenn der Sound dann schneller und basslastiger wird, gibt's auf der Tanzfläche kein Halten mehr.
nach 3.30: Es machen sich Ermüdungserscheinungen bemerkbar und der Körper reagiert nicht mehr ganz so, wie er sollte und so langsam leert sich auch die Tanzfläche
~ 4.00 Schluss: Rauswurf durch die lustigen Türsteher im KuLa

Vom Sound her war es mal wieder sehr abwechslungsreich. Valerian und Mellokat haben es gut hingekriegt, treibende Songs, die förmlich den Körper von alleine zum Tanzen bringen, mit dezenteren Tracks zu mischen. So war im Gegensatz zu vielen anderen Parties im KuLa die Tanzfläche stets gefüllt und nur sehr wenige Leute standen daneben, was für mich immer ein Zeichen für eine gute Party ist.


Richard Dorfmeister
Fr 23.11.2001, Club Metro, Friedrichshafen
killerPOKE (24.11.2001)
Das Metro scheint immer für eine schlechte Überraschung gut zu sein. Nachdem ich nun schon als Drum'n'Bass-DJ angekündigte Leute House auflegen hörte und eine Andrea Parker vor sage und schreibe 30 Leuten hab stehen sehen, war der der gestrige Abend wohl der Höhepunkt des Ganzen: Während sich Parker nämlich damals mit fünf Dutzend Ohren als Publikum herumschlagen mußte, wurde "DJ Kicks"-Kollege Dorfmeister mit wohl dem 20fachen an Leuten beehrt. Wer zwischen 23:00 und 0:00 eintraf, durfte sich in der Saukälte bis zu 45 Minuten die Beine in den Bauch stehen, um seine DM 25,- Eintritt loszuwerden und das - jetzt kommt halt das wirklich ärgerliche - für eines der belanglosesten DJ-Sets, das ich vor so einem Publikum und in so einer Umgebung jemals hören mußte. Langeweile pur. Natürlich ist mir klar, daß man von Dorfmeister keinen darken Abgeh-Drum'n'Bass oder Elektro erwarten kann, aber das was er ablieferte war schlicht und einfach langweiligster Latin-House, wie er in jedem Provinz-Bistro laufen könnte, gepaart mit einigen ganz netten Triphop- und Big-Beat-Ansätzen, die aber alle im Sand verliefen. Buena Vista Social Club meets Fat Boy Slim im Valium-Remix. Todeslangweilig! Kein Vergleich zu den bekannten Mix-CDs und Produktionen von "Kruder&Dorfmeister". Das Set, das in seinen Höhepunkten vielleicht mal höchstens 6 von 10 Spaßpunkten erreichte und das unglaubliche Gedränge im Metro sorgten für reichlich Aggression und Unmut unter den Anwesenden. Während das eine Drittel der Leute bis zum Schluß rätselte, ob dies wirklich der doch mit reichlich Ruhm bedachte Star-DJ oder doch nur irgendein Resident ist (ich bin mir da immer noch nich sicher...), flüchtete das zweite Drittel in den kleinen Clubraum, wo als Ausgleich wenigstens sympathischer Dancehall lief. Das dritte Drittel war selbstverständlich total begeistert, wie es aber bekanntlicherweise jeden abend ist. Man weiß ja, wie man sich ein DJ-Set "verschönern" kann - ohne Doping war das ganze auch kaum unterhaltsam. Kopfschüttelndes "Absolut verzichtbar!" von meiner Seite...

Basslastic III - TGM-The Green Man (Basswerk/Combination Rec./Köln), Valerian, Mellokat
Fr. 16.11.2001 Kulturladen Konstanz
Valerian (19.11.2001)
       

Sicher ist das nicht im Sinne einer Partyreview, wenn die Beteiligten selbst darüber schreiben, doch war dies für mich, -und ich denke ich spreche da auch für Mellokat, ein äusserst denkwürdiger und erfreulicher Abend, zu dem mir einfach vieles einfällt. Wie immer pflegen Mellokat und ich uns in Sorge zu tragen, wenn der Abend gegen 22.00 Uhr beginnt: Kommen viele Leute ? Wie wird die Stimmung? -sind so klassische Fragen, die uns regelmäßig quälen, denn als Präsentatoren einer immer noch "speziellen" Musikrichtung und als auch durchaus gebrannte Kinder mit Erinnerung an leere Clubs (Contrast Juni, Metro mit Paradox) haben wir zwar schon an den letzten beiden Basslastics umsonst gezittert und uns über einen vollen Kulturladen und feierwütige Bassheadz gefreut, doch wiedermal waren wir unsicher, ob nicht der höhere Eintrittpreis und die relativ späte Flyeraktion für einen Einbruch in den Zuschauerzahlen sorgen würden. Die Zweifel zerstreuten sich als ich mich gegen 22.00 Uhr mit ein paar Elektrobreaks einmixte und schon die ersten Leute auf den Treppen die Arme schwangen. Ich bin dann hoch in die Kulabar, um den mittlerweile eingetroffenen Heiner Kruse aka Greenman zu begrüssen. Um ein kurzes Interview (siehe Interviews in Kürze) zu machen, ging ich wieder runter auf die Bühne, um mein Diktaphon zu holen und traf dort gegen 23.00 Uhr (!) auf eine gefüllte Tanzfläche und einen freudig verwunderten Mellokat, der wohl noch nie zu so früher Stunde gerockt hat. Das normale Warm-Up-Programm, in welchem wir eher sanfte Roller spielen, entfiel völlig und Mellokat konnte gleich mit ein paar harten Breaks und Bassattacken loslegen. Damit begann ein Abend, der für mich die beste Party werden sollte, die ich je in Konstanz erlebt habe. Es war fast unheimlich, wie schnell sich der Laden mit Leuten füllte und als ich um 12 die Decks übernahm, war der Kulturladen rappelvoll und die Leute schon lange am Tanzen. Congo Nattys "Police &Helicopters" gefiel mal wieder, doch waren es dieses Mal eher der neutönende Andoidenfunk von Cause 4 Concern und Sonic&Silver, der mein Set geprägt hat. Weniger Vocal-lastig als sonst, schienen mir die Leute manchmal auf schnellere Mixings zu warten, doch Teebees "Silenth Depths" oder C4Cs "Peepshow" kamen, von der Bühne aus gesehen, ziemlich gut an.
Dann war es Zeit für den Greenman und in seinem Gepäck hatte er einen Stapel eigener CDs voller neuer Tracks und jede Menge Platten von Future Cut über Klute bis Total Science.
Greenman sollte der Zeremonienmeister der Drum and Bass-Energie werden, die an diesem Abend für viele magische Momente sorgen sollte. Leicht eingroovend zog er das Tempo recht bald an und feuerte acidgenagelte Bretter in eine begeisterte Menge, dass selbst die Bühne innerhalb kürzester Zeit mit wild Tanzenden gefüllt war, die das volle Spektrum ihrer Motorik nutzen, um den Sound zu feiern. Sogar "Die-Ruhe-selbst"-Mellokat wurde beim ausgelassenen Tanz beobachtet. Greenmans Set ging ab wies Messer, -war streckenweise hart ohne zu erschlagen (killertrack war für mich jener mit den Metalgitarren) und hatte trotzdem jene Luft für Melodien und Basspausen, die den Leuten die Lust gibt, immer wieder die Tanzfläche zu entern. Von den technischen Problemen mit den CD-Playern war kaum etwas zu spüren und selbst ein einzelner CD-Hänger kam fett rüber und wurde als seltene Neuinterpretation des Rewinds vom Publikum bejubelt. Die Tracks des Greenman-Albums schienen auf der Tanzfläche wohlbekannt zu sein und wurden frenetisch gefeiert. Mellokat übernahm gegen 3 Uhr und liess zwischendurch die Leute mit ein paar Midtempostücken verschnaufen, um dann mit einem brillianten zusatzbeatgarnierten Mix von Missy Elliots "Get your Freak on" und einem mutigen aber perfekt passenden Paradox-Track zu begeistern. Den Ausklang bestritt ich mit Songs von Juju und Optical und entliess die Leute mit dem 170 Mix des so wohlbekannten "Hide U".
Genau 397 Gäste hatten diese Basslastic zu einer der fettesten Drum and Bass-Parties in Süddeutschland gemacht und es war wunderbar, zu erleben, wieviele Leute soviel Spass mit Drum and Bass haben. Diverse mir unbekannte Leute kamen auf die Bühne und begrüssten die DJs, soviele haben fett abgetanzt (gruß an die dancing beauties liane und martina, die balcony breakers sowie die hardcore dance company aus rv) und sind die verschiedenen Stilrichtungen innerhalb dieses Drum and Bass-Abends mitgegangen, dass ich nur noch sagen kann: Big Up an das Publikum, Danke an TGM und Grüsse und HighFive an das Kula. -Mehr solche Mörderparties !!!


MATRIX (Metro/Virus/Idioma), neevo, ali, levi, moguai & shiraa (Mute)
Fr. 9.11.2001 - Rote Fabrik Zürich
Valerian (14.10.2001)

Ich lasse mich gerne mal zu vollmundigen Weisheiten über Drum and Bass hinreissen und eine davon, die ich gerne und immer wieder betone, ist die Tatsache, dass Zürich mit wohl einer der besten Drum and Bass Szenen der Welt aufwarten kann. Der Detailvergleich mit den klassischen deutschen Szene-Sädten wie das Gebiet um Mannheim, Köln oder Berlin wäre mal an anderer Stelle interessant auszuführen, doch ist es einfach bewundernswert, dass es Zürich geschafft hat, nicht nur zu Grossereignissen wie der Lethargy eine treffende Auswahl an Drum and Bass-Größen zu präsentieren, sondern darüberhinaus eine lebendige Szene mit verschiedenen aktiven Crews, Producern, Veranstaltern und fähigen DJs zu entwickeln.
Die für mich, -auch persönlich ganz einfach von Stil, Position und Musikauswahl, wichtigste Veranstaltungsreihe ist dabei sicher Mute, die früher regelmäßig im Supermarket die sonntägliche Icon-Party veranstaltet haben, zu der ich dann auch während meiner Züricher Zeit mit schöner Regelmäßigkeit sehr gerne getigert bin.
Die Roten Fabrik ist einer jener Orte an dem Mute ihre größeren Veranstaltungen durchführen und so war ich hocherfreut, den Optical-Bruder Matrix auf dem Lineup dieser Mute-Party lesen zu dürfen. Matrix aka Jamie Quinn ist ein eher selten gesehener DJ, der aber als Producer nach einer frühen recht darken Phase (Quadrant Six rmx), mit einem für ihn typischen leichten Beatstil glänzende Roller produziert hat, die trotz des Verzichtes auf die Säulen des "Neuen Darkstep": Geschwindigkeit, Komprimierte Verzerrung, Amen-Renaissance und Rave-Referenzen, für Aufhorchen und vor allem Kopfnicken bzw. Fußknicken sorgen. Legendär ist sein DJ-Auftritt an der Lethargy 2000, wo das Haus gerockt hat, wie ich es selten erlebt habe (siehe Basslastic-Alltimefaves)
Als ich mit Neu-Züricher Petro in einer kalten Nacht die Turbinenhalle der Roten Fabrik erreichte, erwartete uns ein volles Haus mit einem sympathischen , -wie mir scheint jüngerem als sonst, Publikum (da war en HipHop-Konzert auf dem Gelände gerade zu Ende gegangen), das gerade im Begriff stand sich einzugrooven. Sehr schön mit Videoanims und transparenten Tüchern dekoriert, war die Bühne ein echter Blickfang. Recht bald und sympathisch ohne "Schaut her, -ich bins!"-Übergang (man erinnere sich nur an den unsäglichen Adam F an der Lethargy) übernahm Matrix die Decks und nach einigen Akklimatisierungsnummern war ich dann schön am Tanzen. Matrix spielte viel eigene Produktionen und zwischendurch erkannte ich Tracks von der neuen Polar-LP.
Der Style war melodiös, recht blumig und eher entspannt, was der Tanzbarkeit keinen Abbruch tat. Ganz im Gegenteil sind mir ein paar fette subtile Schieber in die Beine gefahren, deren elfenhafte Gesangsmelodien mich auf einen zeitgerafften Hubschrauberflug über Blumenwiesen schickten. Ein wirklich tolles Set und vor allem deshalb interessant, weil es ohne plakative Brecher mit der üblichen Intro/Rock-at-160mph-Dramaturgie auskam. Später sorgte Mute-Djane Levi für einen basslastigeren Puls und gab den Leuten endlich die Dosis Stakka &Skynet, die sie trotz Matrix doch noch so gerne hören wollten. Pedro und ich sind irgendwann nach Hause, um mit in der WG als Gäste weilenden Gothic-Chicks noch Pizza zu essen und Katzen zu streicheln.
Ein sehr schöner Abend, den man dem gutem Geschmack und Organisationstalent der Leute von Mute auf die Fahnen schreiben darf. Zur Lakeside Breaks Party im Dezember sendet Mute zwei Vasallen aus dem Umfeld der Züricher Nuclear Parties nach Konstanz und Basslastic wird wohl im Januar/Februar Besuch aus Zürich empfangen


Mark B & Blade
30.10.01, Kulturladen Konstanz
magensaeure (06.11.2001)

„We`re happy that you made it, to witness a performance that you`ll never forget"
Wohl war. Dieser Rhyme aus dem Opener „From The Word Lab" war bezeichnend.
Selten so gerockt. Nach dem eher enttäuschenden Roots Manuva Gig wenige Tage zuvor, war ich gespannt, wie sich die Nr.2 im UK HipHop, die immer ein bisschen im Schatten von Roots Manuva stehen, schlagen würden. Aber ihre live Show liess keinen Zweifel daran, dass ein solcher Vergleich ungerechtfertigt ist. Ich wage mal zu behaupten, dass ich noch nie gesehen habe, dass eine HipHop Crew soviel Spass auf der Bühne hatte und es so verstanden hat, das auf ihr Publikum übertragen hat. Vom ersten Track bis zum abschliessenden Geburtstagsständchen gaben Blade, Mr.Lexx und Lenny G 120 % und verlangten mir (und dem Rest) alles ab. Keine Spur von der lässigen Coolness und Ich-bin-der-beste-Rapper-von-allen Haltung, die selbsternannte HipHop Starlets heute an den Tag legen. Die Briten alberten herum, verprügelten und traten auch mal ihren DJ, bis der von der Bühne getragen werden musste und amüsierten sich und ihre Gäste sichtlich. Aber nicht nur mit solchen humoristischen Einlagen wussten Blade & Co. zu überzeugen. Während sich der DJ von der Prügel erholte, die er hatte einstecken müssen, gab Blade eine unglaubliche Beatbox Performance und als Lenny G schliesslich wieder hinter den Plattenspielern stand, bot er ein DJ-Showcase sondergleichen, dass vermutlich nicht nur mir den Mund offen stehen liess und schnell vergessen machte, dass Producer und DJ Mark B an dieser Tour gar nicht teilnahm (weil sie ihn angeblich umgebracht hatten, wie ich später erfuhr). Aber damit nicht genug: nachdem sie ihre Show beendet hatten, liessen sie ihr Publikum nicht verschwitzt und begeistert zurück, sondern gesellten sich dazu, hielten hier und da ein Schwätzchen und luden unter Umständen auch den ein oder anderen (weiblichen) Fan auf ein Gläschen Whiskey in ihren Tourbus, wo einem dann die übernatürlichen Fähigkeiten eines Lenny G`s vorgeführt wurden.
Was kann ich da noch sagen, my dear? Sympathisch!


Roots Manuva
26.10.01, Rote Fabrik, Zürich
magensaeure (28.10.2001)

Ich wäre bestimmt nicht um jeden Preis nach Zürich, wenn ich mir nicht absolut sicher gewesen wäre, dass Roots Manuva live es wert sein würde. Tja, da stand ich nun also, allein(!) in der Roten Fabrik, mit den besten Absichten. Sein zweites Album „Run come save me" (s. Plattenreview) war für mich eines der interessantesten der letzten Monate, es bestand für mich also kein Zweifel, dass ich mir Rodney Smith& Crew auf gar keinen Fall entgehen lassen durfte.
Roots Manuva, unterstützt von zwei weiteren MCs (??) , rockte alle famosen Songs des Albums, von „Join the Dots", „Witness" etc. bis „Highest Grade" als Zugabe und wirkte auch beim letzten Gig der Europa Tournee kein bisschen ausgelaugt. Sehr witzig waren ausserdem die improvisierten Ragga-Einlagen, -besonders köstlich eine in Anlehnung an Madonnas „La Isla Bonita".
Das hört sich eigentlich alles nach einer runden Sache an: tighte Rap-Skills, -wie man sie von Roots Manuva ja auch erwarten darf-, keine enttäuschende Live-Performance, die eventuelle Unfähigkeiten der Künstler preis geben könnte, -am Zürcher Publikum hab ich ja eigentlich auch nichts auszusetzen. Was genau letztendlich dann der Grund dafür war, dass ich fast das ganze Konzert eher gelangweilt am Rand stand und abwechselnd an meinem Wodka oder Espresso nippte, vermag ich nicht zu benennen. Der Funke sprang nicht über. Zumindest nicht auf mich. Vielleicht war die Erwartung schlicht zu hoch für ein Hip Hop Konzert, dass es im Endeffekt nicht geschafft hat, sich in meiner Wahrnehmung von den zig anderen abzuheben, die ich erlebt habe. Rock- und Stimmungsfaktor kriegen auf meiner Skala maximal 5 von 10 möglichen Punkten und der Abend hinterlässt einen eher faden Nachgeschmack.
Dickes Album, dünnes Konzert.


Basslastic - Valerian (Element/KA/Datababes) & Mellokat (Belowzero/RV) 24.10.2001 
19.10.2001 - Kula Konstanz
al and mighty brother Horst
 

Um es vorweg zu nehmen: die zweite Basslastic im Kula war superfett.
Vor halb zwölf war das Kula - wie es in einen Club nun mal üblich ist - noch recht leer. Doch nach Mitternacht wurde schnell klar, daß diese Basslastic mit grob 250 Gästen die bislang bestbesuchte Drum and Bass-Party in Konstanz seit langem sein würde.
Valerian brachte mit einem halbstündigen NuBreaks-Set die ersten tanzenden Mädels auf Betriebstemperatur und mit dem Übergang zu deepen DnB Rollern war die Tanzfläche mittlerweile gut und bei bester Laune gefüllt. Mellokat zeigte anschliessend seine Stärken: eine feine Selection zwischen gediegenen Schiebern mit brazil Vocals und richtig deftigen Steppa Sounds liess das ausgelassen tanzende Publikum immer wieder neu heftig abgehen. In der Folge wechselten sich Mellokat und Valerian an den Decks ab und streuten immer wieder Leckerli ein (Mellokats sensationelle HipHop Mixes - Afrob & Kurtis Blow ??? und Valerians smoother Reggae Drop - Police & Helicopters). Gegen Ende wurde zum Entzücken des Publikums die Classic-Kiste aufgemacht und die guten alten Floorfillas mit Rewinds bis zum Äussersten ausgereizt. Als kurz vor vier die Kula-Autorität die Party beendete, waren immer noch einige Unersättliche auf dem Floor - die waren bestimmt nicht die Einzigen, die am nächsten Morgen Füße aus Blei hatten...Es scheint, als ob die Basslastic Parties ein Stammpublikum gefunden haben, das zu Feiern versteht.
Jungs: Basslastic rockt.


Blumentopf, "Eins A"
04.10.01, Kulturladen, Konstanz
magensaeure (08.10.2001)

..."denn der Topf ist im Haus", und das hat Konstanz noch nicht gesehn! Erstaunlich genug das der Blumentopf aus München ausgerechnet in Konstanz seine Tour zum nur 3 Tage vorher erschienenen dritten Album "Eins A" eröffnete. Dementsprechend voll war auch der Kula, ausverkauft nämlich, um genau zu sein. Bereits um neun bangte ich vor der Tür in einer Menschentraube ich möge es noch nach drinnen schaffen, und kaum hat ich an der Bar glückselig mein erstes Bier bestellt, fing auch schon "Nimm Zwai" aus Radolfzell zu rocken an. Und zwar gar nicht so dünn. Die sympathischen Jungs scheinen geübt zu haben, ich zumindest fand Rhymes und Flow tadellos.
Schliesslich übernahm dann Raptile das Mic, der ohne seinen DJ Roger Reckless antrat, da dieser wohl seinem Zivildienst verpflichtet war. Nach anfänglichen Problemen mit dem Sound, die Raptile aber problemlos mit ein paar Freestyles überbrückte, bat er dann schliesslich DJ Sepalot vom Topf um Unterstützung und unter Gejohle auf die Bühne. Raptile war soweit ok, bis auf "Microphone Igniter" kenn ich offengestanden von ihm auch nicht wahnsinnig viel. Das schon fiebrige Publikum feierte ihn jedenfalls recht begeistert. Überhaupt versprühte das über 400 Mann starke Publikum neben Schweisstropfen auch eine sehr feierlustige Stimmung. Die Tanzfläche platzte aus allen Nähten, so dass man es kaum länger als eine halbe Stunde am Stück aushielt, und auch auf den Emporen und vor der Bar tanzten die Leute. Spätestens jetzt.
Denn jetzt standen endlich die Töpfe auf der Bühne: Plattendreher Sepalot und seine vier Mcs Holunder, Heinemann, Schu und Roger. Eröffnet wurde ganz klar mit der Hymne "T.O.P.F" gefolgt vom Titeltrack des neuen Albums, das es bis jetzt übrigens noch nicht vermag mich so zu begeistern wie es vor allem ihr Debüt "Kein Zufall", aber auch der Nachfolger "Grosses Kino" getan hat. Aber vielleicht muss ich's auch nur öfter hören. Denn charmant, witzig und dabei klug, lebensnah und von scharfer Beobachtungsgabe sind die Texte von Blumentopf wie eh und je. Auch wenn "Eins A" erst seit dem 1. Oktober erhältlich ist, konnte man trotzdem zahlreiche Lippen sehen die bei den neuen Stücken mitrappen konnten, und das nicht nur bei der chartsverdächtigen Auskopplung "Liebe & Hass" oder vertrauten Tracks wie "Party Safari".Überrascht war ich dann doch von den dargebotenen Freestyle Einlagen. Klar nimmt man an das gute MCs kein Problem damit haben sollten auch Freestyles zu kicken (obwohl einem auch immer öfter das Gegenteil belegt wird), aber ich hatte Blumentopf nie als ausgewiesene Freestyle-Crew im Kopf. Denkste, was sich Holunder und Konsorten da zu Beats von Hi-Tek zwischen dem Chorus von "Die Jungs aus dem Reihenhaus" aus der Nase zogen, konnte sich, auch vor dem Hintergrund ihres Münchner Kollegen und ungekröntem König David Pe, sehen und hören lassen. Das war mein viertes Blumentopf-Konzert, und sie habens einfach drauf live zu rocken, punkt. Sie begeistern schlicht durch ihre Bühnenpräsenz, und selbst wenn man das "welche Seite rockt? Diese Seite rockt"-Spielchen schon vom Splash gekannt hat wars wieder nett. Sogar Stücke die auf dem Album ernster und ruhiger rüberkommen, performen die Töpfe live wie Abgeh-Tracks. Die Beats sind sauberer produziert, alles wirkt ein bisschen reifer und erwachsener, und der Blumentopf beweist sich als beständige Institution im deutschen Hip Hop.


