Vermeindliche Traumberufe Partygeschichte 2
Buy, Buy Baby Partygeschichte 1
Evolution und Oralsex Männer vs Frauen

Lebkuchen im August
marla (04.09.2002)

Ein heißer "Rumlümmeln am See-Tag" neigt sich seinem Ende zu. Stolz präsentiere ich in einem knappen Stoffetzen meine Triangelbikini-Bräune den staunenden Touris und puhle mir die Fetzen des letzten Sonnenbrands von der Nase, während ich mein GoGo-Gadgetto-Mobil am nächsten Supermarkt parke. Ich stapel mir Sommerlebensmittel (Melone, Kirschen, Prosecco und Süsskram) auf die tiefgebräunten Arme und stolpere in meinen Flip Flops zur Kasse, als mich fast der Schlag trifft: "Echte Nürnberger Oblatenlebkuchen" türmen sich vor meinen Augen.
Sofort schweifen meine Blicke ab ins Weihnachtswunderland. Vor Vorfreude werden meine Augen ganz glasig, auf meinem Gesicht macht sich ein dümmliches "Wir haben uns alle so lieb-Grinsen" breit, ich verspüre barmherzige Regungen in mir und will sofort 100,- auf irgendein Konto spenden, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen. In Gedanken zünde ich bereits Räucherstäbchen Marke "Tannenduft" an, um wenig später mein Wohnung knietief im Weihnachtskitsch versinken zu lassen. Doch plötzlich stupst mich ein Kerl von hinten an und meint staubtrocken: "He, du mußt in der Schlange schon weitergehen, sonst stehst du Weihnachten noch hier." Schlaumeier. In der einen Hand hält er eine Packung Lebkuchen, in der anderen ein Calippo Kirsch. Ich sage: "Schon pervers, Lebkuchen im August, oder?" Er nun wieder: "Wieso, ich warte schon seit zwei Wochen auf meinen ersten Lebkuchen-Flash." Aha, also kontere ich: "Das Calippo ist dann wohl zur Tarnung deiner Macke?!" Jetzt ist der Weihnachts-Mann sprachlos. Ich lasse ihn eiskalt stehen und warte, bis der Rauschgoldengel mit seiner zweifelhaften Beute in den schwülen Sommerabend entschwunden ist, um mir sogleich eine dieser verlockenden Packungen zu schnappen.
Zuhause angekommen mache ich alle Teelichter an, die ich auftreiben kann. Ich lege meine Kinderweihnachtsplatte auf, hülle mich samt Kuscheltieren in zwei Decken ein und gebe mich - heißen Gewürztee schlürfend - meinen weihnachtlichen Gefühlen hin. Während draußen meine Mitbewohner den hauseigenen Pool verlassen und die Liegestühle zusammenklappen, freue ich mich schon auf Dezember- da gibt es endlich die ersten Schoko-Osterhasen.


Schneeflöckchen, Weissröckchen
magensaeure (25.12.2001)

Wenn man wie ich in einer sibirischen Enklave auf der Höhe der Schwäbischen Alb aufgewachsen ist, zählt man nicht unbedingt zu den Leuten die in ihrem Leben wenig mit Schnee in Berührung gekommen sind. Trotzdem übt Schnee noch immer eine kindliche Faszination auf mich aus. Wenn dicke weisse Flocken aus den Wolken fallen, stürze ich sofort mit grossen, glänzenden Augen ans Fenster, als wär ich noch mal 10, um deren wildes Treiben zu beobachten. Starrt man eine Weile in dieses wirre, unruhige Bild aus kleinen und grossen Wirbeln, die nachts im Licht der Strassenlaternen umher tanzen, hat das schon fast eine hypnotische Wirkung. Oder wer kennt es nicht, nachts bei Schneefall Auto zu fahren und irgendwann beginnt es auszusehen als würde man durch ein Sternenmeer rasen?
Doch ich glaube, was mich eigentlich rührt, ist wie all diese winzigen Flöckchen nach und nach alles in unschuldige weisse Farbe tauchen. Dächer, Strassen, Felder verwandeln sich in pure, ebenmässige Flächen. Bei Winterspaziergängen durch ein solches Puderzuckeridyll überkommt mich unweigerlich das Bedürfnis mit dicken Moonboots riesige Worte in die unberührten Flächen zu stampfen, und die todesmutig vom Himmel stürzenden Kristalle mit den Händen oder dem Mund aufzufangen, einen Schneeengel zu machen, oder mich die Hänge hinunter zu kugeln.
Wie ihr jetzt vielleicht versteht bin ich grösste Verfechterin eines Datababes@themountains Wochenendes, bei dem wir vielleicht neben planem Pisten-Wintersport auch mal wieder das Kind rauslassen können, in Schützengräben Schneeball-Schlachten austragen, oder Schneemänner bauen.


Pathologien der Unordentlichkeit - Archetypen und Verhaltensanalyse
Valerian (26.11.2001)

Ich selbst würde mich als einen ordentlichen Menschen bezeichnen, -einen, der seiner Sorgfaltsplicht im Zusammenleben innerhalb des sozialen Gefüges einer Wohngemeinschaft nachkommt und darauf achtet, den selbstproduzierten Dreck im Rahmen gewisser Zeittoleranzen zu beseitigen. Das geht soweit, dass ich nach einem Abend mit dem Motto: "Ich, meine Freunde und ein Sixpack", die leeren Flaschen nochmal ausleere, bevor ich sie an den Ort stelle, an dem sie auf ihren Weitertransport zum Altglascontainer warten, damit sich nicht jener hefige Gestank schimmeliger Bierreste in unserer Küche ausbreitet.
Womit ich das Thema eingeläutet habe: Jeder von uns hat seine Unordentlichkeitsschwächen, die je nach Charakter andere Ausprägungen annehmen und selbst jene ordnenden Geister, die ihre Reinlichkeit als moralische Pflicht (oder von den Eltern übernommene Zwangshandlung) begreifen, in bestimmten Details ereilt. Da gibt es zunächst den klassischen Nie-Sein-Zimmer-Einrichter, dessen neubezogenes WG-Zimmer selbst nach Ablauf einer Jahresfrist noch genauso aussieht, wie am ersten "Ich stelle nur mal schnell die Kisten rein"-Tag. Typisch für diesen Personenkreis, sind sichtbare Nutzungsspuren, wie Laufwege, die sich zwischen Stapeln undefinierbarer Dokumente und Kleiderbergen unterschiedlichen Reinheitsgrades abzeichnen. Meisten sind auch die Primärerhaltungssysteme, wie TDSL, Stehlampen und Boxen korrekt und seit dem ersten Tag