Basslastic, Valerian (datababes) & Mellokat (Belowzero)  
21.09.2001 - Kula Konstanz
aurelius (26.09.2001)
 

Nach ein paar Monaten Zwangspause ist Basslastic nun an neuer Örtlichkeit gestartet. Ich war doch gespannt wie die Resonanz auf die neue Location und auf Basslastic sein würde. Denn das Kula hat eine grosse Schwelle, die man überwinden muss, um auf den Dancefloor zu gelangen und so manches Mal bereitete sich dort gähnende Leere aus. Doch entgegegen meiner Befürchtungen, geriet das ganze zu einem coolen tanz- und konversationsfreudigen Abend. Valerian und Mellokat sind inzwischen ein sehr eingespieltes Team und liessen nichts anbrennen. Anfangs kämpften die Beats noch gegen eine wenig gefüllte Tanzfläche, doch die beiden schafften es die Gäste nach und nach auf den Dancefloor zu ziehen und von dort nicht mehr zu entlassen. Man lauscht ja doch dem einen oder anderen Gespräch und vernahms mit Wohlwollen, dass Basslastic wohl doch vermisst wurde...
Zur Hochzeit tummelten sich an die 150 Leute im Kula, was natürlich für zufriedene Gesichter bei den Veranstaltern und den DJs sorgte. Der Kulturladen hatte ja nicht immer ein glückliches Händchen, was seine Ausflüge in das Metier der elektronischen Musik betraf. Die fanden doch des öfteren, trotz guter Namen und Musik, geringen Zuschauerzuspruch. Auf jeden Fall war das ganze eine "dufte" Sausse und ich hoffe, dass die nächsten Folgen genauso ein erfrischendes Partygefühl hinterlassen wie diesesmal. Und bei aller hier im Forum beklagten Provinzialität und Arschhockermentalität bleibt zu sagen: there is a candle in the dark.


Björk support: Matmos
11.09.2001 - Liederhalle Stuttgart
Valerian (24.09.2001)

Der Tag des Konzerts war denkbar nervenaufreibend; -am Nachmittag bestürzten uns die Katastrophennachrichten aus New York und auf der Fahrt nach Stuttgart herrschte eine wahrhaft apokalyptische Stimmung als im Radio immer neue Meldungen und Spekulationen berichtet wurden. Ich hörte von meiner Begleiterin, dass das Radiohead-Konzert in Berlin abgesagt worden war, doch als alle Konzertbesucher in den Rängen der Liederhalle Stuttgart Platz genommen hatten und man die Instrumente des Streichorchesters, sowie die restlichen Instrumente auf der Bühne sehen konnte, schien doch eine allgemeine Entspannung einzutreten. Die Produzenten von Björks neuem Album "Vespertine" (siehe Plattenreviews) Matmos aus San Francisco eröffneten das Vorprogramm mit überaus unterhaltsamen Klangexperimenten. So wurde eine Hautwiderstand-Messelektrode mit einer endoskopischen Kamera kombiniert in diverse Hautregionen und Körperöffnungen eines der drei Kalifornier bewegt, so dass sich nicht nur irritierende Theremin-meets-Zahnbohrer-Sounds, sondern auch recht eindrückliche Videobilder ergaben, die auf eine Leinwand übertragen wurden. Im weiteren Verlauf des Vorprogramms bliesen Matmos mit Mikrophonen versehene Luftballons auf und liessen sie mit Megaphonen bestückt an die Decke steigen, befahlen ihren Samplern die üblichen kopflastigen Beats und Pluckereien (man denke mal an Funkstörung, Autechre, Mouse on Mars etc.) zu spielen und trommelten auf diversen Membranen und Tasten einen gleichermassen kurzweiligen wie unterhaltsamen Klangteppich, der, -sicher auch aufgrund der visuell ansprechenden Pippi-Langstrumpf-Wir machen elektronische-Klangforschung-Show für tosenden Applaus in der Liederhalle sorgte.
Das Publikum wirkte ziemlich gemischt; man sah halbwüchsige Björk-Lookalikes, deren schwäbischer Feenglaube sich in modisch selbstbewusster Bonbon-Kleidung manifestiert, -die üblichen Elektroniknerds mit kahlen Köpfen, großformatigen Brillen und hippen Klamotten genauso wie Focus-lesende Proseccotrinker zwischen 35 und 55.
Björk als unterhaltsame Ethnokultur und Feuilleton-geweihter-"Mal was anderes als Phil Collins" Mainstream finde ich etwas befremdlich, aber was solls.
Überaus enthusiastisch wurde dann das Erscheinen des Orchesters gefeiert und als die kleine Isländerin mit dem Schwanenkleid endlich die Bühne betrat, so brach ein fast irritierend irrer Jubel aus. Björk begann mit ihrer Drehleier-Jukebox das Instrumental "Frosti" zu spielen und im erdfarbenen Licht eines einzigen Spots regnete es Blätter/Schnee/wasauchimmerromantisches von der Decke, um den Boden für einen der schönsten Björksongs zu ebnen: "All is full of love" demonstrierte in schauererzeugender Weise Björks stimmliche Präsenz und als der nun die Bühne betretende Innuit-Chor in den Refrain einstimmte, war den meisten in der Liederhalle klar, dass dieses Konzert ein wirkliches Ereignis werden würde. Das Orchester in die Liveshow zu integrieren, halte ich für eine glänzende Idee, -neben den Elektronikspuren und Beats, die in zurückhaltender Weise die Jungs von Matmos einstreuen, einer Harfistin, die auch Akkordeon und Mellotron spielte, dem Chor aus circa 12 Innuitfrauen (das sind im Volksmund Eskimos), kann das Orchester jene symphonische Stärke live präsentieren, die gerade Björks jüngere Songs (seit Homogenic) auszeichnet. So gewinnen viele ältere Songs durch diese Besetzung enorm und im Gegensatz zu früheren Touren, tritt der Clubmusik-Aspekt in Björks-Show immer weiter zurück. Zu den Höhepunkten des Konzerts zählen für mich "Hunter", "Venus as a boy", "Bachalorette" und "Pagan Poetry", das wie alle gespielten Songs des neuen Albums in dieser Livekonfiguration absolut fabelhaft war. Fantastisch auch die Zugabe "Anchor Song" vom ersten Album, das in Isländisch/Englisch abwechselnd gesungen für einen ruhigen besinnenden Moment an diesem Abend sorgte. Man hatte die schrecklichen Ereignisse des Abends schon fast vergessen, als Björk im Gedenken an die Opfer des Tages einen kleinen Tributsong an die "kleine Insel Manhattan" intonierte, der aber nicht zu den intensivsten Eindrücken des Konzerts zählte. Auch "Possibly maybe" oder die Mitklatschnummer "Human Behaviour" fand ich eher missglückt.
Björk ist schon als Person so unglaublich präsent und auch unbekümmert professionell, dass mir spontan niemand in der Popkultur einfällt, der in dieser Qualität und ehrlichen uninszenierten Intensität live ein Konzert von solcher Musikalität zu spielen vermag. Zwar mag es einigen Leuten zuviel Attitüde in Björks Gestik und HinundHergewirble sein und für den Preis einer Konzertkarte hätte man nicht nur Björks gesammelten Werke auf CD kaufen können, sondern auch noch gleich die 4 CDs der Sugarcubes dazulegen können. Doch Björk hat mich als Livekonzert wirklich interessiert, obwohl ich schon ihre erste Tour sehen konnte und im Fernsehen bei diversen ihrer Livedingern eher gelangweilt war, so war dieses Konzert ein echtes Ereignis und tausendmal interessanter als all das übliche 4 Jungs-stehen-auf ner-Bühne und jammern-Programm, das mich weder ernsthaft interessiert noch den alten Fuchs aus seinem Bau holt. Björk gewinnt Meisterschaft und Pokal in diesem Jahr für die beste Platte und beste Liveperformance. Danke!


Depeche Mode Konzert
08.09.01, Trabrennbahn Hamburg
magensaeure (14.09.2001)
Bisher lediglich DM Kenner und Möger, nicht unbedingt fanatischer Anhänger der Band, hätt ich vermutlich nie die Strapazen einer Hamburgfahrt auf mich genommen um die charismatischen Engländer live zu sehn. Aber wie der Zufall es wollte wurde bei Freunden von mir kurzfristig eine Karte frei, also verdrängte ich alle finanziellen Bedenken und dacht: "warum eigentlich nich?", und fuhr tatsächlich vergangene Freitag Nacht in die Hansestadt, um zusammen mit geschätzten 50.000!! andern ein fantastisches Konzert zu erleben. Natürlich war mir in der ganzen Hektik entgangen dass wir das Ganze Open Air geniessen durften, und so war ich alles andere als gegen das Hamburger Wetter gefeit. Als schliesslich nach zwei mässigen, nicht wirklich erwähnenswerten Vorbands die ersten Klänge des Openers "Dream On" vom neuen Exciter-Album zu vernehmen waren, sollten jedoch selbst die angekündigten "ergiebigen Regenfälle", die steifen Brisen, die nassen Socken und nach einem Zug wieder erlöschenden Zigaretten zur Nebensache werden. Schade nur dass wir dank unzähliger aufgespannter Regenschirme und zwergiger Körpergrösse relativ weit hinten stehen mussten um überhaupt etwas ausser den Vordermännern sehen zu können, und die optischen Genüsse wie immer-noch-super-sexy-Sänger Dave Gahan, und die Projektionen von Landschaften, Unterwasserwelten und Wassertropfen nur von Fernglas zu Seitenleinwand verfolgen konnten. Aber auch ganz nach hinten drang die unverkennbare Stimme des Leadsängers, und machte, nein, keine Gänsehaut, die hatte man ja eh schon, sondern: warm. Erfreulich war die erlesene Auswahl an Songs die dargeboten wurde. Aus dem neuen Exciter- Album (empfehlenswert!) die potentiellen Ohrwürmer " Dream on", "Shine", das wunderschöne "Free Love", und das sehr elektronisch anmutende "I Feel Loved", plus alte Songs wie "Enjoy the Silence" und mehrere Stücke vom "Songs of Faith and Devotion" Album: "Walking in my Shoes", "I Feel You" und "In Your Room". Also eine sehr ausgewogene Mischung zwischen neuen Sachen und Klassikern. Gut zwei Stunden hielten Depeche Mode das Sauwetter aus, auch wenn vor dem Konzert angekündigt worden war dass aufgrund der bis zu 7-8 Knoten starken Boen möglicherweise vorzeitig abgebrochen werden müsse. Wenn ichs mir recht überleg passte der strömende Regen eigentlich ganz gut zur düsteren und sehr melancholischen Musik, und Bühnenbild und Dave im Nadelstreifenanzug sahen durch die scheinwerferbeschienenen Regenfäden noch viel schöner und eindrucksvoller aus. Danke Katja, fürs zu Hause bleiben, da wär mir doch glatt eines der besten Konzerte, die ich bisher gesehen habe, entgangen.

I sing the body electric Final edition - KLANGWART & REUBER (Staubgold), Habba, Skitara (Datababes)
31.08.2001 - Rheinterrasse Konstanz
Valerian (06.09.2001)

Die anerkanntermassen "legendären" Partyreihe "I sing the body electric", die von Allerseitsbekannt-Christoph "Lindus" Lindner und seiner Agentur Planet Rock seit einigen Jahren schon, -soweit ich weiss seit 1997, veranstaltet wird, hat nun mit dem Weggang von Lindus nach Berlin ihr Ende gefunden. Die Serie von 21 Parties hat mich meine gesamte Studienzeit in Konstanz begleitet und für tolle und oft angenehm schwierige Hörerlebnisse gesorgt. So war auch die Abschlussveranstaltung in Planet Rocks Stammclub Rheinterrasse geprägt von schwer zugänglichen Sounds und Musikstrukturen. Klangwart und Reuber wechselten sich mit Habba ab und sorgten mit Klängen zwischen Wummern, Knuspern, Brutzeln und Reiben für geteilte Meinung. Nicht Wenigen war die Klangkulisse schlichtweg zu langweilig oder anstrengend und so traten ganze Horden mehr oder weniger für elektronische Klangexperimente offenherzige Menschen einen frühen Rückzug an. Tatsächlich hatten viele angesichts der doch tanzwütigen Montagsparties in der Rheinterrase und in Berücksichtigung der Tatsache, dass das eine Abschiedparty sein sollte, sich auf wildes Tanzen und Ausgelasssenheit eingestellt. Irgendwie herrschte eine seltsame angespannte Atmosphäre. Ich persönlich hätte die Musik in einem klassischen Club mit Sitzgelegenheiten und einfach einigen Quadratmeter mehr an Raum für passender gefunden. So nett die Rheinterrasse für schwüle Soulmusik und relaxtes Clubbing doch geeignet ist, so seltsam unpassend wirkte das Gedränge mit lautem Sprechlärmpegel in Kombination zur Musik der Staubgold-Leute. Auch die Videoanims waren kaum zu sehen, da die Leinwand auf Brusthöhe angebracht wurde und so habe ich kaum mehr als ein paar Super8-Stills und ein paar Dias sehen können. Die Kombination der Klänge mit den Projektionen hätte sicher mehr Raum zum Atmen gebraucht, um vom Publikum angemessen wahrgenommen zu werden.
So wurden die Rufe nach Konstanz` Elektropop-Queen Skitara immer lauter, doch ihr Set wurde relativ weit nach hinten geschoben, sodass die gute Jelena von den dauernden Nachfragen von allen Seiten sich schon fast genervt fühlte.
Kaum dass sie die ersten Beats aufgelegt hatte, war ein deutliches Aufatmen spürbar und die Tanzfläche füllte sich rasch mit dankbar Tanzenden. Ich weiss, - Eigenlob stinkt, aber Datababes-DJ Skitara hat die Party gerettet und so konnten die Partygäste zu später Stunde noch ein inspiriertes Elektropop-Set hören, was auch mit Beifall und Gejohle zurecht quittiert wurde. Ein seltsamer Abend, was nicht zuletzt daran lag, dass einige der Gäste, unter anderem ich selbst, kräftig dem Alkohol zugesprochen hatten und die nasskalte Witterung für Seelenplaque sorgte. Doch andererseits war "I sing the body electric" in seiner letzten Edition dem Geist und Motto der Veranstaltung treu und ich höre gerne Musik, die mir nicht immer sofort reinläuft und die Pop-Synapsen kitzelt. "I sing the body electric" wird mir, -und ich denke ich spreche auch für viele andere Datababes, wirklich fehlen. Big Up für Lindus ! (Hey hey,-das soll nicht Nachruf-mäßig klingen, schliesslich ist er ja nicht tot und sicher ab und zu im Lande)


Popkomm 2001
16 -19.08.01 - Jugendpark, Königswasser, ARTheater, Live Music Hall, Stadtgarten, Liquid Sky
killerPOKE (21.08.2001)

Popkomm. Lindus von Planet Rock hat uns ja schon für verrückt erklärt, uns nochmal diesen Wahnsinn zu geben. Diesmal waren es wohl über 1,5 Millionen Menschen, die Köln am Freitag und Samstag überfluteten, um in der Kölner Sommerschwüle große Mengen Bier und jede Menge schlechte Musik zu konsumieren. Ohne Zweifel hat das Ganze durch das wild wuchernde Ringfest, bei dem ganz Köln voll mit kostenlosen Open Air Bühnen und Acts von No Angels bis hin zu Creutzfeld & Jakob angefüllt ist, mittlerweile schon massiven Love- oder Streetparade Charakter bekommen, aber glücklicherweise blieb man vor allzulustigen Kostümierungen verschont. Meine Kölner Heimat reagiert sich in diesem Punkt anscheinend noch an Karneval ab, was in Zürich und Berlin wohl leider nicht der Fall zu sein scheint. Nun ja. Über die Geschmacklosigkeiten des Ringfests und dem unglaublichen Angebot an Konsumschafen, die ohne Herz und Verstand alles feierten, was ihnen bunt und laut entgegensprang, muß ich mich hier wohl kaum auslassen... schließlich gibt es ja immernoch das hervorragende Clubprogram rund um die Popkomm, das dieses Jahr weniger punktuelle Highlights (sprich Mega-Acts) bot, aber dafür insgesamt ein wahnsinniges Durchschnittsniveau hatte.
Wer wissen will, was er verpasst hat, kann ja mal die offizielle Popkomm Website abchecken und sich die Dates dort geben... einfach unmöglich bei dieser Riesenauswahl und einem normalen Budget annähernd einen Bruchteil der interessanten Acts zu sehen. Generell war es ein ständiges Problem, die Entscheidung für ein Event zu treffen, schließlich gab es immer derbe Alternativen und auch die Erreichbarkeit per U-Bahn und Taxi spielten wegen des allgegenwärtigen besoffen-schwankenden Ringfest-Publikums eine Rolle. Trotz Menschenmassen und Erlebnisstress ist und bleibt die Popkomm für mich das größte musikalische Highlight im Jahr in Deutschland. Vom Clubprogramm und vom Niveau stinken da meiner Meinung nach Streetparade oder gar Loveparade völlig ab.

Wir zogen also zu dritt (Phonquis, T-Mow und ich) los, quartierten uns in T-Mow's Kölner Domizil ein (gute Lage in Bickendorf, gute Verkehrsanbindung und gute Fress-Infrastruktur) und starteten den Marathon am Donnerstag mit einem eher planlosen Hopping durch verschiedene Locations. Zwar dürfte das große Highlight des Abends wohl der "The Groove Gigolo Swindle" Abend mit DJ Hell im Apollo gewesen sein, aber bei der Aussicht auf 3 Tage volles Musik-, Club- und Fressprogramm und der heftigen Kölner Sommerschwüle mieden wir das bekanntermassen nicht ganz preiswerte Etablissement und suchten erstmal nach etwas "undergroundigerem" - sprich mehr umsonst und draussen.
Fündig wurden wir im Gelände und Gebäude des Jugendparks an der Zoobrücke, wo - wie auch schon letztes Jahr - die ganze Popkomm über DJs, MCs und Liveacts für umsonst und open air geboten wurden und es zusätzlich noch nette Chill- und Grillplätze am Rheinufer gibt. Die lokale Drum'n'Bass-Szene war am Donnerstag zwar noch eher schwach vertreten, dennoch wurde aussen von Bass T und vielen anderen locals guter Oldschool Jungle geboten (zu meiner Freude ist im Raum Köln-Bonn bei den Breakbeats eine deutliche Retro-Welle zu spüren, wie mir in verschiedenen Gesprächen mit den Pathfinder Jungs bestätigt wurde). Drinnen legte der auch in Konstanz wohlbekannte Gerald Belanger auf, also schon mal ganz nett für den Anfang des Ganzen.
Zum Thema Pathfinder: TJ Hookah, der uns noch von der Datababes-Party in bester Erinnerung ist, legte übrigens dann noch am Samstag im Kunstwerk auf. Habs leider nicht mehr dahin geschafft, aber die Jungs sind wirklich sehr rührig und veranstalten bald eine Open-Air-Geschichte über 3 Tage, die ich nur wärmstens empfehlen kann. Wenn jemand aus dem Süden Lust auf eine echtes underground Drum'n'Bass-Event hat, ist er hiermit gerne eingeladen. Werde wohl auch noch solange hier oben verweilen und könnte vielleicht für Schlafgelegenheiten etc sorgen. Checkt den Partypreview!
So richtig fesseln wollte uns das aber noch nicht so recht, deswegen wurde später noch der Stadtgarten angesteuert, aber mit Ursula Rucker und Beth Hirsch war nicht unbedingt mein musikalischer Nerv an diesem Abend getroffen, aber auch nett fürs Namedropping. Im Königswasser wurde dann am frühen Morgen noch der ohnehin gechillte Zustand vollends ins Schwanken verwandelt und mit der U-Bahn gings dann wieder zurück zur verqualmten Homebase.
Da T-Mow und ich von der Streetparade mit 4-to-the-floor noch übersatt versorgt waren, fiel dann am Freitag der Entschluß, diese Popkomm ganz dem Hiphop und dem Drum'n'Bass zu widmen. Die zwei größten Jams am Wochenende dürften die French Connection am Freitag (Spax, Curse, Massive Töne, Kopfnicker Posse, Tefla & Jaleel, Breite Seite...) und die Beats & Peaces (Eins Zwo, Ferris, Mark B. & Blade, RAG, ...) am Samstag gewesen sein. Wer meine ach-so-große Vorliebe für Stuttgarter Hiphop kennt, weiß genau, daß die Wahl dabei sehr schnell auf die Beats & Peaces gefallen ist, auch wenn ich Spax und Tefla & Jaleel sicher auch noch ganz gerne gesehen hätte.
Aber somit war der Freitag auch frei für einen weiteren Abend des Breakbeats, der sich dann auch entsprechend angenehm entwickelte: den geschmacklichen Irrungen und Wirrungen des Ringfests und einer seltsamen Jugendhaus Jam entkommen, beehrten wir das ARTheater mit unserer Anwesenheit. Dort hiess es "Tatort meets Mashed". Die Kooperation zwischen den D'n'B-Party-Machern von Tatort und dem Kölner 2-Step, Garage und Breakbeat Label Molly Parker Records ging voll auf: Auf zwei Floors wurde druckvoller 2-Step und Drum'n'Bass geliefert. Zunächst eröffnete Walter b den oberen Floor, um dann von Randall von den Metalheadz abgelöst zu werden. Mit dem hervorragenden MC Fats an seiner Seite sorgte der Brite für eine mehr als bombige Stimmung, die von der sehr sympathischen Local-Heroine (heißt das dann so? ;-) ) MissDee anschliessend aufgegriffen wurde und bis 6.00 morgens gehalten werden konnte. Auf dem anderen Floor lief den ganzen Abend über 2-Step, der aber insgesamt etwas weniger Zuspruch fand. Dennoch stiegen die Temperaturen auf beiden Tanzflächen ins Unglaubliche und es war wirklich ein riesiger Haufen netter Leute da. Auch der eine oder andere Promi (z.B. Tina 303) konnte man in bester "Clublaune" zwischen Toilette und Tanzfläche treffen, aber das ist in Köln ja eher die Regel. Schweißtreibender gings jedenfalls nicht auf den Tanzflächen. Glücklicherweise gingen diesmal nicht wieder die Zigaretten wegen der Sauerstoffarmut und der Luftfeuchtigkeit im Keller aus, wie es letztes Jahr bei Anthony Rother war.
Neben den erwähnten Künstlern gab es auch noch MC Soultrain, Trick or Treat, MC Tails, DJ Wicked und MC Nexalite zu sehen, leider kann ich aber im nachhinein die Namen schwer den einzelnen Acts zuordnen, was vielleicht gegen meine geistige Klarheit, aber definitiv für die Party spricht. Insgesamt alles sehr zufriedenstellend und man konnte ohne schlechtes Gewissen akzeptieren, daß man von parallel verlaufenden interessanten Veranstaltungen, wie z.B. der Compost Label Night im Alten Wartesaal nichts mitbekommen hat. Dort hätten wir mit Rainer Trüby, Jazzanova oder Fauna Flash sicher die größeren Namen, aber auch die größeren Preise geniessen dürfen. Abgesehen davon ist deren Sound in meinen Augen nicht wirklich geeignet, um damit einen Abend zu füllen, erst recht nicht den Freitag auf der Popkomm.
Jedenfalls stand die Sonne schon am Himmel, als wir unseren wohlverdienten Chillout wirklich geniessen durften und irgendwann endlich in den Schlaf fanden. Entsprechend lang dauerte es dann auch bis wir wieder entsprechend vital waren, um den Samstag in Angriff zu nehmen. Die Karten für die Beats & Peaces hatten wir in weiser Voraussicht schon am Vortag gekauft, weshalb wir etwas weniger Stress hatten, als viele der Gesinnungsgenossen, die auf die Abendkasse bauten. Dennoch zogen wir dann recht früh zur Beats & Peaces in die Live Music Hall los, was sich im nachhinein als sehr clever erwies: so mancher guter Act und mein Höhepunkt der Popkomm wäre uns durch die Lappen gegangen, wenn wir uns an normalen Clubzeiten orientiert hätten.
Wie zu erwarten war, war die Warteschlange sehr lang und sehr sehr jung. Der Kinderfaktor war sogar gegenüber dem Splash beachtlich, doch wirklich störend wars nicht - eher teilweise recht amüsant, wenn sich gerade die jüngeren Weiblein und Männlein auf sympathisch klischeehafte Art dem Hip Hop widmeten. Wie immer riefen dann aber Nacht und Dunkelheit mehr Gleichgesinnte und Altersgenossen auf den Plan und das ganze wurde letztendlich eine unglaubliche geile Geschichte:
schon um 20.00 sammelte sich ein beachtliches Publikum bei Nimmzwai aus Düsseldorf vor der Bühne. Hab das ganze nur von draussen mitgekriegt, da man ja an einem so frühen Abend noch nicht gerade unter Dampf steht und sich eher mit Tüten, Bier und Fritten beschäftigt. Als nach Nimmzwai dann aber die UGS-Crew die Stage erklomm, drang schon so viel verlockender Lärm an mein Ohr, daß man unfreiwillig zur Bühne gezogen wurden. Und dort war die Stimmung schon extrem aufgeheizt: die ebenfalls Düsseldorfer Underground Source rockte mit Headlinerqualitäten als zweiter(!) Act des Abends und wurden schon um diese frühe Uhrzeit frenetisch von einem Haufen Leuten gefeiert. Brüll- und Jump-around-Exzesse vor 21.00 sieht man selten. Auch wenn die Jungs selbstironisch ihren "riesigen Erfolg" feierten (nämlich innerhalb von 3 Jahren von Startplatz 1 auf Startplatz 2 auf der Beats & Peaces gerückt zu sein) und in ihren Lyrics jede Hoffnung auf Starruhm begraben haben, sollte man unbedingt deren Album "Kaffee und Kuchen" abchecken! Live sind sie jedenfalls der Burner gewesen und man merkt ihnen an, daß sie schon seit 1993 die deutschen Bühnen bevölkern und sich definitiv nicht mit jeder dahergelaufenen Newcomer-Provinz-Crew messen müssen.

Zunächst habe ich die UGS-Stimmung nur für anfängliche "jetzt-gehts-los"-Euphorie gehalten, aber es war tatsächlich nach den ersten zwei Acts so unglaublich heiß (sowohl temperatur als auch stimmungsmäßig), daß das Publikum leichte Beute für die mir bisher unbekannte Fiva MC und ihre unglaublichen Ausstrahlung war. Die Frau ist der absolute Wahnsinn, merkt Euch diesen Namen und checkt ihre Platte!
Sowohl mit aussagekräftigen und durchdachten Lyrics, als auch mit einem super tighten Flow bewaffnet, spielte sie in ihrer sympathischen Art Katz und Maus mit dem Publikum und sorgte mal eben für Gänsehaut-Stimmung, wenn sie kleine Schnitzer ihres DJ Radrum mit perfekten Freestyle-Einlagen ausbügelte. Zur Ehrenrettung von DJ Radrum: die Techniker der Live Music Hall schienen generell recht unfähig bei Turntable-Installationen und Monitorboxen zu sein, hat sich doch fast jeder Act negativ darüber geäußert. Stylewarz hat sogar das Intro von Ferris versaut: also da war wohl wirklich die Bühne zu wacklig.
Zurück zu Fiva MC: mit offenem Mund starrte so mancher Head ungläubig auf die Bühne, als dieser Wirbelwind die zunächst noch großmäuligen Teenie-Nachwuchs-MCs in der Crowd in ihre Schranken verwies. Kein unnötig agressives fronten, sondern einfach kompetente Darstellung von Skills, die keine Fragen offen ließ. Ohne mal wieder in die banalen Geschlechtergeschichten abrutschen zu wollen, aber als sie dann auch noch überraschend Pyranja zum Gastauftritt auf die Stage zauberte, war die geballte Kompetenz und Attraktivität des weiblichen deutschen Hiphops live on stage. Zum Verlieben! Im Gepäck hatte Fiva auch noch Esther aus München, die mit ihrer beachtlichen Stimme einige Tracks mit einem echten Touch Soul versah, ohne dabei ins Kitschige abzurutschen. Wirkliche grosse Show, die mit tosendem Applaus und einer riesen Resonanz bedacht wurde.

Leider hat Fiva MC die Latte so hoch gelegt, daß die anschließend auftretenden Moqui Marbles kein leichtes Spiel hatten, an diese Euphorie anzuknüpfen. Sie machten ihren Job zwar gut, aber die Crowd wirkte schon fast etwas ausgepowert. Undankbare Startposition, denn an sich war am Auftritt nicht viel zu meckern. Zum Ende der Moqui-Show war dennoch schon fast wieder die Euphorie des Anfangs erreicht, denn die Jungs kamen einfach enorm locker rüber und hatten viel Spaß mit dem schreiwütigen Publikum (besonders gut kam das alte rechte-Seite-sagt-"mo!"-linke-Seite-sagt-"qui!"-Spiel an, das irgendwie besser funktionierte, als ich es bisher bei irgendeinem Act erlebt habe...). Das gute alte Instrumental von MOP's Ante Up tat auch mal wieder sein übriges...
Dennoch erhielt dann der Abend aber wieder einen heftigen Dämpfer durch die überraschend auftretende Princess Superstar, die sogar noch die darauffolgenden RAG mit runterzog. Ich will keinem der Acts unrecht tun, aber die Kombination war ungünstig und nahm Tempo raus. Größter Flop war für mich aber definitiv die US-Rapperin Princess Superstar aus New York, die trotz Kollabos mit High'n'Mighty, Company Flow, Smudpeddlers etc etc, wenig überzeugen konnte. Die unbeholfene Selbstdarstellung als immer feuchte Bums-mich-MC mit fetten Titten (anstatt Skills?) kam überhaupt nicht an. Dazu hatte man schon zuvor ein wesentlich glaubwürdigeres, stolzeres und ehrlicheres Frauenbild erleben dürfen, das es nicht nötig hatte sich als "bad babysitter" zu feiern und am meisten Applaus mit dem Öffnen des Reißverschluß am schwarzen Catsuit zu ernten. Auch ihre US-typische Choreographie auf der Bühne mit der klassischen "Milch-und-Schokolade" Kombination mit schwarzem MC als ewigen Dialog- und Anmach-Partner wirkte ziemlich jiggy. Nicht mein Fall... nur der Opener mit dem Drum'n'Bass-Beat hat mir spitze gefallen. Übrigens könnte ich an dieser Stelle schon wieder mit meiner persönlichen Theorie zu Europa und US-Hiphop anfangen, aber das muss jetzt ja nich sein...
Da ging es bei Mark B & Blade mal ganz anders ab: mit seinem riesigen schwarzen Jugendkumpel Mr. Lex aka 12-Gauge als Support am Mikrofon sorgte das UK-Urgestein Blade für eine mitreissende Show, nach der der Abend auch ruhig hätte beendet sein können, ohne das man unzufrieden gewesen wäre. Kein Witz! DJ Mark B war diesmal nicht allein Vinylverantwortlicher, unterstützt wurde er vom unglaublich fähigen Lenny G (oder Lenny D?), der nach Blades Aussage so ungefähr alles gewonnen hat, was man in UK gewinnen kann. Und so wie der gute Mann seine Skills in einem 1,5-minütigen Turntablist Showcase demonstrierte, glaubte man das auf Wort. Die Namen für die Stunts die Lenny an den Decks brachte, müssen wohl erst noch erfunden werden. Die vierköpfige Crew riss die Stimmung an sich und sorgte definitiv für den zweiten Höhepukt des Abends nach Fiva MC und jegliche Kritik am Line-Up oder vorigen Acts war vergessen. Sowohl Mr. Lex als auch Blade liessen es sich zwischen Beats der Marke loud&slow und schnellerem UK-Style nicht nehmen, sich ständig in ihren erstaunlichen Entertainer-Qualitäten zu messen und aus dem Nähkästchen zu plaudern. So wissen wir jetzt beispielsweise, daß Blade sein zweites Kind erwartet. Erstaunlicherweise trägt er es aus, nicht seine Frau, wie unschwer an "UK's biggest hiphop belly" zu erkennen war. Weiterhin wissen wir jetzt, daß Lenny G auch genauso perfekt cuttet, wenn man ihm dabei die Augen zu hält oder an der Nase kitzelt.
In diesem Stil schaffte es das Team mit seinem selbstironischen Lausbuben-Charme auch wirklich ausnahmlos jeden in der Halle zum Lachen und zum Hüpfen zu bringen und spätestens als ein mit Jacke überm Kopf Maskierter auf die Bühne geführt wurde und sich überraschend als MC Rene entpuppte, der dann als dritter Mann noch zusätzlich ein paar Reime kickte, toste die Halle vor Begeisterung. Herrlich.
Mal wieder war zu spüren, was Bühnenerfahrung ausmachen kann, denn Blade gab zum besten, daß er genau vor 7 Jahren an derselben Stelle in der Live Music Hall schon mal aufgetreten ist. Die Erfahrung merkte man ihm an und wer sich noch an 1994er Britcore à la Gunshot erinnerte, dürfte bei diesem Gedanken sicher geschmunzelt haben - denn wenn man sich in den Reihen umkuckte, waren 80% der Leute damals noch nicht mal Teenager.

Nun war aber wirklich Zeit für die Headliners. Wie von Ferris MC zu erwarten, gab es mal wieder eine Pyro-Show, die seinen Auftritt im Zeichen des Freaks und im Licht von Gasfackeln und Funkenregen herrlich inszenierte. Nur schade, daß eine Vinylpanne von DJ Stylewarz dem ganzen etwas den orgasmischen Effekt nahm. Ferris war mal wieder feddich. Richtig feddich, Alder! Mit gefakten Kreislaufzusammenbrüchen auf der Bühne untermalte er anschaulich seine geistigen und körperlichen Zustand und während die ältere Generation das Schauspiel mit wohlwollendem Grinsen zur Kenntnis nahm, schienen die "harden Kandidaden" der jüngeren Generation die Asimetrie als Lebensmotto auserwählt zu haben: es hüpfte und krachte in der Menge, wie in alten Punktagen und Ferris Aufruf zum vollen Körperkontakt und Pogo wurde in den vorderen Reihen auch wirklich beherzigt. Die Security wurde manchmal etwas nervös bei dem Ganzen, hatte man den Eindruck.
Ferris trat in Begleitung von Tobi Tobsen auf, der sich aber sehr dezent zurückhielt und seine Rolle aufs Emphasizing beschränkte und keine Solo-Parts kickte. Das übernahm dann Sleepwalker, der plötzlich auf der Bühne stand und auch zeitweise in der Crowd herum bouncte. Im Gegensatz zu Dende lieferte Ferris MC eine Art Best-Of aus allen Zeiten und das Publikum dankte es ihm mit wirklicher Ekstase. Ehrlich gesagt war nach Ferris jedem klar, daß Eins Zwo jetzt nicht mehr viel gewinnen konnten. Die ersten Reihen waren schon dabei vor Durst und Erschöpfung zu kotzen und zusammen mit der allgegenwärtigen Popkomm-Hitze hatte sich die Live Music Hall in einen Hexenkessel verwandelt.
Aber Dendemann wäre wohl nicht der beste deutsche MC (dazu stehe ich!), wenn er nicht sein Publikum kennen und lieben würde. Ganz smooth und gekonnt, ohne großen Pathos oder mächtige Intros, nahm er die Crowd zusammen mit Rabauke auf die Reise und stand da oben mit seinem entwaffnenden Lächeln und seiner verplanten Erscheinung, als ob er kein Wässerchen trüben könnte. Ganz langsam bewegte Eins Zwo sein Fadenkreuz vom Kopf zu den Beinen und wieder zurück und irgendwie wippte und nickte dann plötzlich doch wieder alles. Wie schon auf dem Splash legte er den Schwerpunkt auf seine neuen Tracks, die beim zweiten Mal hören noch viel mächtiger wirkten, als ich in Chemnitz den Eindruck hatte. Minimal und bescheiden produziert, aber dafür extrem groovig und mit sehr viel Aussage. Ganz offensichtlich hat der Mann keine Lust mehr sich auf den ewigen rhetorischen Schwanzvergleich auf der Bühne reduzieren zu lassen und scheint sich mehr und mehr als Ratgeber zu verstehen, ohne dabei das falsche Aufklärer- und Durchblicker-Klischee mancher anderer deutschen Hiphop-Größen bemühen zu wollen. Der Mann hat wirklich was zu erzählen und ich höre ihm verdammt gern zu und das tat die Menge auch. Erstaunlich unekstatisch (aber wahrscheinlich genau richtig nach dem Abgeh-Faktor der beiden vorigen Acts) mit viel Liebe und Engagement und ultra-smooth zelebrierte er sich zusammen mit dem Publikum, das es ihm mit riesigen Applaus dankte. Als Zugabe gabs dann noch - wie sollte es zu vermeiden sein - Hand aufs Herz, da wurde dann noch mal gebounct, aber dann war die Schlacht geschlagen und die Beats & Peaces zu Ende. Hab selten ein so ausgebranntes Publikum nach einer Jam gesehen, dabei war es ja gerade erstmal 2:00. Die Leute wirkten echt wie beim Afterglow nach Funghi-Gerichten.
Tja. Völlig verblasen machten wir uns dann auf dem Weg zum Stadtgarten, wo nur mal so eben Ninja Tune ein Big Dada Showcase präsentierte. Vertreten waren Roots Manuva (live mit Band!), Ty & Biznizz, New Flesh, Gamma, Mr Scruff, Strictly Kev, DK. Wer den Stadtgarten kennt, weiß um seine Qualitäten als Chillout Platz und Sammelpunkt fürs Kölner Nachtleben (und schönen Mädels) und bei solchem Wetter war die Location halt sehr verlockend. Und sitzen auch. Es ging einfach nichts mehr tanztechnisch. Bis wir endlich die Preise und das Line-Up etc in Erfahrung gebracht haben, waren Roots Manuva dann auch schon längst vorbei (Auftritt war wohl noch während wir Ferris und Eins Zwo gesehen haben) und damit auch mein Hauptantrieb weg. Und nur für ein nur noch 1,5 stündiges DJ-Set von Mr Scruff noch DM 25,- hinzulegen war uns dann - Popkomm hin oder her - doch ein wenig zu dekadent.
Also richteten wir unser Augenmerk auf die parallel stattfindende "Pathfinder presenting UK Motion" Drum'n'Bass-Party im Kunstwerk in Deutz, die mit Bad Company auch mehr als verlockend war. Irgendwie steckten uns die Exzesse der Vortage dann aber doch zu sehr in den Knochen, um jetzt noch um 3:30 bis Deutz zu tingeln und man traf halt auch bekannte Gesichter aus der Vergangenheit. Irgendwie endete dann doch alles ganz anders als geplant und man hatte trotzdem wahrlich kein Grund zur Klage. Es gibt ja auch noch anderes als Musik... Aber Bad Company und TJ Hookah hätte ich gerne noch mal gesehen.
Am Sonntag überwunden wir uns dann doch noch mal dazu, daß Ringfest zu beehren. Bis auf einen ganz netten Liveact von Rob Acid an der Warehouse Bühne haben wir es aber kaum länger irgendwo ausgehalten und haben uns in die Bastion der Kölner Elektronik Szene "Liquid Sky" zurückgezogen. Das ganze ist weniger Club, als 1210er Bar und war zum Ausklang am Sonntag abend genau das richtige. Dort lies sich das ganze Event herrlich verdauen und die Schwüle mit vielen Kölsch bekämpfen.
Insgesamt war das Fazit bei allen Beteiligten sehr positiv. Es ist zwar wegen des Massenandrangs wirklich Chaos, aber dennoch kann ich das abendliche Clubprogramm nur wärmstens empfehlen. Leider schafft man es erfahrungsgemäß nie, daß zu sehen, was man sehen will. Trotzdem, zusammen mit dem Splash ist die Popkomm definitiv schon fester Bestandteil meines nächsten Sommers. Kann jedem nur empfehlen, mir es gleich zu tun...


Lethargy 01 - lineup siehe partypreview
10/11.08.2001 - Rote Fabrik Zürich, Streetparade Wochenende
Valerian (15.07.2001)

Die Lethargy ist eine alljährlich am Streetparade-Wochenende stattfindende Party in Zürichs feinstem Kulturzentrum, der Roten Fabrik und versteht sich, -auch namentlich manifestiert, als Alternativveranstaltung zur kommerziellen Großveranstaltungen, wie der "Energy" im Züricher Hallenstadion, wo Techno-Jedermänner und -frauen mit Trance und und dem üblichen BumBum bedient werden. So ist auch traditionell die Lethargy mein persönlicher Saisonhöhepunkt im jährlichen Ausgehzyklus, was auch mit der angenehmen Atmosphäre am Wasser der Zürichsees, dem sicheren Treffen vieler Bekannter und nicht zuletzt darin begründet liegt, dass diverse Züricher Freunde strategisch günstig dort an der Bar arbeiten. So erlebte ich in den letzten Jahren legendäre Konzerte und DJs und bevor ich alle aufzähle, erinnere ich mich lieber an die Salzränder an meinem Gürtel nach dem legendären Auftritt von Kemistry+Storm und Roni Size 1997 im kleinen Clubraum, was davon zeugen soll, dass das Lethargy-Booking schon früh Musikrichtungen wie Drum and Bass mit den jeweiligen Top-Protagonisten zu präsentieren wusste. So kristallisierte sich in den letzten Jahren eine klare Richtung für das jährliche Programm heraus, welches in drei verschieden großen Räumen auf dem Rote-Fabrik-Areal präsentiert wird. Meistens gibt es einen großen Techno-Floor, in dem aber auch experimentelle Großprojekte (z.b. Carl Craigs Interzone Orchestra, Super Collider) wie in diesem Jahr Jimi Tenor und Band spielen. Daneben gibt es seit Jahren schon einen Floor, der sich ausschliesslich dem Drum and Bass widmet und im kleinsten Clubraum spielen DJs verschiedenster Couleur, -meistens im musikalischen Zwielicht zwischen Elektro, Minimal und NuBreaks.
Okay, doch nun zu den Geschehnissen dieser Lethargy:

Natürlich waren mal wieder jede Menge Leute da, die man kannte, -nicht zuletzt auf der Datababes-website haben sich einige Fahrgemeinschaften gefunden. Jeder hatte an den zwei Tagen seine eigene persönliche Präferenz und so kommt es unweigerlich dazu, dass man nicht alles "was gut ist bzw.gut sein soll" auch sehen kann, weil natürlich sich zur Primetime auf den drei Floors überall tolle acts tummeln. Gemäß meinem Gusto war ich die meiste Zeit auf dem Drum and Bass-Floor zu finden, wo am Freitagabend der Züricher Drift (Mute) ein glänzenden WarmUp-Set ablieferte, was schon zu relativ früher Partystunde für Rewinds und begeisterte Erkennungsschreie (bei JMajiks "Spaced Invaders) sorgte. Der erste Top-Act des Abends folgte mit einem pompösen Intro: Adam F, seines Zeichens Producer von brillianten Drum and Bass-Klassikern wie "Brand New Funk" oder "Circles" enttäuschte aber masslos. Anscheinend hatte er nicht mitbekommen, dass es in Zürich eine der besten Drum and Bass Szenen der Welt zu beschallen gibt und so langweilten schnell die Standart-Hits, die in jeder Plattenkiste der Konstanzer Drum and Bass DJs seit Monaten schon ganz hinten stehen. Den Abend rettete wieder mal eine brilliante Storm, die mit MC Rage ein wunderbares Gespür für Dynamiken in ihren circa 2einhalb-Stundenset demonstrierte. Fette Roller, tolle neue Hits und dazwischen schob die süß Tanzende immer wieder deepe Roller und Flächen, um in der doch tropisch aufgeheizten Shedhalle mal wieder zu verschnaufen.
Danach sorgten die Züricher Lokalmatadore Mad B und Du Lait für spätes Tanzvergnügen und ich war angenehm überrascht, wie sicher und einfach gut auch die locals das Haus rockten. Natürlich war ich zwischendurch auch mal auf dem Freestylefloor, wo ich sehr gespannt war auf Erobique, den mir Astix sehr empfohlen hatte. Den Sound des Hamburgers hat man sich als Mischung aus Richard Clayderman und TR808-Puristen vorstellen: Minimale Grooves zwischen extrem cheesigen Gesang über Himbeereis und Liebe in der Luft. Erobique sorgte für Kopfschütteln, Lachen und PartyohneEnde gleichermassen, -klasse Unterhaltung allemal und ein Geheimtipp für alle Mutigen.

Der Samstag lockte vor allem mit den Drum and Bass-Band Kosheen und dem schon aus Konstanz bekannten formidablen BootyShaker DJ Godfather. Erste Station des Abends war, -nach den Fressständen, der Freestyle-Floor, wo Roswell 47 ein erfreuliche Set ablieferte und ich zum ersten Mal mein Hemd mit Schweiss benässte. Die Detroit Grand Pubahs, -Schöpfer des Ohrwurms "Sandwiches" hatten Probleme mit dem Sound und mußte ich dann leider verpassen, weil in der großen Halle Kosheen, -allen bekannt durch "Hide U" und "Suicide", ihr Konzert begannen. Für mich taten Kosheen genau das Richtige: anstatt wie zuletzt Reprazent mit wehenden Fahnen zu scheitern, versuchen sie garnicht erst, die komprimierte Energie ihrer Drum and Bass-Produktionen 1:1 in ein Live-Projekt umzusetzten, sondern spielten auch viele Midtempo- und TripHop-Stücke, in denen die Sängerin gelassen ihrer Stimme viel Raum geben konnte. Einige Stücke waren definitiv unangenehm poppig und beliebig, doch glänzten Kosheen mit Charakter bei den bekannten Hits "Suicide" und "Hide U", die das Publikum erwartungsgemäß mit Begeisterung quittierte. Zu Kosheen habe ich nun viele Meinungen gehört (siehe auch Forum) und auch ich selbst bin positiv zwiespältig.
DJ Godfather dann mal wieder mit fettem Detroit Bass und wahnwitziger Turntableaction..super gut, doch war das Publikum längst nicht so tanzfreudig und enthusiastisch, wie bei dem Gig von Godfather in Berlin vor circa einem Monat, der zu meinen besten Parties ever gehört. Teebee, der norwegische Producer, der in letzter Zeit mit tollen Veröffentlichungen auf dem Label Subtitels (siehe TopZehn Mellokat und Valerian) seinen glänzenden Ruf weiter verfestigt hatte, hat sich überraschenderweise auch als cooller DJ mit Scratchkünsten erwiesen und so lieferte TeeBee endlich die Momente mit Legendenbildungs-Faktor: düstere, mystische Flächen, die dann von ultraharten Bässen und Drumgewittern durchbrochen werden; -Teebee an den Decks von drei Seiten umgeben von einer jubelnden und moshenden Masse und es scheint dem Skandinaven wohl deutlich Spass gemacht zu haben, denn oft ging seine Faust nach oben und er pushte sich und das Publikum gleichermassen hoch. Danach die Veröffentlichungs-Weltmeister Total Science, mit einem anstrengenden Set voller Breaks- und Amenstürmen. Die Kosheen-Sängerin übernahm den Part des MCs und umschmuste mit extremen Sexappeal Q Projekt (der eine nerdige von Total Science), wenn sie mal ne Pause vom vocal-droppen machte. Sehr nett und irgendwie süß der Party angemessen.
Ziemlich fertig waren wir dann wohl nach drei Tagen Biorythmus-Zerstörungsarbeit und nachdem letzten Rauchwaren bei Sonnenaufgang am Ufer des Sees geteilt wurden, sind dann wohl alle mehr oder minder glücklich und zerstört erst wieder am Abend des Sonntags erwacht.

Im Gesamten gesehen, macht sich schon bemerkbar, dass eine Massenveranstaltung wie die Lethargy auch jede Menge Technovolk anzieht, dem man doch lieber aus dem Weg geht. Eine Underground-Geschichte ist die Lethargy schon lange nicht mehr und dennoch war in den letzten Jahren immer ein Hauch von legendär in der Luft, als 98 Ed Rush und Grooverider die Bässe pushten, oder Matrix letztes Jahr "Pacman" rewindete und der Saal ausflippte. Diese Jahr trat das Paradenphänomen auf den Plan und jede Menge Zuschauer und Deppen standen auf den Floors, um ihre SMS zu checken und Tanzwillige anzurempeln. Das gibt es natürlich auf speziellen Zielgruppenveranstaltungen, wie der Mute oder der Junglemania nicht, wo eventuelle "Jetzt gehen wir aber mal so richtig aus"-Langweiler garnicht erst auftauchen. Es mag sicher auch wahr sein, dass Techno/DrumandBass/Elektro als Genre auch seit Jahren schon in Zürich gespielt werden und die Lethargy im Gegensatz zu sich selbst vor 5 Jahren nicht mehr die ganz frischen hippen neuen Stile bieten kann. Als eben Roni 97 an der Lethargy spielte, war da die Magie einer neuen Musikbewegung zu spüren, die heute kaum noch irgendeine Richtung bieten kann.
Dennoch eine schöne Party mit dem weltbesten Lineup...interessant, dass doch wieder mal viele "szenige" Menschen aus Konstanz, dann doch dem Seenachtsfest den Vorzug geben. Weltklasse, -keine Stunde von Konstanz entfernt und das nicht nur einmal im Jahr. Immer wieder und immer wieder gerne und als Datababes-Betriebsausflug sowieso.



5 Jahre Planet Rock, Dave "The Ruf" Davies, Fier von der Funkstelle
03.08.2001 - Rheinterrasse, Konstanz
killerPOKE (05.08.2001)

Endlich: obwohl Dave "The Ruf" Davies gern gesehener Gast in Konstanz ist, war es mir bisher nicht vergönnt eines seiner DJ-Sets unter der Fahne des "Jeep Beat Collective" erleben zu dürfen. Zum Glück erlaubten die 5-Jahre-Planet-Rock-Feierlichkeiten in der Rheinterasse es mir dann doch endlich, "Great Britains only one man hiphop army" in Aktion zu erleben, und ich muß sagen, er überstieg meine Erwartungen - trotz vieler Vorschußlorbeeren - um einiges.
Der Mann ist ein Phänomen und ist der lebende Beweis dafür, daß Stilpurismus und Schubladendenken mancher DJs anachronistisch und am Bedarf vorbei sind. Innerhalb eines Sets gelang es ihm von Lalo Schifrin über Public Enemy bis hinzu James Brown und Jimi Hendrix erbarmungslos alles mit einem flinken Crossfader in Beats and Pieces zu häckseln, ohne daß zu irgendeinem Zeitpunkt das Ganze wirr oder planlos gewirkt hätte. In Cuts und Scratches gut versiert verwandelte er so manche alte Soul-Scheibe in eine B-Boy Anthem, um sie dann ein paar Sekunden später mit U2 abzulösen. Erstaunlich.
Über Mikro und sein sympathisch ungesundes Erscheinungsbild eng mit dem Publikum verbunden, erzeugte The Ruf selten bis noch nie gesehene Massenbewegung in der Rheinterrasse, die wegen des schlechten Wetters zum Bersten gefühlt war.
Selbst Elektro und Drum'n'Bass der härteren Gangart wurden dankbar vom teilweise auch sichtlich überraschtem Publikum aufgenommen. Immer wieder flammten an unterschiedlichen Stellen der Tanzfläche Begeisterungsherde auf, wenn der Meister den passenden Hit für die entsprechende Ecke gefunden hatte. Und davon hatte er verdammt viele: mir in bester Erinnerung geblieben sind neben Concrete Schoolyard von Jurassic Five und diversen P.E. Klassikern auch die Hymne meiner evangelischen Jugendhausvergangenheit schlechthin: "Anarchy in the U.K." von den Sex Pistols.
Wem das jetzt hier alles viel zu undifferenziert und wenig geradlinig klingt und wem gerade vom Hiphop-Gesichtspunkt aus das Ganze viel zu wack wirkt, der sollte mal eine Blick auf die Biographie des Mannes werfen und in eine seiner LPs reinhören: das Jeep-Beat-Collective ist definitiv kein Bierzelt- oder Kirmes-Act, auch wenn der Spaßfaktor und die Selbstironie sicher ausgeprägter sind, als bei manch anderem verkniffenen Vertreter des wahren Pfades zum Walhalla des Hiphop.
Seine neuste LP "Deathrace 2001" macht jedoch durchaus konkrete und battle-taugliche Statements. Auch in der Rheinterrasse hat er über Mikro einige Aussagen über sein Verständnis von Hiphop gemacht - leider verhallt sowas natürlich über den Köpfen einer trunkenen Crowd, aber soviel ich mitgekriegt habe, ist er auch ein Vertreter eines sehr weiten Begriffes von Hiphop, der keine Berührungsängste mit dem vermeintlichen Gegner Pop, Techno oder Elektronik hat. Dies spiegelt sich auch in den mitunter recht dancigen Bigbeat-artigen Instrumentals auf seiner Platte wieder. Insgesamt wirkt seine LP sympathisch unterproduziert, um es mal so zu nennen. Es ist deutlich zu hören, daß dahinter kein Megastudio mit unglaublichem Equipment steht, sondern das Ganze klingt viel eher klassisch nach "two turntables and a microphone". Kein Wunder bei einem Mann, der gleichzeitig sein eigener MC, DJ und Produzent ist.
Gerade die Beats werfen ein um fast 10 Jahre Breakbeat-Geschichte zurück und bestechen durch ihren ruffen, metallischen Drumcomputer Stil, der mich unheimlich stark an meine erste Begegnung mit Rap (wie man es damals noch so gerne nannte) durch Ice-T und Public Enemy's "Fear Of A Black Planet" erinnert. Nun genug der Lobshymnen für dieses bemerkenswerte Urgestein. Junge, komm bald wieder!
Kommen wir wieder zur eigentlichen Veranstaltung zurück, die sich also um einiges tanzfreudiger und ausgelassener erwies, als ich erhofft hatte. Besonders bemerkenswert war die Präsenz von allem was Rang und Namen in der Konstanzer "Szene" hat: Helfer, Freunde und Acts von Planet Rock (natürlich auch die berühmt-berüchtigten "Fier von der Funkstelle" wieder in Vollbesetzung), die BASSLASTICer, die NtA-Crew aus Kreuzlingen, Mescalin von 2zuAinz sowie ein Riesenhaufen Datababes und natürlich die üblichen Verdächtigen aus dem Uni-Umfeld. Außer den Jungs von Lakesides-Breaks war kaum ein Gesicht nicht vorhanden...
Auch im Anschluß an The Rufs Set blieb die Stimmung dank der Fier von der Funkstelle bemerkenswert. Der Stimmungshit schlechthin war der von Masterquest abgelieferte "Ein Colt für alle Fälle"-Soundtrack, der dank seiner Ohrwurmqualität und seines Mitsingfaktors auch noch am Samstag in Konstanzer "Nachtleben" desöfteren aufflammte und mittlerweile zu hektischem MP3 Gesuche in manchen Kreisen geführt hat.
Grandioser abend und dickes Danke an Planet Rock! Möge man mir mein stark berauschtes Gekrakel im Gästebuch verzeihen...


Splash! Festival (eine Ergänzung...)
20.-22.7, Stausee Oberrabenstein, Chemnitz
killerPOKE (05.08.2001)

Klar, so ein Festival ist für niemanden gleich. Meiner einer sind noch einige Dinge aufgefallen, die ich noch unbedingt erwähnt wissen wollte:

1. Mir ging die tragische Absage von Method Man und Redman ziemlich am Arsch vorbei, damit stand ich aber vergleichsweise alleine da. Finde ich ehrlich gesagt ziemlich charakteristisch für die Distanz, die der US-Hiphop zu Fans in Europa hat. Es besteht ein bescheuertes Ungleichgewicht zwischen der Vergötterung von US-Helden in Deutschland und dem Bewußtsein der US-Größen dafür, daß es da noch sowas wie Europa gibt. Der Starkult um Einzelpersonen oder Bands schafft einen unglaublichen Graben zwischen Konsument und Künstler, was eigentlich der Idee des Hiphops widerspricht und mich an pathetische Rockbands erinnert. Ein Konzept des Hiphops ist es doch auch, daß alle, sowohl Publikum als auch Künstler, auf ihre Weise Agitatoren und Aktivisten sind. Die Hybris einiger US-Helden finde ich da nervtötend und widerspricht meiner Vorstellung davon, worum es bei der ganzen Sache eigentlich geht. Da berufe ich mich doch lieber auf den etwas bescheideneren und vertrauteren deutschen Hiphop.
Außerdem ist es für mich bei einer Musik, die so textorientiert wie Hiphop ist, auch wichtig, mehr zu verstehen und die Lyrics wirklich komplett erfassen zu können, anstatt nur ein paar Punchlines abzunudeln.
Gerade das unglaubliche Eins Zwo Konzert am Sonntag abend war meiner Meinung nach ohnehin nicht zu toppen. Ein zu Tränen gerührter Dendemann war wohl das, was ich am wenigstens auf dem Splash! erwartet hätte. Ich hab ehrlich nix vermisst. Viel mehr ärgerte mich die Tatsache, daß das Einlaß-Chaos am Freitag mir den Auftritt von RAG und Looptroop versaute.

2. Bemerkenswert fand ich auch die Kommunikationsbereitschaft der Leute auf dem Splash. Kaum eine Minute in der man nicht aus irgendeiner Ecke Diskussionen über eigene und andere Projekte hörte, in der Adressen, Tapes und Selbstbeweihräucherung ausgetauscht wurde. Mit ständigem Freestyle Gebattle bis in die frühen Morgenstunden machten sich so manche Nachwuchs-MCs auf dem Zeltplatz bei den Schlafwilligen ziemlich unbeliebt. Wirkte alles schön rührig und viel Interesse und Aktivität von und auf allen Seiten. Man hatte echt den Eindruck, daß viele angetreten sind, um ihre Stadt und ihre Crew auf dem Hiphop-Gipfeltreffen zu repräsentieren. Allgegenwärtige Präsenz von Kameras und Diktiergeräten (Fanzines und verflucht viele DJs auf der Jagd nach VIP-Props und Shouts für ihre Mixtapes...) verliehen dem Festival tatsächlich die Atmosphäre eines Fachkongresses zum Thema "Hiphop 2001 in Europa". Es war für mich extrem motivierend zu sehen, daß trotz des massiven Kinderanteils und der vielen "mein-Freund-hat-mich-mitgeschleppt"-Betties im Publikum, so viel Leute sich mit "ihrer Sache" derartig verbunden fühlen.
Unzählige Heads zogen mit einem Bauchladen voll eigener Demotapes und Platten durch die Gegend, wodurch auch der unprofessionelle Untergrund dem konstanten Massenbombardement mit Promotionartikeln und Snipper-Tapes durch die Großen der Branche wenigstens etwas entgegensetzen konnte.
Das ganze Ding hatte trotz seiner Größe und seiner Kommerzialität eine unheimlich faszinierende Grundstimmung, die sich auch darin zeigte, daß man ständig kleineren oder größeren Szene-Promis über den Weg lief und auch ganz locker auf dem Zeltplatz mit dem ein oder anderen "Idol" quatschen konnte (wenn man die Idole nicht gerade aus geistiger Umnachtung nicht erkannte und vom Zelt verjagte - arrgh! Sowas schmerzt dann doch...)

3. Ein inneres Missionsfest war für mich als Anhänger der schnellen Breakbeats, wieviele Vertreter der klassischen Hiphop-Fraktion in den D'n'B-Hexenkessel von EZ-Rollers und Kabuki abtauchten und wie anfängliches Unverständnis sich in eine unglaubliche Stimmung verwandelte. Amüsant war es zu beobachten, daß anfänglich die Crowd von hardsteppenden Rädelsführern und Missionaren quasi ins Drum'n'Bass-Zelt geprügelt wurde und wie dann - spätestens mit dem in Topform auftretenden MC Glacius - sich alles in kollektiven Wahnsinn verwandelte. Hätte nicht erwartet, daß ich das Beste an Drum'n'Bass seit Jahren, gerade auf dem Splash erlebe...

4. Bemerkenswert auch das grandios Naturschauspiel, als eine Tornado-ähnliche Windhose mit von mir noch nie in Deutschland gesehenen Ausmassen über einen der Zeltplätze fegte und Zelte, Müll, Absperrband und Stroh zur Begeisterung des johlenden Publikums in 200 m Höhe transportierte. Danke für diese Naturshow Chemnitz! Ich hoffe die Fotos werden was...

5. An dieser Stelle möchte in dann noch den guten Masterquest zitieren, der mir seinen Eindruck vom Splash in etwa so wiedergab: "Es war wack, es war alles voller Kinder, es war Kommerz, aber ich hab noch nie so viel Spaß gehabt." Da kann ich mich nur anschließen!


Splash! Festival
20.-22.7, Stausee Oberrabenstein, Chemnitz
magensaeure (26.07.2001)

Für jeden leidenschaftlichen HipHop- und Dancehall Jünger in Deutschland und Umgebung ist das Splash! ein Begriff und Chemnitz für ein Wochenende im Jahr das Mekka.
Als wenige Tage vor Festivalbeginn die Nachricht die Runde machte, dass die Headliner Method Man und Redman abgesagt hatten, dürfte nicht nur unter uns die Enttäuschung gross gewesen sein. Aber trotzdem liess das illustre Line Up vergangenes Wochenende wohl alle HipHop Herzen höher schlagen. Alles was im deutschen HipHop Rang und Namen hat, liess es sich nicht nehmen, bei dem Festival schlechthin auf diesem Gebiet dabei zu sein. Blumentopf, Samy Deluxe, 5 Sterne, Creutzfeld &Jakob, Curse, King Kool Savas, der Münchner Freestylekönig David P von Main Concept, das famose Duo Eins Zwo, -um nur einige der Highlights zu nennen. Ausserdem Biz Markie aus den USA, Looptroop aus Schweden, und Saian Supa Crew aus Frankreich, die mit einer Beatbox- Performance sondergleichen aufwarteten. Entgegen der schlechten Prognosen spielte sogar das Wetter mit und erlaubte, sich in den auf dem Gelände gelegenen See zu werfen und ganz nebenbei noch die gute Laune Dancehallvibes von der benachbarten Stage mitzunehmen. Diese Bühne war übrigens während des ganzen Wochenendes auch hoch frequentiert, dort wurden Musiker wie Seeed, Gentleman, Bounty Killer, Lady Saw etc. ekstatisch gefeiert. Ich selbst kam leider lediglich in den Genuss mir Mr.Vegas und Elephant Man voll und ganz anzusehn, da das ganze Programm parallel zur HipHop Stage lief, wo meine Priorität lag, aber diese Show hat mich, und wohl nicht nur mich, schwer beeindruckt. Abends war die Qual der Wahl ähnlich gross, zwischen einem Dancehall-, einem HipHop-, und einem D&B-Zelt. Im HipHop Tent lieferte Prince Paul am Freitag eine Meisterleistung hin, gefolgt von Tony Touch und im D&B Zelt brachten die EZ Rollers und DJ Kabuki, nebst anderen die Mengen zum steppen, was mir leider leider entgangen ist, aber einige noch nicht Drum n Bass Begeisterte auf den Geschmack gebracht haben dürfte.
Eigentlich hätte alles gepasst: eine fast schon zu grosse Auswahl an qualitativ hochwertigen Acts, Sonne, See, und Festivalstimmung. Ein Manko war allerdings die an einigen Stellen anscheinend zu wenig durchdachte Organisation. So stellten die Veranstalter am Freitagmittag, als eigentlich alle aufs Festivalgelände strömen wollten, den Massen von 20-30.000 lediglich 8 Containerbuden zur Verfügung, um ihre Eintrittskarten in die eintrittsberechtigenden Armbändchen umzutauschen, was zu stundenlangen Wartezeiten, massiven Protesten und Aufruhr, sowie massenhaften Kreislaufzusammenbrüchen führte, und alles andere als ein angenehmer Einstieg ins Wochenende war. Das es auf solchen Festivals und den Zeltplätzen immer Probleme mit sanitären Anlagen gibt, ist hinreichend bekannt, aber 2-3 Stunden anstehn, um zu duschen, sollte sich doch vermeiden lassen, aber da gabs zum Glück ja noch den See, um auszuweichen. Ausserdem war eine Freestyle Session als Ersatz für Meth&Red mehr als armselig, auch wenn bestimmt 20 MCs auf der Bühne standen, da hatte glaub ich jeder etwas annähernd Gleichwertiges erwartet. Trotz solcher Einschränkungen war das Splash! sicher für alle dies miterlebt haben ein Erlebnis, und vielleicht wird's nächstes Jahr ja sogar noch besser?


Datababes Party 02 - TJ Hookah, Valerian, Skitara, Astral Travelling
13.07.2001 - Neuwerk, Konstanz
Pedro (20.07.2001)

Bilder kommen bald !!!
Bei Party 02 beschenkten die Datababes ihr Publikum mal wieder mit feinen auditorischen und visuellen Leckereien.
Im schon im Vorfeld ausverkauften Neuwerk hielten sie fürs Auge einige Visuals und Plakate mit einer Übersicht über ihre Arbeit
und ihre bisherigen Veranstaltungen bereit. Ausgestellt waren auch die schicken Flyern der meisten Veranstaltungen der Babes. ( v.a. von den auf Stoff gedruckten Riotbabes- Flyer scheinen ja einige Leuten ziemlich begeistert gewesen zu sein)
Musikalisch wurde dagegen zunächst mal Neuland betreten, als die Band Astral Travelling den Abend eröffnete.
Die drei Bandmitglieder machen richtig gute, experimentelle Musik, die so wirklich in kein Raster passt. Am Besten lässt sich der Musikstil durch die verwendeten Instrumente Schlagzeug, Bass, Keyboard/ Synthie, Drumcomputer und Sampler erklären. Nach diesem gelungenen Einstieg in den Abend ging es musikalisch dann zu den "PlattenLegern". Valerian lieferte nach der Band ein NuBreaks- Set ab, das noch ein paar Leute mehr auf die Tanzfläche zog. Obwohl er sich ja bisher eher als Drum&Bass DJ einen Namen gemacht hat, war sein Set äußerst gelungen und mit Tracks wie "get ya freak on" von den Mindmuggaz, -eine White Label des Missy Elliot Hits im NuBreaks-Gewand mit verzerrten Bässen und dem Brachialbeat einer Plutoniumlok- oder Mark und Miley, deren "American Nitemare" mit dem prägnanten Trompetenthema aus dem Film Rocky doch für so einige Jubelschreie sorgte.
Danach übernahm TJ Hookah (Pathfinder Rec../Bonn) die Plattenspieler und sorgte mit seinem Set aus der Anfangszeit der Breakbeat/ HappyHardcore- Ära für große Verzückung bei einem Großteil der Anwesenden. Die Tanzfläche war nun genauso chronisch überfüllt, wie die T-Shirts der Tanzenden komplett durchgeschwitzt.Tanzpausen waren nun nur noch dazu da, um etwas zu trinken oder ein wenig frische Luft zu schnappen.Doch an Ausruhen war auch nicht zu denken, als Skitara ihre elektronischen Schätze zum Besten gab. Um drei Uhr morgens war dann noch einmal Valerian dran und brachte noch ein paar Drum&Bass- Kracher.Ich hab nur nicht mehr sein ganzes Set wirklich mitgekriegt, aber mit Tracks wie "Hide U" von Kosheen oder der neuen Ed Rush ließ er den ekstatischen Tanzmarathon noch bis zum Ende weitergehen


Calexico
04.07.2001 - Zeltmusikfestival, Konstanz
Valerian (06.07.2001)

Calexico, - der Name deutet an, woher der Wind an diesem Sommerabend wehte. Er wehte wehmütige Gitarrenklänge aus fernen staubtrockenen Glühlandschaften ins große blaue Zelt am Konstanzer Hafengelände, wo sich derzeit diverse sehenswerte und uninteressante Bands ein Stelldichein geben. Calexico sind eine Band voller sympathischer Klischees und es ist zunächst amüsant, dass Cowboyhut, Truckerhemden, Mariachigeschmetter und staubiger Tankstellenstyle, den wir aus so vielen Ami-Filmen mit Wüstenambiente kennen, hier in Deutschland einen so exotischen und zugleich coolen Touch bekommt. Doch ist das nur Beiwerk, denn Calexico haben den Wüstenrock als Genre neben Kyuss und den frühen Queens of the Stone Age auf dem Kontinent mit zwei empfehlenswerten Alben etabliert. Neben den genannten Rockgiganten, spielen Calexico eine deutlich ruhigere Mischung aus Rock, Blues und zeitgemässem Country, dessen deutliche Ausflüge in mexikanische Volksmusik für die größten Jubelschreie im Publikum sorgte. Mir persönlich gefielen besonders die ruhigen Stücke, in denen die Stimme des Sängers und die weiten Klänge der Steel-Guitar sich am besten entfalten konnten. Wer den Gesang von Sparklehorse, den Gitarrensound eines Chris Isaak und das Besen-Schlagzeugspiel der Tindersticks mag und bei der Filmmusik von "From Dusk till dawn" schmunzeln konnte, wird Calexico sicher lieben und so traf man in Konstanz auf ein kleines (<350 Zuschauer) aber begeistertes Publikum und mehr als ein Mädchen konnte ich beim Mitsingen der Texte (Schuld und Sühne, Mädchen und Überfälle, sowie diverse andere Cowboythemen) beobachten. Fein akustisch und solide im Spiel intergrieren Calexico Kontrabass, Steel-Guitar, Trompeten und akustische Gitarren mit kaum wahrnehmbaren Effektloops von DAT oder Sampler und irgendwie hatte das ganze sehr viel guten Pop an sich und ich kann mir vorstellen, dass Calexico bei ihren anderen Festivalgigs genauso gut, wie hier in Konstanz ankommen.
Ein schönes Konzert, -nicht unbedingt sofort wieder, aber live und auf CD ein Tip allemal.


I sing the body electric 20b - Dälek
30.06.2001- Contrast, Konstanz
Valerian (06.07.2001)

Planet Rock, unser Garant für frischen musikalischen Input in Konstanz, hatte an jenem Wochenende gleich zweimal Gäste im Contrast (Rechenzentrum am Freitag). Dälek aus Newark (US), waren schon mal mit Techno Animal auf K7 in der Uni und wie immer, wenn Musik abseits des souligen, gradbeatigen und latinen Mainstreams ins Konstanz präsentiert wird, schrumpft die Zielgruppe schon mal in Zehnerpotenzen. Zudem ist das Contrast ja nicht gerade eine In-Location spiegelhall- oder neuwerkschen Ausmasses und so war es eine Schulklasse-voll an Gästen, die sich die Zeit bis zum Konzertanfang mit Flipperspielen, Kickergefechten und Rein-und Rausgelaufe vertrieb. Gegen 24.00 lieferten Dälek dann ein wuchtiges Konzert, dass praktisch alle Gäste kopfnickend und elektrisiert vor der Bühne versammelte. "This is no mtv-HipHop"- das Credo des gewichtigen Sängers, der mit beeindruckender Präsenz seine Message in die dunklem Räume des Contrast hinausschrie, während im Hintergrund seine Mitstreiter an Sampler und Turntables heftig headbangten. So sorgte der heftige HipHop, der in wilde Breakbeat- und Noisegefilde öfters mal hochtourige Offroad-Ausflüge unternahm, für begeisterte Zustimmung unter den Anwesenden und nach kurzem motivierenden Disput mit dem Publikum wiederholten Dälek gegen 2 Uhr einfach ihr Set, um dann einigen Jungs von der Kreuzlinger NTA-Crew die decks zu überlassen, die gewohnt sicher aber an diesem Abend leider mit unverständlich chartlastigem HipHop, die letzten Tanzenden vertrieben. Ein fetter Abend und wie immer schade, dass nicht mehr Leute mal den Arsch hochkriegen und zu einer Party gehen, die nicht dem gängigen Schema von "netter Musik, die keinem wehtut-netter location-nette andere Studenten und um eins gema heim" entspricht. Underground satt, doch wenig hungrige Leute.


I sing the body electric 20a - Rechenzentrum, Nanospeed, Valerian, Skitara  
29.06.2001, - Contrast, Konstanz
aurelius (12.06.2001)

Im Jubelmonat Juni hat Planet Rock ja einige Höhepunkte präsentiert, dazu zählt auch zweifelsfrei die Performance von Rechenzentrum,- die zwei Berliner Kulturaktivisten zeigten wie einnehmend und unkonventionell Klang und Bild
miteinander kommunizieren können. Ich glaube, keiner der anwesenden Gäste wusste so recht was von Rechenzentrum zu erwarten war, die kürzlich ihre erste CD auf kitty-yo veröffentlicht haben und im Querschnitt des Labels doch eine Sonderposition einnehemen, verglichen mit den gehypten und bekannten Acts wie Gonzales und Peaches. Von wenigen Sampels, Bild und Ton ausgehend entwickelten sie einen verzaubernden Bildklangteppich, der von lärmigen Flächen bis zu fetten Ur-Techno
Beats oszilliert und Bildern, die von simplen Störungen und Fragmenten des Filmkopierens bis zu
Filmschnipseln von Man Ray und Fritz Lang reichten.
Es gelang den Komponenten des Rechenzentrums die sehenden Zuhörer in einen Bann der Aufmerksamkeit zu schlagen.
Definitiv kein Klangereignis zum abraven aber ein audiovisueller Hochgenuss, in dem Bild und Ton sich absolut gleichwertig gegenseitig bedingen und vor allem bereichern. Dabei verwenden die beiden keine hochgezüchteten Computer, sondern einen einfachen Sampler, zwei Videorecorder und ein Videoschnittpult. Die wenigen Zuschauer quittierten die Vorstellung mit tosendem Applaus und hatten die Gewissheit, ein kulturelles Bonbon verabreicht bekommen zu haben. Schade, dass sich, einmal mehr, bei einer solchen Veranstaltung wenig mehr als 30 Interessierte eingefunden hatten.
Den Abend eröffnete das Datababes DJ Collective, -Valerian mit lockerem Drum and Bass und Ausflügen in die NuBreaks-Ecke und Skitara mit ihrer Mischung aus Elektro, Elektropop und 80er-Jahren-Elektro-Roots, doch angesichts der Leere im Contrast waren
keine schwingenden Tanzbeine zu sehen, eher gefälliges Kopfnicken, auf jeden Fall lieferten die beiden eine gute Einstimmung auf die später folgenden musikalischen Ereignisse. Für alle NuBreaks- und Elektrobegeisterten sei der 13. Juli noch einmal erwähnt,
an dem Valerian die DJ-Runde mit seinen NuBreaks eröffnen wird und Skitaras elektroiden Klänge die zweite Datababes-Party ausklingen lassen werden. Watch out for Flyers!
Mehr zu Rechenzentrum gibts bald in einem ausführlichen Interview, dass ich mit den beiden geführt habe und welches abtipptechnisch auf meine Finger lauert.



DJ KRM & DJ Joker
16.06.01 - Contrast, Konstanz
magensaeure (19.06.2001)

Uuh. Nachdem die Basslastic, eigentlich der Publikumsmagnet des Contrasts, am Freitag schon unwürdig schlecht besucht war (ätsch, selber schuld wer nich da war), war bei einer so kurzfristig angesetzten und wenig, wenn auch originell beworbenen Veranstaltung wie am Samstag eine desaströse Besucherzahl zu erwarten. Aber dem war erfreulicherweise überhaupt gar nicht so... an die 80 Leute tummelten sich im Contrast und lauschten den Klängen, die KRM und Joker ihrem Vinyl und ihren Plattentellern entlockten. Hoher Kopfnickfaktor, fast durchgehend Ohrwürmer und Lieblingsstücke (meinereiner), von High&Mighty (war sehr nett mal statt "B-Boy Document" das sehr geile "Mind, Soul & Body" zu hören. Danke.), Tony Touch, MOP, Beatnuts, Klassiker wie Onyx, Krs-One, und ODB.
Auch der liebe Muttersprachensprechgesang war vertreten durch King Kool Savas & Creutzfeld und Jakob, Mongo Allstars etc... jaja, da hört man auch mal grosszügig über jiggy Tracks wie Destinys Child, und das ewig abgelutschte House of Pain oder ähnliches hinweg, es sei verziehn. DJ Mumbat von der NTA-Crew übernahm um zwei die Turntables und bediente die Ohren der Gäste mit etwas sperrigerem HipHop, weniger mitsingkompartibel, der aber trotzdem in die Beine und die Gehörgänge ging. Die Freestylesession gen Schluss durfte, nach langer und komplizierter Mikrobeschaffungs- und Kabelfind-Probleme, na klar nicht fehlen.
MC Petit Bimbo, uns allen wohlbekannt von den Lakeside Breaks und inzwischen auch von der Basslastic, versuchte sich als HipHop MC, wobei er es schwer hatte sich gegenüber dem erfahrenen und gewohnt sprachgewandten MC Crossales von der Südbastion und MC Bobby Flirt, ebenfalls von der NTA-Crew, zu behaupten.
Letzteren sollte man sich übrigens auf jeden Fall merken, er überzeugte mit seinem locker-flockigen Flow und (meist) souveränen Freestyles, und hat meiner Meinung nach echt das Zeug zum guten MC. Für ein kurzfristig eingeschobenes Ersatzprogramm gabs da gar nix zu meckern, wie ich meinen will.


Relaxed Clubbing, Datababes DJ Kollektiv: Aurelius, Skitara, Valerian
11.06.2001 - Rheinterrasse, Konstanz
killerPOKE (13.06.2001)

Gut gefüllt war die Rheinterrasse beim Relaxed Clubbing am Montag abend, als das Datababes DJ-Kollektiv vertreten durch Aurelius, Skitara und Valerian zum Tanze aufspielte. Die Stimmung war von Anfang an angenehm ausgelassen und das Wetter lud glücklicherweise dazu ein, auch eine Weile den Rheinblick und die frische Luft an den Open-Air-Tischen zu geniessen.
Eröffnet wurde der Abend durch Aurelius, der ein dem Motto der Veranstaltung getreues Set aus elektronischem Jazz, Big Beat und gefälligen Chill-Stücken jeglicher Couleur präsentierte, mit dem es ihm gelang, das nicht immer tanzwütige Rheinterrassen Publikum auf die Tanzfläche zu locken. Diese war dann auch recht schnell sehr voll. Klassisch war mal wieder der Verdrängungswettkampf zwischen stehendem Getränkekonsum, Konversation und dem bewegten und bewegenden Teil der Crowd.
Mit steigender Temperatur sorgte Skitara anschließend unter dem Publikum für große Zustimmung. Mit ihrer gekonnten Mischung aus Elektro, Elektronika, Wave und Synthie-Pop der 80er verwandelte sie das Relaxed Clubbing kontinuierlich mehr ins Clubbing. Wie zu vernehmen war, überzeugte der aufgebaute Vibe auch die Elektronik-Skeptiker unter den Anwesenden.
Gekonnt griff dann Valerian zunächst mit langsamen Breakbeats, 2-Step und schließlich dann mit wuchtigen Drum'n'Bass und Jungle die Tanzlust auf und führte den Abend dann zu einem unerwartet späten und stimmungsvollen Ende. Insgesamt ein sehr erfreulicher Abend, der Lust auf mehr auch (un)relaxteres Clubbing in der Rheinterrasse macht. Jederzeit wieder!


Nick Cave and the Bad Seeds + Goldfrapp
02.06.2001 - Zenith, München
Valerian (06.06.2001)

Nick Cave-Fans sind in der Regel äusserst scharf darauf, den Herrn samt Männerunde live zu sehen, denn mit Fug und Recht behaupte ich, daß unter den mehr als 150 Konzerten in meinem Leben, jene drei von Nick Cave and the Bad Seeds absolut unverrückbar in meiner persönlichen Top Ten der besten Konzerte hohe Platzierungen einnehmen. So war es beschlossene Sache mit meinen Münchner Freunden auch stolze 60 DM für eine Konzertkarte auszugeben. Im Vorfeld gab es schon einige Befürchtungen, dass der mittlerweile ruuuuhig gewordene Sound des Herrn Cave (siehe Musik/Reviews) und ein lahmer Auftritt im österreichischen Fernsehen, sich auch in München als Enttäuschung erweisen würde, doch gab Anna Entwarnung: Sie hatte das Berliner Konzert gesehen und war als Kennerin hellauf begeistert gewesen.
So war auch das Münchner Konzert ein sehr gutes, -Nick Cave war in wilder Stimmung und gab jenen Zeremonienmeister intensiver Livemusik, wie man ihn in bester Erinnerung hat, zum Besten. Mit brennenden Augen und gestenreich sang sich Nick Cave bei bester Stimme (Nimmt der jetzt Unterricht?) durch ein Set, welches die besten Songs der vergangenen 12 Alben umfasste.
Gelungen eröffneten die treibenden Bassakkorde von "15 feet of thin white snow" das Konzert, um im Verlauf von fast 2 Stunden die Liveklassiker "Red right hand", "The mercy seat", "Weeping song" (mit dem obligatorischen Duett mit Blixa Bargeld) mit den besten Songs des neuen Albums zu mischen. Glücklicherweise ruhte skinny Nick selten am Piano und spielte die Band in der souveräner Coolness ihrer schmierig guten Anzüge und Absatzstiefel noch 4 Zugaben (nachdem das Publikum sie zweimal wieder auf die Bühne geklatscht hatte). Mit "This is a very old song" kündigte Nick den wahnwitzigen Song des ersten Albums , -"Saint Huck" an und gab sich ganz einer erschöpfenden Bühnenexstase hin, die bewies, dass Nick doch jünger wirkt als er scheint und sich längst nicht aufs pianoklimpernde Altenteil zurückgezogen hat.
Dennoch gabs auch Wermutstropfen: Der Veranstalter hatte sich angesichts des rasenden Ticketverkaufs entschlossen, in die große Industriehalle des Zeniths umzuziehen und so tummelten sich circa 4000 Menschen (Hinz und Kunz, von der Hausfrau bis zum gealterten Gothicgruftie) in der doch äusserst ungemütlichen Halle. Das ging deutlich zu Lasten der Atmosphäre und so stand ich doch weiter weg vom Geschehen als mir das lieb war. Die Zeiten der 600 Personen Gigs (Longhorn Stuttgart `95) sind für Nick Cave nach zwei Chart-Alben längst vorbei. Es ist ihm zu gönnen...


N.O.H.A: No Slack Tour + Valerian
Kulturladen, 24.05.01
magensaeure (29.05.2001)
     

Der Kulturladen war am letzten Donnerstag ganz ordentlich besucht, trotz der happigen 23 Mark Eintritt, die Kenner der spielenden Band offensichtlich nicht scheuten, zu bezahlen. Auch wenn Valerian am Anfang vor einer recht leeren Tanzfläche mit Nu-Breaks aufwartete, -rechtzeitig zu Beginn des Konzerts scharten sich die Gäste vor der Bühne.
Dann: N.O.H.A.; man stelle sich vor : ein Schlagzeug, ein Keyboard, ein Saxophon, ein Bass, ein Kontrabass, eine Trompete, eine Posaune, dazu eine Sängerin und ein MC, ein Sampler. Angesichts dieses Aufgebots durfte man musikalisch ja einiges erwarten.
Dank der mitreissenden Sounds, die ich nicht so recht einzuordnen wage, so vielseitig waren sie an diesem Abend, und der Ermunterungen durch die extrem sexy Frontfrau, die mich sowohl durch ihre Bewegungen als auch durch ihren Gesang teilweise an ein legger Bond-Mädsche erinnerte, und ihres ebenfalls nicht zu verachtenden MC`s, dauerte es denn auch nicht lange bis das Publikum anfängliche Hemmungen über Bord warf und die Hüften schwang. Aber bei dieser Kombination aus funkigen bis jazzigen Saxophonlines von Philip Noha -( wie ihr vielleicht schon richtig kombiniert habt : der Namensgeber der Band)-, einer Stimme die so angenehm und stark war wie die ganze Erscheinung dieser wow-Frau, mal dezenteren mal kräftigeren Breakbeats, und je nach Stück mal mehr elektronisch, mehr mellow, auch mal fast Dancehall-artig, aber immer funky, fiel es auch schwer, sich nicht zu bewegen. Die Bühnenshow bestand neben Projektionen, Tanzeinlagen der Sängerin und hochamüsanten Elvis-Verkleidungen des MC`s, auch aus einem grandiosen Breakbeat-Drum-Solo und weniger grandiosen Freestyleversuchen des ansonsten eigentlich passablen MC`s, der während der Zugabe auch noch mit einem kleinen, um den Bauch geschnallten Sampler zu Gange war und sich austobte. Soviel zu den Ueberraschungen des Abends, ansonsten war wie zu erwarten, ihr neues Album "No Slack" zu hören, incl. dem poppig anmutenden Titelsong und der Auskopplung "Set Out", sowie ein altes, noch Drum `n Bass- lastigeres Stück. Nachdem dieses fulminante Hör- und Seherlebnis unter grossem Applaus ein Ende fand, kannte auch Valerian keine Gnade mehr und lieferte eines der besten Sets ab, die ich bisher von ihm gehört hab, was ihm dann auch mit Beifall und sogar einem Autogrammwunsch(!) gedankt wurde. Er spielte einen Stepper nach dem andern (neue Rayner, J.Majik), sowie die alte und die neue Kosheen, Shy Fx, Makai, um nur die Bekanntesten zu nennen. Auch Teile der Band mischten sich unters Volk und waren ebenfalls auf der bis nach 2 Uhr gut gefüllten Tanzfläche anzutreffen. Von Anfang bis Ende ein gelungenes Konzert und satten Drum `n Bass von DJ Valerian: Kompliment.


Coming soon: Interview


No.Stress.Party.Vol.7: Texta, C4, 2zuAinz, Dj Razor, Maniac Beat Crackers
26.05.01, Göggingen
magensaeure (29.05.2001)

Keine Ahnung wieviel Einwohner Göggingen eigentlich hat, auf jeden Fall ist es nur eines von zig kleinen Käffern mit Brauerei und Bauernhöfen im Kreis Sigmaringen. Mit einem Unterschied: vor ein paar Jahren beschloss ein Handvoll von Skatern und Hiphoppern aus diesem Nest sich zur No.Stress.Community zusammenzutun, und eine, damals noch kleine und interne Party auf einer früheren Schafsweide mit einer inzwischen fast vollständig abgerissenen Hütte am Waldrand zu veranstalten. Am Samstag ging das ganze dann bereits in die siebte Runde, und ist in der Zwischenzeit zu einem überregional bekannten Event mit ansehnlichem Line-up mutiert, immerhin war auch Lenny, Korrec`Technique und DJ DSL von FM4 schon zu Gast, und konnten sie diesmal Texta und Razor als Headliner buchen. Sicher an die 500 Leute tummelten sich auf dem abgezäunten, abschüssigen Gelände. 2zuAinz aus Radolfzell eröffneten, und gaben ein ganz gutes Bild ab; positiv überrascht war ich dann von den mir bisher unbekannten Lörrachern C4, die mit eigenproduzierten Beats und sowohl auf deutsch als auch auf französisch mit tight gerappten Rhymes auftrumpften. Die Oesterreicher Texta, deren altes Album mit seinen schlauen Texten im Style von Blumentopf ich sehr schätze, haben mich fast a bisserl enttäuscht, da sie sich beim Konzert leider nicht ihrer eigenen ruhigen, sondern fremder Beats bedienten. Das nahm liebenswerten Stücken wie "Walkman am Ohr" oder "Respekt" den eigentümlichen Charme, hat sie eigentlich fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Trotzdem gabs guten Hiphop auf die Ohren, und die unverkennbaren Stimmen der MC`s retteten dann doch die Vertrautheit zu den Songs. Und wie immer auf der No.Stress. stand nicht ohne Grund "open mic for all MC`s" auf den gut gestalteten Flyern. Von den rund 20 Leuten, die sich zur Freestyle-Battle auf der Bühne versammelten, riss sich im Endeffekt zwar vielleicht nur die Hälfte um die drei Mics, aber was die darboten konnte sich hörn lassen, auch wenn der ein oder andere das mit dem Freestyle vielleicht falsch verstand und seine auswendig gelernten Texte an den Mann bringen wollte. Aber open mic is open mic und da wurde summa summarum nich gekleckert. DJ Razor`s Meisterkünste gingen da leider n bisschen unter, was den generellen Eindruck vom Ex-DMC-Champ nich schmälern soll. Die heimischen Maniac Beat Crackers beschallten dann noch bis zum Schluss die Ohren der letzten verlorenen Seelen. Derbe gut das Ganze.


Gigolo World Tour - DJ Hell, Savas Pascalidis, Inform3r
Douala, Ravensburg, 25.05.01 (Bilder bald)
killerPOKE (26.05.2001)

Verzeiht mir die pathetische Clubromantik, aber es gibt einfach diese Abende, an denen Unwichtigkeiten wie DJ- oder Platten-Namen verschwimmen und alles zu einer wogenden, feiernden Stimmungswelle zusammenfließt, die die ganzen Sorgen und Schmutzigkeiten des Alltags mit einer reinigenden Schalldusche hinfortwäscht. Und wo sollte man so einen Abend hier unten schon woanders erleben, als im Douala, das wieder erneut beweisen hat, daß es nicht zu unrecht als bester elektronischer Club zwischen Stuttgart und Zürich geschätzt wird.
Trotz der etwas happigen DM 30,- Eintritt, war der Laden von Anfang bis zum Ende um 5:30 brechend voll mit Feierwütigen und Abfahrern jeder Couleur, die Tanzfläche war knallvoll und heiß, die DJs hatten das Publikum fest in der Hand und im Gegenzug lud die laue Sommernacht draußen zum gediegenen, kommunikativen Chill-Out auf den legendären Douala-Ledersofas ein. Der ganze Laden war durchzogen von einer positiven Grundschwingung, die von der Crowd auch unentwegt durch viel Feedback und Lärm für die DJs aufgefrischt wurde. War einfach ein Erlebnis...
Als wir eintrafen, eröffnete Savas Pascalidis den Gigolo-Part des Abends und lieferte treibenden Techno mit herrlich trancigen Breaks und darken, melancholischen Elektro und Synthie-Pop. Das Publikum dankte es ihm schon von Anfang an mit vollem Einsatz auf der Tanzfläche. Ich war fast etwas erstaunt darüber, wie wenig Berührungsängste der eher typische Standard-Raver gegenüber diesem doch in Synthie-Arpeggios schwelgenden und weniger stompigen Sound hatte.
Auf Pascalidis folgte dann der Live-Act von Inform3r, dem wohl optisch auffälligsten Mensch im Laden an diesem Abend. Mit seiner Begleitung Katja Casio lieferten die beiden im 80's-Plastik-Punk-Look einen grandiosen Live-Act mit Notebook, E-Drums und einem glücklicherweise später vergessenen Ventilator, der dem Tanzbereich vor dem DJ Pult nachher noch sehr zu Gute kam und wie ein Heiligtum unter den Tänzern herumgereicht wurde.
Als DJ Hell dann die Decks übernahm, war so und so nichts mehr zu verderben: Eine aufgeheizte Crowd dieser Größe und in dieser Stimmung wäre auch bei einem weniger perfekten Set kaum noch zu bremsen gewesen. Übrigens war ich wohl nicht der Einzige, der über Hells neues Äußeres zwischen Shao-Lin-Mönch und Irokese überrascht war. Der Sonnenbrillen- und Anzug-Stil eines Suicide Commandos gehört sowohl optisch, als auch musikalisch wohl zur Vergangenheit von Gigolo.
Hell lieferte neben Gänsehaut- und Weltschmerz-Hits wie Fischerspooners Emerge ("you don't have to emerge from your sins" hätte eigentlich Motto des ganzen ausschweifenden Abends sein können) treibenden stompigen Techno.
Wer jetzt aber eine genauere Analyse der DJ Sets erwartet, den muß ich enttäuschen: nachdem schon die erste halbe Stunde im Club gerreicht hat, um meine Stimmung zu vervielfachen und mir ein selig-zufriedenes Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, habe ich meine Versuche in dieser Hölle Fotos zu machen schon als ausreichende Beschäftigung mit meinem journalistischen Auftrag empfunden und schlicht und einfach weder auf Track, noch auf Labelnamen oder sonstiges geachtet.
Wenn ich das bisherige Jahr durchdenke, kann man mit Fug und Recht sagen, daß dies wohl einer der besten, wenn nicht sogar der beste Clubabend war, den ich 2001 erlebt habe. Wer nicht da war, hat echt was versäumt.
Und auch wenn das gute Wetter normalerweise nicht gerade die Besucherzahlen in Clubs in die Höhe treibt - es ist dann doch immer wieder ein schönes Erlebnis mit der aufgehenden Sonne völlig verschwitzt, fertig und sprachbehindert, aber selig-melancholisch auf dem Rücksitz zu IF zu chillen und mit der Welt und dem See wieder etwas versöhnlicher zu sein.


Andrea Parker
Club Metro, Friedrichshafen, 24.05.01 (Bilder bald)
killerPOKE (25.05.2001)

Hmmmm... ziemlich planlos das Ganze: Weltklasse wie Andrea Parker (vielen bekannt von der K7 "DJ Kicks"-Reihe) spielt im Metro zum Tanze auf und es kommen gerade mal 30 bis 40 Leute. Da kann man ruhig wieder die schlechte Werbung oder das gute Wetter als Entschuldigung bemühen, aber irgendwie ist es dann doch sehr seltsam, daß ich noch nie so viel schlecht besuchte Parties - trotz großem Line-Up - wie hier unten gesehen habe. Nun ja, was solls. Schlüsse darf jeder selber ziehen...

Planlosigkeit kann man dann auch den Metro-Machern vorwerfen, die angesichts der bedrückende Leere im Club lediglich mit Nebelmaschinen und nicht mit der Verlagerung auf den zweiten, kleineren und geileren Floor reagierten. Denn an sich war das Menschenmaterial und der Wille zur Party schon vorhanden, bloß macht die Atrium-Atmosphäre des großen Mainfloors mit einer Handvoll Leuten auf der Tanzfläche eher weniger Spaß.

Ähnlich planlos war dann auch das Set des Resident DJs, das zwar immer wieder einige echte Aufhörer und Aha-Erlebnisse enthielt, aber irgendwie doch sehr chaotisch war. Innerhalb von 1,5 h wechselte er recht wild zwischen Elektro, Synthie-Pop, Techno und Latin-House hin und her, was mir dann doch teilweise etwas zu gewagt war. Ein richtiger Fluß kam da nicht ins Set, wobei der darkere Elektro-Anteil (insbesondere der Rother Remix von Little Computer People u.ä.) mir dann doch gut gefallen hat.

Als dann Andrea Parker die Decks übernahm, flammte die Stimmung nochmal kurz auf, um sich dann aber doch auf einem eher niedrigen, kontinuierlich vor sich hin blubberenden Niveau zu halten. Die sehr sympathisch wirkende Dame eröffnete mit House und Big Beat Platten, was mich dann doch eher überraschte und auch die wenigen Tanzfreudigen nicht wirklich mitriss. Erst als sie nach einer Phase eher chaotischen Aneinanderreihens (zum Teil ohne jedes Mixen) von Platten aller Art zwischen trancigen Breakbeats und B-Boy Sound, der förmlich nach Breakern schrie, auf die etwas fiesere Elektro-Schiene einschwenkte, kam dann nochmal Freude auf. Insgesamt aber ein ziemlich kurzes und doch eher unbefriedigendes Gastspiel der bekannten DJane, das die meisten schon weit vor 3:00 verliessen. Zu wenig Leute, aber die DJs hätten sicher noch mehr rausholen können. Schade.


Afu-Ra, Karibik Frank
Walter's Bar, Albstadt-Ebingen, 19.05.01
magensäure & killerPOKE (24.05.2001)
 

Nachdem der abgesagte Wu-Tang Gig im April bei den Walter's- und Hip-Hop-Jüngern für grosse Enttäuschung gesorgt hatte, versprach der letzte Samstag mit Afu-Ra ein neuer Höhepunkt zu werden, dem nicht nur ich seit Bekanntgabe des Termins entgegenfieberte.
800-900 Headz sollten kommen, und das Walters platzte auch aus allen Nähten. Zur Spitzenzeit waren es aber dann doch eher 500 Leute im Laden, was sich aber wahrscheinlich eher positiv als negativ auf die Stimmung ausgewirkt hat. Das Gedränge war schon beim Vorprogramm mit Karibik Frank erstaunlich groß. Zu dem Mann von der Stuttgarter 0711-Posse gibt es nicht so viel zu sagen. Dazu haben wir beide nicht genug mitbekommen, außer ein paar guten Beats, die aber meistens von Instrumentals anderer Leute stammten.
Tut aber auch nichts zur Sache, denn der Main-Act Afu-Ra lieferte eines der besten Hip-Hop-Konzerte ab, das ich seit langem gesehen habe. Ich hatte sein Debütalbum hier schon in der Plattenreview gelobt, somit bin ich natürlich schon mit grossen Erwartungen hingegangen, und die wurden sogar noch übertroffen, was aber sicher auch an der bombastischen, schon fast stadionähnlichen Stimmung lag (inklusive minutenlangen "Afu-Ra"- Sprechchören). Die Leude sind mitgegangen, abgegangen, haben kopfgenickt und die Hände in die Höh geschmissen - einfach sich und diesen talentierten MC mit seinem geheimnisvollen Support, der locker als sein kleiner Bruder durchgegangen wäre, gefeiert.
Man bekam der Eindruck, dass der gute Mann wirklich Spaß an seiner Show in diesem Städtchen hatte, auch wenn er etwas Mühe mit dem unausprechlichen deutschen Namen hatte. Auch wenn es von der Bühne herunter oft angestaubt und aufgesetzt wirkt, ihm nahm man seine Freude an Publikum und Show wirklich ab. Ich hoffe auf den Bildern kommt was davon rüber, so eine Atmosphäre hab ich ehrlich selten erlebt. Mit den Zugaben "Whirlwind thru Cities" und "Equality" bekam das begeisterte Publikum dann eigentlich auch fast das gesamte Repertoire aus dem "Body of the Lifeforce"-Album zu hören, unter anderem Smasher wie "Defeat" und "Warfare", die live noch einiges an Kraft gewinnen. Mit einem endlosen Freestyle rundete der Zögling von keinem geringeren als Jeru the Damaja dann schliesslich seinen grandiosen Auftritt ab, bedankte sich und verliess die Bühne.
Entsprechend der Euphorie während des Konzerts, ging die Party dann auch weiter. Bis in den frühen Morgen trieben sich die Gäste vorn bei den Hip-Hop-Sounds oder hinten auf dem D&B-Floor rum, und zumindest ich hab mich noch exzellent vergnügt. Der D&B-Floor zog noch weit bis nach 5:00 die Leute auf die Tanzfläche und auch wenn zum Ende hin der Seelenzustand von Gästen, DJs und den guten MCs dazu führte, eher etwas zu viele Rewinds zu verlangen, war der kleine Hinterraum bis zum Schluß ein echtes Muß.


Basslastic - Mellokat, Valerian und D-Sign
Contrast Konstanz, 18.05.01
Pedro (22.05.2001)
     

Dieser Abend hatte eigentlich alles um ein Riesenkracher zu werden:
Gute DJs, zwei motivierte MCs, optisch ansprechende Werbung mit Flyern & neuer schicker Internetseite und exzellente Visuals.
Nur ein nicht ganz unbedeutender Faktor war zu gering: Das Publikum.
Nur ungefähr 50 Leute versammelten sich im Contrast, um der allmonatlichen Basslastic-Zelebrierung beizuwohnen, was natürlich sehr schade ist und vor allem auch nicht dem hohen Niveau der Veranstaltung angemessen ist.
Mellokat und Valerian hatten sich zur Verstärkung noch D-Sign hinzugeholt, welcher am Anfang gleich mal mit recht heftigem Sound, der aber trotzdem hör- und tanzbar war, den Abend eröffnete (manchmal erinnerte es mich leicht an Ambush-Records; leider habe ich nicht sein ganzes Set gehört, da ich zu spät dran war).
Danach legte Mellokat, wie gewohnt extrem souverän, seine feinen Platten auf. Nachdem dann zu diesem Zeitpunkt wenigstens noch ein paar Leute eintrudelten, füllte sich die Tanzfläche. Danach übernahm Valerian den Platz an den Turntables und legte äußerst tanzbaren Drum& Bass auf, -von Kosheen bis Bad Company. Zu Val gesellten sich gegen später dann auch noch die beiden MCs, -Bimbo (und beim zweiten weiß ich den Namen nicht mehr ...).
Alles in allem war es aber trotzdem ein gelungener Abend an dem die Tanzfläche nie leer wurde und all die vielen, die nicht dabei waren, haben mal wieder wirklich was verpasst.


JIMI TENOR (Warp/Sähkö Finnland), ALLEY CAT (Skunkrock London),
SCI & MELLOKAT (Belowzero)
 
12.05.2001, - Club Metro Friedrichshafen
aurelius (21.05.2001)
       

Heidewitzka was für ein Wochenende, da schrumpelt die Seele im Winter zusammen und kaum wird es wärmer, gibt es auf einmal Musikgenuss satt, -wenn es in dieser beschaulichen Region doch des öfteren soviel Gelegenheiten zum abendlichen Geldausgeben vorhanden wären. Dann auch noch das: Einer meiner Madman-Favotiten findet auf unergründlichen Pfaden den Weg ins Metro. Um es gleich vorwegzunehmen: Es waren doch recht viele technohungrige Teens am Start, die den werten Herrn Tenor nicht zu schätzen wussten, der mit einer exzellenten Liveband zur Abendunterhaltung antrat. Er trug ein nettes Hochzeitskostüm und seine Kommunikation mit dem Publikum beschränkte sich auf unverständliches Brabbeln ins Mikrofon - was solls, ich hatte einen prächtigen Abend und genoss das ganze in vollen Zügen. Die meisten Stücke entstammten seinem "aktuellen" Album und es war ein tenorige Melange aus Jazz, Blues und schrägen Orgelorgien, die manch jüngeres Ohr aus dem Saal vertrieb. Ab und an mutierte der zu verheiratende Mann zum Entertainer, besonders dann, wenn er zu seinem "Ich-mach-jetzt-wilde-Töne-Kasten" griff und sich einen ableierte. Auch das obligatorische Glas Sekt für die musizierenden Mannen, feilgeboten von einer schönen Dame, durfte nicht fehlen. Fucking funky war das ganze. Schade, dass ihr nicht dabei wart. Der Meister liess sich noch, wenn ich mich recht erinnere zu zwei furiosen, -vom Publikum umjubelten Zugaben hinreissen, um den Rest des Abends am Flipper des Hauses zu verbringen (Grummel, ich wollte auch gerne mal zocken). Aus dem grossen Saal habe ich mich dann schnell verzogen, als der übliche Handtaschenhouse erklang und die Teenies auf den Dancefloor zog. In der Groovebox spielte sich der angenehmere Teil des Abends ab. Loslegen durfte Sci und er liess es sich nicht nehmen mit seinen abstrakten Sounds die Tanzfläche nicht gerade zum Beben zu bringen. Der Sound war gut, aber zum Einheizen wenig geeignet. Dafür holte Mellokat die Kastanien aus dem Feuer und jagte ein Paar Crowdpleaser durch die Boxen, so dass doch bewegte Leiber auf der Fläche des Tanzes zu finden waren. Miss Alley Cat, die Dame der späten Stunde, feuerte gleich mächtig los, aber der Funke wollte nicht mehr so recht auf das Publikum springen (über?) und so begann sich die Örtlichkeit doch alsbald zu leeren. Dennoch ein kleines Juwel der Partyabende, dank dem guten Jimi.


I sing the body electric 18 DJ Godfather (Databass, Detroit), Roswell 47, Razor, Selecta Toby
 
11.05.2001, - Sealife Centre, Konstanz
aurelius (12.05.2001)
 

Es war ein schöner Tag am Bodensee, welcher glitzerte und vom Wind bestrichen wurde. Doch der Abend sollte zum Lob des Tages werden. Mediterrane Stimmung aus Seegeruch und wohliger Abendwärme gab der Nacht das passende Gewand zu einer wirklich schönen Party im Wonnemonat Mai. Auf der Terasse empfing Selecta Toby die Besucher mit einer warmen, relaxenden Melange aus Dub, Downbeat und TripHop.
Es war wunderbar. Die laue Luft umschmeichelte geschmeidig die Haut und die Musik die Ohren. Ein entspannter Beginn. Mit Dj Razor konnte ich nicht soviel Anfangen, HipHop, ok, aber es lief mir nicht rein.
Aber die Hitze der Nacht war noch lange nicht erreicht. Es stand der Audienz noch ein echter Mundöffner bevor. DJ Godfather -ein bescheuerter Name, wie ich finde - der, wie docarzt aber treffend bemerkte, aber das father am Ende gar nicht braucht. Ein Mensch, der auf dem Mischpult elegant Klavier spielt. Smooth flitzten seine Hände über die Platten und die Fader. Ich will euch nicht mit unerquicklichen verbalen Wiedergeabeversuchen quälen. Der gute Mann glitt von schmutzigen House in HipHop und locker zu smoothen Drum and Bass über, -das innerhalb von fünf Minuten. Er war ein Erlebnis und das ganze war ein Ohren- und Augenschmaus. Ein Highlight der inzwischen doch schon langen "I sing the body electric"-Reihe. Nach ca. einer Stunde des Staunens war der "Spuk" vorüber und hinterliess eine groovende Partycrowd, die mit coolen Elektrobeats von Roswell 47 weiter in Schwingung gehalten wurde. Diese Party war ein erster Vorbote des Sommers und beschwingten Schrittes wandelten die Tanzwilligen durch die Nacht. Starlight is my guide.


Benjamin v. Stuckrad-Barre
Audimax Uni Konstanz, 27.04.01
magensaeure (06.05.2001)

Annm. des Ins-Netz-Stellers: Diese review ist ja eigentlich keine klassische Partyreview und gehört eher in die Literatur- oder Kunstrubriken von Datababes. Doch hatte diese Lesung ja schon ziemlich Party-Stellenwert, sodaß ich glaube, dass sie hier ganz gut aufgehoben ist. :Val.

So trug es sich zu, dass der nicht nur im Datababes- Dunstkreis Kontroversen auslösende Jungautor auf seiner Lesereise durch die Nation auch in Konstanz Halt machte. Ich werde hier die gute alte Diskussion über gute oder schlechte Literatur, Selbstinszenierung/ Popstarallüren ober gar den Untergang der abendländischen Kultur nicht(!) wieder aufgreifen, sondern lediglich meinen Eindruck von dieser Veranstaltung schildern. Bitte keine Attentate, -is schliesslich Geschmackssache. Ich gestehe hier öffentlich, dass ich mich sowohl bei der Lektüre seiner Bücher als auch bei der Lesung letzten Freitag die meiste Zeit durchaus gut unterhalten gefühlt habe. Der Popautor hat zweifellos Entertainerqualitäten, als Besitzer seiner Bootleg-CD war mir das bekannt, und so war ich auch recht gespannt, seine "Show" auch mal live mitzuerleben. Nicht dass BvSB lediglich aus seinen Büchern liest, er greift auf Licht- und Sound-Effekte zurück, um seine Lesung auszuschmücken. Böse Zungen würden hier behaupten, er müsse das tun, um die ganze Sache überhaupt erst interessant zu machen, weil sein Geschreibsel sonst zu langweilig wäre - ich enthalte mich da mal. Er gibt unveröffentlichte Texte zum Besten, die er vielleicht auch mal ne Nacht zuvor im Hotelzimmer geschrieben hat, wenns denn stimmt, ausserdem Zeitungsartikel über das Bielefelder Nachtleben und einfach alles, was ihm so in die Finger kommt, wie es scheint. Dazu spielt er Tracks von Robbie Williams bis R.E.M oder Cure ein, zeigt Dias, die mal mehr mal weniger was mit dem eben Gelesenen zu tun haben, und schleppt auch mal ein Madonna- Pappschild an, um seine Horror-ich-will-noch-ne-Karte-fürs-Madonna-Konzert-kaufen-Geschichte -("Koi Schongs")- zu untermalen. Zudem scheint es eine Vorliebe von ihm zu sein, das Publikum miteinzubeziehen, ob es nun um die chemische Zusammensetzung von Kreide oder die malerische Darstellung von ihm und der oben genannten Pop-Ikone im Zugabteil geht, er versteht es, keine Langeweile aufkommen zu lassen. Mit einer Lesung im üblichen Sinn hat das nun wirklich nicht mehr viel zu tun, aber ob man das positiv oder negativ werten will, sei einem jeden selbst überlassen. Ich find ihn sehr charismatisch und talentiert, egal ob als Autor oder Alleinunterhalter. Wär sicher auch für Stuckrad-Barre-Hasser bzw. Kritiker interessant gewesen, sich den Grossmeister in Action anzuschaun. Prädikat: Sehenswert!


Basslastic - Mellokat, Valerian  
21.04.2001, - Contrast, Konstanz
aurelius (02.05.2001)

       

 


NTA-Crew (Kreuzlingen), Meskalin ( 2zuAinz), Cutterific (RV)
13.04.2001 - Contrast, Konstanz
magensaeure (21.04.2001)
 
 

Am Karfreitag gaben die Kreuzlinger Jungs von der NTA-Crew und Gäste ihr Debüt im Contrast und boten den HipHop-Headz in Konstanz ein Hörerlebnis der Güteklasse A. Nachdem die Veranstaltung mit den Freien Mitarbeitern ausgefallen war, gab diese Party Gelegenheit, sich vom Können der Community auf der andern Seite der Stadt zu überzeugen. Die Turntablists hielten sich allerdings mit ihren Tricks an den Plattentellern etwas zurück und konzentrierten sich eher darauf, die Crowd bei Laune zu halten, was ihnen auch ganz gut gelang, wie ich meine. Neben hin und wieder auch mal poppigeren Stücken (dafür werd ich gelyncht werden, gell oli & jo), griffen die vier anwesenden DJ`s (neben Sir Jai & Mumbat aus CH auch Meskalin von 2zuAinz aus Radolfzell und Cutterific aus Ravensburg, wenn ich recht informiert bin) aber auch die edlen Teile aus ihrer Plattenkiste und gaben die meiste Zeit feinsten HipHop zum besten, -oft- und auch eher selten Gehörtes. Allgemein eine Auswahl, die mir sehr gut gefallen hat. Man sah viele junge und vor allem viele neue Gesichter im Contrast, und ich denke HipHop zieht auch in KN ein grosses Publikum an, weshalb es schade ist, dass in dieser Richtung leider immer noch viel zu wenig geboten wird. Wer schliesslich bis Ende blieb, wurde noch mit einer leckeren Freestyle Session belohnt, bei der sowohl MC`s aus der Schweiz als auch lokale Bekannte wie Crossales von der FM-Crew ihre Reime kickten. Hoffentlich nicht das letzte Mal, dass das Contrast Besuch aus der schönen Schweiz (und aus der Region) hatte, bewies die NTA-Crew doch, dass dieses Land mehr als nur grosse Berge, leckeren Käse und feinen Badezusatz zu bieten hat.


Riotbabes - Valerian, Ground Zero, Jiri Hönes, Marc Arzt  
30.03.2001 - Contrast, Konstanz
aurelius (06.04.2001)

Die erste Riotbabes-Party widmete sich den musikalischen Extremen Digital Hardcore und Noise - dass dies nicht für einen proppevollen Saal sorgte, war zu erwarten. Ein Kreis Interessierter fand sich dennoch im Contrast ein und wurde nicht enttäuscht. Es war wohl die krasseste Veranstaltung seit langem in Konstanz. Durchfahrende Züge erschütterten das Contrast in seinen Grundfesten und dunkle Klangwände pressten Körper und Geist an die Wand. Der Stressfaktor dieses Abends war ein hoher, aber der Innovationsfaktor war mindestens genauso hoch. Valerian eröffnete den Abend mit frühem Darkstep, Panacea-Klassikern und düsteren Klangexperimenten amerikanischer Producer. Ground Zero bewegte sich zwischen subversion, ambush, praxis, widerstand rec. und riot beats recs. Er spielte zielsicher Stücke von Alec Empire, Aphex Twin und Aphasic & Scud und anderen; Noise Terror zwischen Drum and Bass und Elektronischen Lärmwänden. Valerian schloss sich nahtlos mit einer Labelshow von Digital Hardcore Recordings an. Das Punk-Drum and Bass Label hat da viel zu bieten einschliessslich dem bekanntesten Act Atari Teenage Riot, aber auch weniger bekannten, wie Ec8tor und Shizuo. Valerian und Ground Zero legten dann Back to Back auf und hatten ein Höllenspass an scharfen Cuts. Bollernde Bässe und ratternde Beats setzten die beiden unter heftigen Moschzwang...
Dann übernahmen Jiri Hönes und Mark Arzt von der Feierncrew den Befehlsstand hinter den Plattenspielern und bombten uns in die Welt von Megahertz, Shokoy, Hymen, V/Vm Test Recordings und anderen Elektro und Techno-Labels. Es gab sehr viel Klangstabil zu hören und den wundervollen Goran Besov. Es fällt mir doch schwierig Worte für diese Musik zu finden, die mich, wie eingangs erwähnt, gegen klang-gemachte Wände liefen liess. Harte, gabbangehauchte Beats hämmerten und metallisches Knirschen, Knacken und Schlagen ergänzte die düstern Klanglandschaften der Beiden. So tief habe ich selten DJs in die dunklen Tiefen des Noise tauchen sehen. Auch die Wurzeln des Dunklen, wie Stücke von Das Ich oder Slayer(!) sorgten für erstauntes auf-hören. Einige potentielle Besucher prallten auch gleich wieder am Sound der vier Recken ab und auf die Strasse hinaus, es war einfach zu viel für hitparadengewöhnte Ohren, es war eher der Klang zum Auftakt vom Untergang...
Auf jeden fall ein hörenswerter Abend, ich hoffe auf eine zweite Auflage.


HörBar DJs Skitara und Täwe Schur  
21.03.2001 - Contrast, Konstanz
aurelius (27.03.2001)

Wir haben einen neuen Bilderviewer, wenn ihr das Bild in der Originalgrösse sehen wollt, einfach anklicken.

   

Whitehouse
19.03.2001 Roxy, Ulm
Ground Zero (20.03.2001)

"Whitehouse, ein bereits legendärer Act in Sachen experimental noise gibt in Ulm ein Stelldichein" - so oder zumindestens in diesem Sinne wurde die Veranstaltung im Netz und auf Flyern beschrieben. Als passionierter Anhänger von allerlei elektro-musikalischer Spielarten der härten Gangart konnte ich mir die so beworbene Veranstaltung nicht entgehen lassen. Vorausschickend gilt es noch anzumerken, daß noise, sprich jenes Genre, daß sich gänzlich dem Lärm verschrieben hat, bis dato noch ein unbeschriebenes Blatt in meinen musikalischen Memoiren war. Daher mögen mir Experten und Vollblutanhänger dieses Stils meine laienhafte Beschreibung bitte nachsehen. Die Location: Der kleine Veranstaltungsraum des Roxy war von den Verantwortlichen als Obdach für das Event auserkoren worden. Überschaubare Größe, treppenförmig ansteigende Tribüne zum Stehen, Sitzen, Liegen, Projektionsflächen an den Wänden. Publikum: Mit ca. 80 - 100 (?) Besuchern, die den Eintrittspreis von 23,-- DM nicht gescheut hatten, war die Halle sicher nicht über- aber doch schon dekorativ bevölkert. Auffällig war, wie bunt gemischt die Anwesenden waren: Vom eher konventionell anmutenden Hemdträger bis zur stachelbewehrten Goth-Anhängerin war alles in verschiedener Stärke präsent. Der Act: Mit mehr als einer Stunde Verspätung traten Whitehouse schließlich an, dem Publikum das Fürchten zu lehren. Mit Erfolg, denn schon nach wenigen Sekunden nachdem sie die Wand aus Konzert-Boxen und Marshall-Verstärkern zum Leben erweckt hatten, mußten die Anwesenden um ihr Gehör fürchten, Ohropax schien glücklicherweise bei allen Besuchern vorhanden zu sein. Den Sound möchte ich in etwa so beschreiben: Man stelle sich vor, man sitzt zwischen einem Airbus-Triebwerk, das unter Vollast läuft und einem Schiffsdiesel, der Drehzahlen jenseits des roten Bereichs erreicht hat. Besudelt wird die so entstehende "wall of sound" vom übersteuert-unverständlichen Gesang von zwei der drei Bandmitgliedern - shouting zwischen Iron Maiden, Punk und Spoken Word im Schreikrampf-Format. Die Live-Präsenz des Trios beeindruckt ohnehin. Anfangs noch an eine bartlose Version von ZZ Top erinnernd, entwickeln sie sich in kurzer Zeit zu englischen Partylöwen, wie sie klischeehafter nicht sein könnten: pöbelnd, laut und besoffen. Denn Bier scheint ein wichtiger Bestandteil des Auftritts zu sein, grimmig blickend, wild gestikulierend und bedrohlich im Kreis laufend, wird ein Bier nach dem anderen gekippt und/oder ins Publikum gespuckt/gespritzt. Die Menge nimmt es zur Kenntnis, zeigt sich aber wenig beeindruckt und stoisch ruhig. Genau diese Ruhe, in Verbindung mit zahllosen Flaschen Gold-Ochsen-Pilsener, raubt dem Trio dann auch ganz offensichtlich die Motivation. Nach knapp 90 min erklären sie das Konzert für beendet. Das Resümee: Trotz der obigen Beschreibung bin ich nach dem Konzert nicht spontan zum Noise-Jünger konvertiert. Ungeachtet meiner eigentlich vorhandenen Vorliebe für wenig harmonsiche Klänge sprang der berühmte Funke nicht über. Die Faszination Noise in dieser reinen Form erschließt sich wohl nur dem wahren Könner und Kenner, mehr oder weniger konventionell gearteten Hörern bleibt sie wohl - zumindest bei der ersten Begegnung - verschlossen.


ABS mit Lenny und OnAnOn / Shatta Movement
17.03 walters, albstadt
magensaeure (20.03.2001)

Eigentlich nicht soo angetan von ABS und ihrem Debüt " Kinderspiel - leichter gesagt als getan", war ich trotzdem am Samstag in Albstadt im geliebten Walters, das sich unter HipHop Freunden bereits über die älbler Grenzen hinweg einen Ruf gemacht hat. Und so gastierten ABS, supported von Lenny und Onanon im Rahmen ihrer Album-Promo Tour auch in Ebingen, um dort das Haus zu rocken. Trotz neu eingeführter strenger Ausweiskontrollen fand sich die creme de là creme der 14-16jährigen ein, wie immer bei HipHop-Konzis, und das hat mir, obwohl selbst ein junges Ding, schon mal gar nicht so behagt. Aber gegen elf traten die Ruhrpotter auf die Bühne, zunächst Lenny und OnAnOn, gegen Mitternacht dann der Main-act, und ,entgegen meiner anfänglichen Skepsis, war ich von dem was ich mitbekommen hab durchaus positiv überrascht. Trotzdem hat mich der Drum`n Bass Floor mal wieder mehr in seinen Bann gezogen, wo zuerst das Shatta Movement aus Stuttgart derben Ragga zum besten gab und sich ab eins die Residents Shoka Blen und Spooky, diesmal leider ohne faboulus MC Mighty , die Ehre gaben und ein excellentes Set ablieferten, das auf grossen Zuspruch im Publikum stiess. Eine vielversprechende junge Crew, die auch am Freitag im Metro in FN zu hören sein wird. Es war also ein ständiges Hin und Her zwischen dem kopfnickenden ersten und dem steppenden zweiten Floor, die sich in Qualität und Stimmung eigentlich in nichts nachstanden. Ich glaube, jeder kam auf seine Kosten und es hat allen Spass gemacht. Das Walters is auch von Konstanz aus eine Reise wert, wer gerne HipHop oder D&B hört, sollte es sich auf jeden Fall ma anschaun, für Termine checkt die site www.hiphopclub.de bzw. www.walters-bar.de.


DJ MYURA (free fm, ulm) (Relaxed Clubbing)
Bilder bald
19.03.2001 - Rheinterrasse, Konstanz
Valerian (20.03.2001)

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Das Event am Montagabend hat sich rumgesprochen und so platzte die Rheinterrasse mal wieder aus allen Nähten. DJ Myra (free fm) aus Ulm gilt als einer der besten Nachwuchs-DJs in Sachen Reggae und wurde diesem Anspruch unspektakulär aber voll gerecht. Sehr entspannte Songs sorgten trotz Gedränge und allgegenwärtigen Bambusstengeln in Gesichtshöhe für eine gute Atmosphäre, die den Montagabend in der Rheinterrasse als ultimativen Ort zum Ausgehen, Tratschen und Leute-Treffen etabliert.
Als sich gegen später der Saal leerte, wurde der freiwerdende Raum sofort von elegant hüftschwingenden Tänzern und Tänzerinnen okkupiert und so klang der Abend sehr angenehm und bierselig aus. Zwar scheint der Relaxed Clubbing-Abend immer noch eine reine Studenten- und Über-20-Angelegenheit zu sein, doch das kommt den meisten sicher zupass.
Im Sommer könnte das noch viel netter sein, wenn ich mir den Ausblick auf das angrenzende Wasser vor Augen führe. Wirds dann Relaxed Clubbing dort noch geben ?


I sing the body electric 16 - TABLE OF THE ELEMENTS european showcase tour 2001  
18.03.2001 - Studio 1, Konstanz
aurelius (19.03.2001)

Table of Elements stoppten auf ihrer ersten Europatour auch im lieblichen Konstanz, und ca. 30 Leute wollten zuhören. Ich wusste nicht so recht, was ich zu erwarten hatte, da ich ausser Captain Beefheart keine anderen Bands des Labels kannte. Es spielten SAN AGUSTIN und PRESOCRATICS, zwei neugesignte Bands des Labels. Zu meiner Schande habe ich von San Augustin nur das letzte Stück mitbekommen und kann mir daher keine Beurteilung erlauben.
Gespannt erwartete ich den zweiten Act des Abends. Dieser begann mit einem verhackstückten AC/DC-Sample aus dem Klassiker "TNT". Es wurde wild oszilliert und zerstückelt. Gehörirritationen wurden durch Samples hervorgerufen, die Teils wie springende CD-Player klangen. Gegen die Hörgewohnheit richtete sich die Musik der Presocratics, einem Duo, das sich Keyboard, Sampler, Melodica und Gitarren bediente. Es folgten epische Noiseloops, die mich sehr an alte 70er-Haudegen wie Robert Fripp und Brian Eno erinnerten. Kontrastiert wurde das ganze durch melancholische, simple Stücke, die von einer schlichten Gitarrenlinie und spartanischer Melodikabegleitung geprägt wurden. Es war sicher experimentell, aber in meiner subjektiven Wahrnehmung wenig innovativ bis langweilig. Es reisst mich nicht vom Hocker, wenn eine Brausetablette im Wasserglas aufgelöst wird und das ganze über ein Mikrophon abgenommen wird. Das ist eine Allwerweltsspielerei, die jeder Elektronikzauberlehrling mal ausprobiert. Der experimentelle Anspruch wurde in keiner Weise der musikalischen Substanz gerecht. Experimentelle Musik immunisiert sich oft gegen Kritik und ich tue mich mit einem Fazit schwer.
Die 16. I sing the body electric vermochte nicht jene Stimmung zu erzeugen, die einen geistig angeregt und gut unterhalten nach Hause entlässt, wie z.B. es bei Voicecrack/DatPolitics/Bernd Kramer (Body electric 14) der Fall war.


Basslastic - Mellokat, Valerian  
16.03.2001, - Contrast, Konstanz
aurelius (19.03.2001)

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Von Null auf Hunderachtzig startete die neue, monatliche Drum and Bass-Reihe im Contrast. Ich hatte die freudige Aufgabe an der Kasse zu verweilen und zunächst sah es düster aus: Bis Halbzwölf herschte gähnende Leere und Mellokat und Valerian hatten Zeit sich einzugrooven. Um Mitternacht müssen dann in Konstanz die Drum and Bass - Glocken geläutet haben, denn innerhalb einer Stunde war der Laden proppenvoll und begann zu kochen, - so sehr, dass die Scheiben beschlugen und der Schweiss von der Decke tropfte. Ich möchte es vorwegnehmen, -es war eine der besten Parties, die ich im Contrast erleben durfte. Die Tanzfläche war voll, die Menschen gut gelaunt und Mellokat und Valerian - Zitat killerPOKE - rockten das Haus. Die beiden haben sich in glücklicher stilistischer Symbiose gefunden und gestalteten den Abend wie aus einem Guss.
Mellokat holte die ersten Tänzer mit Miguel
Ayalas frankfurter Hit "Vindicator" zu sich und als das Publikum sich auf der Tanzfläche drängelte, sorgte Valerians Opener mit den wohlbekannten Vocals von ShyFX`"Original Nuttah" für kollektives Aufjauchzen. Von der neuen Schule des Drum and Bass (Total Science, Aquasky) bis zu Jungleklassikern und Schätzen aus der Vergangenheit (Congo Natty) zeigten uns die beiden, "wo der Barthel den Bass holt". Es scheint, dass Drum and Bass in Konstanz auf fruchtbaren Boden fällt, was die gut besuchten Lakesidebreaks-Partys und diese Basslastic-Veranstaltung zeigen. Wäre an diesem Abend noch ein MC anwesend gewesen, dann wäre das Contrast explodiert, was auch am bunt gemischten Publikum dieses Abends lag. Der zur 30 tendierende musikinteressierte Student und die 19-jährige Abi-Schönheit waren genauso vertreten wie das Drum and Bass-Stammpublikum, dass sich langsam herauszubilden scheint. Bis zum Schluss hielt eine unermüdliche Tänzerschar den beiden DJs die Treue und so erhielten nach Verklingen des Abschluss-Songs, - Alex Reece´Megaklassiker "Pulp Fiction", Mellokat und Valerian den verdienten Schlussapplaus. Ich freue mich auf die nächste Basslastic am 21. April.


PJ Harvey Konzert
9.03.01 - Colosseum, München
diva (14.03.2001)

PJ Harvey Konzerte sind schon etwas ganz Spezielles. Zum einen kommt man nur alle Schaltjahre mal in den Genuss eines solchen und zum zweiten, wenns dann mal soweit ist, hat Frau Harvey mit Sicherheit mal wieder eine schwere Erkältung, eine tiefgreifende Depression, eine Blasenentzündung, oder ähnliches. So auch am Freitag in München (natürlich), diesmal war's die Grippe und das ausverkaufte Konzert stand kurz davor, abgesagt zu werden. Es wurden wohl irgendwelche absonderlichen Vereinbarungen getroffen, u.a. auch ein striktes Rauchverbot im überfüllten Saal, die mir und den knapp 3000 anderen Menschen den Abend retten sollten... Ich bemühte mich also redlich meinen Kippenkonsum nur auf die stündliche Suchtbefriedigung zu reduzieren- was tut man nicht alles für die Gesundheit der charismatischsten Frau im Musikgeschäft. Die Supportband (Giant Sand) habe ich aufgrund eines indischen Essen mit meinem Münchner Freund Frank verpasst, der sich dannach lieber diese Hamburger Intellektuellenkapelle Kante im Atomic ansah.
Nun aber zum Wesentlichen und Sinn und Zweck dieses Geschreibsels: das Konzert, die Musik, der Sound. Nun ja, meine Erwartungen waren extrem hoch in Erinnerung an den enormen Gänsehautfaktor, den Polly und Band noch vor zwei Jahren nach einem Konzert in der Live Music Hall zum absoluten Spitzenreiter meiner persönlichen "Best Liveshow ever"-Liste machten. Mal davon abgesehen, daß man in einem auverkauften Colosseum mal wirklich rein gar nix sieht, insbesondere bei einer Leadsängerin die die 1,55 m nicht überschreitet, war, was da feilgeboten wurde, alles andere als ein Grund zur Freude, ganz zu schweigen von etwaigen tiefschürfenden Gefühlswallungen... Mittelmässigkeit war das Gebot der Stunde, da vermochte auch eine adrett gekleidete (roter, enger Glitzerfummel) Polly Jean nichts auszurichten. Trotz Krankheit stimmlich durchaus auf der Höhe, abgesehen von ein paar diskret ins Mikro plazierten Hüsteleien, schaffte sie es ganz und gar nicht, ihr Publikum gefangen zu nehmen. (Seinerzeit in Köln: sie kam, sah, sang und siegte.) Charisma, Koketterie, Charme, all das gab's nur fragmentarisch. Mag sein, daß es wohl einfach an ihrem lädierten Immunsystem gelegen haben mag, das da so wenig bei mir ankam, dennoch: das war viel zu wenig. Zu wenig Dynamik, zu wenig Atmosphäre, zu wenig Dichte, zu wenig Tiefe und v.a. zu wenig PJ Harvey. Was mich allerdings wirklich das Wundern lehrte, war die Band. Nichts gegen experimentelle Livefassungen, wenn's musikalisch stimmt, hier muss ich aber sagen: Experiment gescheitert, Song kaputt. Kurz, über die musikalischen Qualitäten jener Damen und Herren durfte an diesem Abend nicht nur spekuliert werden. Später erfuhr ich dann, das es gar nicht ihre Band gewesen ist, das erklärt zwar einiges, aber nicht warum man die entsprechenden Stücke nicht spielen kann. Nach knapp einer Stunde und fünfzehn Minuten war der Spuk dann vorbei und Polly Jean machte zum Schluss zumindest einen Teil der Anwesenden mit einer abenteuerlichen Version des Hits "Down by the water" glücklich. Ich glaube zwar immer noch nicht, daß diese "mein-leben-ist-so-komplex-deswegen-schreib-ich-schmissige-lieder"-Buben von Kante eine echte Alternative gewesen wären, aber immerhin konnte man sich dort ne Zigarette anzünden, ohne gleich mit Blicken gesteinigt zu werden.


FUCK´DUB - BERND KARNER (heimelektro ulm) vs. DJ MYURA (free fm, ulm) (Relaxed Clubbing)
12.03.2001 - Rheinterrasse, Konstanz
Valerian (13.03.2001)

Die traurige Botschaft war noch vor 23 Uhr verkündet worden: Bernd Karner von Heimelektro Ulm stand im Stau vor München und hatte entnervt aufgegeben und sein anreisender Ersatz mußte die Fahrt bei Biberach mit Getreibeschaden beenden, -so Veranstalter Lindus, der just in die Bresche sprang und sein bekanntes DJ-Set aus Pophits aller Jahrzehnte und Perlen aus Soul, Disco und Funk zum Besten gab. Schade, denn auf die Ulmer Heimelektro-Leute hatte ich mich und auch viele andere wahrhaft gefreut. Der Abend verlief dann eher belanglos und irgendwann wurden mir die Popperlen von Gloria Estefan bis Beatles einfach zuviel. Eine nette Studentenparty wars dennoch und die Rheinterrasse war mal wieder gut gefüllt. Stilvolles Barvergnügen mit gepflegter Musik -das scheint in Konstanz seit jeher angesagt zu sein. Mir ist aufgefallen, dass die Rheinterrasse ja ein Surroundlautsprechersystem hat, was angesichts des runden Raumes eine definitiv brilliante Lösung ist.
Ich hoffe, dass, -wie angekündigt, Bernd Karner seinen Termin am kommenden Montag nachholen wird. Dann werden wir auch mal ein paar Bilder schiessen.


Eternal Darkness - Feiern Crew/Heckengäu Jiri Hönes/Marc Arzt/Volker von Choltitz
10.03.2001 - Contrast, Konstanz
Skitara / Aurelius (11.03.2001)

Eternal Darkness - Blitze im Nebelraum. Endlich mal wieder eine stroboskopneblige Party in Konstanz, die einen teilweise in die Zeit zurückführte, als Techno noch Underground war. Die Feiern Crew entführte uns in die dunklen Gefilde des Techno und Elektro. Eine rauchgeschwängerte Atmosphäre wurde aus Nebel, Blitzlichtgewitter, 303 Sounds und Beats gewoben. Volker von Choltitz eröffnete den Abend mit einer Melange aus TechHouse, Minimal House und Techno, die die Anwesenden in gefälliges Kopfnicken versetzte und beendete sein Set mit Elektrobeats, die die Tanzfläche zu füllen begannen.
Etwa 60 -70 Partywillige fanden an diesem Samstag den Weg ins Contrast und wurden von Jiri Hönes in die tiefen, düsteren Sounds elektronischer Klangerzeugung entführt. Gemessen an der Besucherzahl war der Prozentsatz jener, die sich auf der Tanzfläche tummelten, so hoch wie selten auf einer Party in Konstanz. Jiri Hönes verwischte mit gekonnter Leichtigkeit die Grenzen von Elektro, Techno und DarkWave. 80-er Vocals und poppige Melodien gingen eine kühle Symbiose mit dunklem, hartem Elekro ein.
Oft wird in der Konstanzer Nightlifegemeinde über Langeweile und Eintönigkeit geklagt. Schade, dass Housewüste und Kommerztechnomonotonie dominieren. Über den Tod des Techno und der Stagnation von Elektro wurde schon häufig gesprochen, die Feiern Crew erbrachte den erfreulichen Gegenbeweis.
Den letzten Teil des Abends bestritt Marc Arzt, dessen heftiger Detroit Techno in seinen besten Momenten brillant aber auch teilweise zu monoton und undifferenziert war. So leerte sich die Tanzfläche für einige Zeit um sich in der letzten Stunde wieder zu füllen, als Mark mit einem glücklichen Händchen in der Plattenkiste zu Höchstform auflief.
Sicherlich muß es sich noch herumsprechen, dass im Contrast nicht mehr nur Hardcore und Punk-Konzerte geboten werden, sondern glücklicherweise auch elektronische Musik abseits der kommerziellen Hochburgen zu hören ist.

Valerian meint:" Ich bin ein wenig verwundert, daß doch einige, -auch aus meinem Freundeskreis, eher zu einer Houseparty ins Konzil gehen und sich die Aura von Clubkulturisten und Technofrühstartern geben, aber dann doch das Contrast und speziell diese Veranstaltung meiden. Ich finde das sehr schade, denn an diesem Abend war auf dem Dancefloor eine Verbundenheit zu spüren, die über die Musik zustande kam und nicht, weil mal wieder Samstagabend ist und das Sehen-und-Gesehen-Werden-Spiel nach Satisfaktion verlangt. Die Party hatte etwas von jener romantischen Technofrühzeit und wer nicht da war, ist selber schuld."


Lost in Drum and Space - DJ Hype
09.03.2001, Rohstofflager Zürich
Valerian (11.03.2001)

DJ Hype ist einer der bekanntesten Drum and Bass-DJs und geniesst hohes Ansehen auch unter jenen Leuten, für die gebrochene Beats nicht eine Art von Religionsersatz oder Lebensentwurf darstellen. So traf es sich, dass neben meinen Begleitern KillerPOKE, Magensaeure und Nightingale auch zwei andere Konstanzer den Weg ins Züricher Rohstofflager gefunden haben, welches schon in der alten location mit der Reihe "Lost ind Drum and Space" dafür gesorgt hatte, dass in monatlichen Abständen die wohl besten und bekanntesten DJs des Genres sich in strategischer Nähe unseres heimatlichen Universitätsstädtchens die Ehre geben. Der Bekanntheitsgrad dieser Veranstaltungsreihe sorgt aber auch dafür, dass im Verlauf der letzten Monate sich ein immer deutlicher gemischtes Publikum dort einfindet, was nicht immer zum Besten der respektierten Züricher Drum and Bass-Szene ist.
Das Rohstofflager zieht Kaufleuten-Miezen in der so plakativen Uniform des reichen Helvetia (Rock, Glitzerkette, Täschen,String und Lim.Ed.-Sneakers), deren Wert den meines Autos übersteigt, genauso an, wie Druffi-Jungmänner, die sich schwitzend und grölend durch die Menge drängeln. Somit agiert das Rohstofflager als der MacDonald der schweizer Drum and Bass-Kultur: -es ist nicht das Wahre aber man geht doch immer wieder hin, weil es die Gier befriedigt und sattmacht. Das hat es auch diesmal, denn was will man schon gegen tobende Massen und Topstars sagen. Den Abend eröffneten irgendwelche locals und es ist bemerkenswert, wie unüberschaubar die newcomerszene in Zürich geworden ist. Bestimmt 5 verschiedene Jungs + MCs, die ich trotz meiner Zeit in Zürich nicht kannte, legten backtoback ganz ordentlich jede Menge Promomaterial auf und schafften es auch, die Masse einigermassen in Bewegung zu halten. Als sich der langerwartete Stargast des Abends DJ Hype in der DJ-Booth zeigte, wurde er von zahlreichen Fans im Publikum lautstark erkannt, doch wieder Erwarten zog der Meister des bombastischen Intros es vor, Understatement walten zu lassen und übernahm die Decks recht unspektakulär. Die von ihm bekannten DJ-Sets im Internet weisen darauf hin, dass er es eigentlich besser kann als an jenem Abend. Hype bot ohne Zweifel ein gutes Set mit zufrieden rollenden Bässen, doch fehlte mir die Magie, derer er zu zelebrieren eigentlich fähig ist. Vielleicht lags auch an meiner Grippe, daß der Funke nicht wie eine stundenlange Wunderkerze am Zünden war, aber der Killer war dieser Abend bestimmt nicht. Ich bin sehr gespannt auf Goldie am 6. April, dessen letztes Set im Herbst an gleicher Stelle bei mir und meinen Züricher DrumandBass-Nebenbeihörern wider Erwarten für schon fast psychedelische Effekte gesorgt hatte.


Die Fier von der Funkstelle (Relaxed Clubbing)
05.03.2001 - Rheinterrasse, Konstanz
killerPOKE (08.03.2001)

Das "echte" Relaxed Clubbing ist wieder da! Und Konstanz kam zahlreich...
Die neue Location am Seeufer in der Spanierstr platzte schon beim allerersten Termin am letzten Montag aus allen Nähten, so daß von "relaxed" Clubbing zunächst wahrlich keine Rede sein konnte. Die traditionsreiche Veranstaltungsreihe aus dem Hause Planet Rock hat ganz offensichtlich einen gewaltigen Rückhalt gerade unter den Konstanzer Studenten, weshalb der Abend in der Rheinterrasse von vielen bekannten Gesichtern, Uni-Prominenz, Ellbogen, "Sorry!s" und Rotweinflecken geprägt war. Dennoch verlieh das stilvolle Ambiente des Ladens - irgendwo zwischen Hotelbar, Strandbad und Kurcafé - und natürlich der dargebotene Sound dem Abend eine andere Atmosphäre, als man sie von mainstreamigen Studi-Events her kennt.
"Die Fier von der Funkstelle" bestehend aus Markus Hablizel, DJ Masterquest, Lindus und Funkmaster J lieferten in einer Back2Back-Session tanzbares Soul-, Jazz- und Funk-Vinyl, das vom Publikum dankbar aufgenommen wurde. Während zunächst aus Platzmangel noch Fußwippen angesagt war, wurde dann später, als sich die Reihen etwas lichteten, viel getanzt und trotz der gehobenen Preisklasse im Laden angenehm gefeiert. Für mich, der den schwarzen Sound der 60er und 70er durchaus schätzt, aber wenig darüber weiß, war es mal wieder eine Offenbarung der großen Samplequellen - ständig ertappte man sich dabei, den ein oder anderen zeitgenössischen Hiphop- oder House-Track zu erkennen, was dann direkt von der Erkenntnis "ach das ist ja das Original" abgelöst wurde. Auch wenn es vielleicht Tradionalisten vor den Kopf stößt - in manchen Fällen hat sich die Neuverarbeitung in den 90ern aber durchaus gelohnt...
Wer sich vom Gedränge oder der ein oder anderen zu krassen Platte Marke Gassenhauer dann nach draußen treiben ließ, konnte eine herrlich entspannte Atmosphäre am Seeufer genießen. Der Ausblick auf weitere Relaxed Clubbing Veranstaltungen zur wärmeren Jahreszeit läßt die Stimmung steigen. Die Location Rheinterrasse ist wesentlich vielversprechender, als es das K9 jemals war.
Fazit: auch wenn es mir vielleicht stellenweise zu "relaxed" und zu traditionsbewußt war, dem Publikum hat der Abend jedenfalls sichtbar gut gefallen. Klasse Arbeit von Seiten der Funkstelle. Hier tankt Konstanz gerne. Mit großer Spannung kann man die weiteren Relaxed Clubbing Events im März (besonders den Besuch aus Ulm und DJ Razor) erwarten.


Boris G./DJ Valerian/DJ D-sign
03.03.2001, - Contrast, Konstanz
aurelius (08.03.2001)

Ein kurzfristig entstandener Abend im Contrast, der den Anwesenden mit Sicherheit noch einige Zeit im Gedächtnis bleiben wird. Boris G. (bekannt als die Stimme der Streetparadehymne "Do you believe in Love") - Der Mann hat eindeutig Showtalent. Zwischen lachenden Gesichtern und ungläubigen Staunen, daß es so was gibt, bewegten sich die Reaktionen der Besucher. Eine soulige, schwarze Stimme, mit kräftigem Volumen ist Boris Markenzeichen, daneben das Exponieren des eigenen Körpers und die nicht zu übersehenden sexuellen Anspielungen während seiner 20-minütigen Show. Ein Hüftschwinger und Bodenbefruchter erster Klasse. Die Musik schwankte zwische RnB und HipHop mit Anleihen an Puff Daddy. Begleitet wurde er von zwei MCs aus Nagold, deren Namen mir leider nicht bekannt sind, die saubere FreestyleSkills besassen und etwas verwundert über ihren Partner gewesen zu sein schienen. Ich tue mich mit einer finalen Beurteilung schwer, da das ganze - so oder so gesehen - großen Unterhaltungswert hatte.
Es gibt aber noch anderes zu berichten: Knallharten, fetten Drum and Bass lieferten Valerian und ein - noch - unbekannter
DJ D-sign, die nach einiger Anlaufzeit das werte Publikum in Schwingung versetzten. Ca. 100 Leute waren am gesamten Abend wohl anwesend. Ein kleiner, harter Kern hielt den Dancefloor die meiste Zeit besetzt und was die beiden Djs auf die Ohren hämmerten, gefiel. Valerian deckte die volle Palette des modernen Drum and Bass ab, -Total Science, Cause4Concern, Kosheen und mischte dies gekonnt mit Jungleperlen aus früherer Zeit, um ganz am Ende mit einem lieblichen Luke Vibert Song den Abend harmonisch abzurunden. Zum ersten Mal gab sich D-sign, aus dem Dunstkreis der Lakesidebreaks-Crew, die Ehre. Saubere Skills und immer nach vorne. Besonders in Erinnerung geblieben sind die amenbreakslastigen Tracks, die die Menge antrieben. Wer grossen Spass an Drum and Bass hat, sollte sich die zwei Namen merken. Alles in allem ein ungewöhnlicher und erinnerungswürdiger Abend. People out there, this is da message: Am 16. März AB ZU BASSLASTIC (siehe Partypreviews) !!! und haltet Ausschau nach der nächsten Lakesidebreaks-Party.
In diesem Sinne Party! Town Konstanz.


DJ Tomekk (Berlin)
02.03.2001, - Douala, Ravensburg
magensaeure (03.03.2001)

Auch nach über halbjähriger Abwesenheit hab ich mich im Douala sofort wieder zu Hause gefühlt. Dieser Club strotzt einfach vor Atmosphäre und es macht immer Laune, dort zu feiern, -einfach eine der besten Locations in Süddeutschland, mit einem erstklassigen Line-up. Trotz des ziemlich stolzen Eintrittspreises von 30 (!!dreissig!!) Mark, was ich selbst für Tomekk zuviel finde, war der Laden bis oben voll. Noch-Local und Douala-Resident Masterquest, der vermutlich seine Abschiedsvorstellung gab, bewies, dass er wirklich was von seinem Handwerk versteht, -die Menge war schon stark am Kopfnicken und Popowackeln bevor sich der Berliner über die Turntables her machte. Vom Star des Abends hätt ich dann aber doch ein einfallsreicheres Set erwartet, -Platten von Naughty by Nature oder House of Pain hört man schliesslich auf jeder Jugendhaus HipHop Jam. Bedenkt man dass Tomekk auf Kooperationen mit Grössen wie Wu-tang, Outkast ,Krs-one oder Altmeister Kurtis Blow, um nur einige zu nennen, zurückblicken kann, erfüllt das dann nich ganz meine Erwartungen. Zum Grossteil aber doch ein Schmankerl und den Leuten scheint`s gut gefallen zu haben. Was seine technischen Fähigkeiten betrifft ist er sicher unbestreitbar ein Meister seiner Klasse und definitiv ein Garant für gute Party. Angenehm auch dasPublikum, was bei manchen Hiphop Veranstaltungen etwas ein Dorn im Auge ist, aber das Douala ist halt auch nicht irgendein Schuppen. Wie auch immer, ich hab mich köstlich amüsiert, wer nicht da war, hat glaub schon was verpasst und ich werde Ravensburg in nächster Zeit hoffentlich wieder öfters die Ehre erweisen.


killerPOKE, Skitara, Aurelius, Valerian  
Datababes Party, Neuwerk Konstanz, 15.12.2000
phonquis (18.12.2000)

Allright. Am Freitag, 15. Dezember luden die Datababes ins Neuwerk ein und... die Leute kamen. Die per Auflage vom Neuwerk erlaubte Zahl von 100 Gästen war schneller erreicht als geplant, so dass die Datababes zu ihrem eigenen Bedauern etliche Wartende vor den Türen nicht einlassen konnten. Das Datababes DJ-Kollektiv bot tanzbares, zeitgenössiches Vinyl, unterstützt von der lokalen Hip Hop Crew " Freie Mitarbeiter". Eröffnet wurde der Abend von killerPOKE mit abstract Hip Hop zwischen DJ Spooky und DJ Shadow´s Solesides-Label. killerPOKE, der an diesem Abend sein DJ Debüt in Konstanz gab, gelang es, mit seinen Platten die ersten Gäste auf die Tanzfläche zu bringen. Danach übergab er die Plattenteller an Skitara, die mit Elektro und Electronica den Sound alter Analogsynthesizer und Drumcomputer wieder aufleben lies. Der teilweise melancholische, spacige Sound stieß auf positive Resonanz bei einer gutgefüllten Tanzfläche. Nach Skitara folgte ein Live-Act der "Freien Mitarbeiter", einer jungen Hip Hop Crew aus Konstanz, die mit einem DJ und vier MCs, auftraten. Einige Gäste konnten mit dem Sound der Jungs allerdings nicht viel anfangen, so dass die Stimmung etwas abflaute. Die anwesenden Hip Hop Fans liessen sich davon aber nicht beirren. Den wohl clubbigeren Teil des Abends teilten sich DJ Nerdy Nerd und DJ Valerian. Aurelius, für den auf dem Plakat mit NuJazz geworben wurde, teleportierte die Party ins New York der 70er Jahre. Schnuffige Tracks im Stile eines funkigen Lalo Schifrins oder groovenden Henri Mancinis, vermischt mit dem heutigen Bigbeat. Der letzte DJ des Abends, Valerian, brachte mit seinem pumpenden Drum´n Bass die letzten Tanzmuffel dazu, ihren Arsch im Rhythmus zur Musik zu bewegen. Zum Ende hin ließ er die gelungene Veranstaltung mit chilligeren Stücken ausklingen. Für das visuelle BonBon sorgten Videoprojektionen aus der Hand von Skitara. Man kann sicherlich sagen, dass die erste Datababes- Party ein Erfolg war, denn sowohl Gäste als auch die Veranstalter und Helfer waren mit dem Abend scheinbar mehr als zufrieden. Einige Gäste haben sich am Schluss noch gewünscht, die Party bis in die frühen Morgenstunden andauern zu lassen, doch die Auflagen zwangen die Veranstalter dazu, um 3.00 h morgens die letzten Gäste zu verabschieden. Die Datababes haben sich mit dieser Party neben ihrem Onlineauftritt nun auch persönlich der Konstanzer Kulturgemeinde vorgestellt und man darf auf weitere binärmagische Veranstaltungen hoffen.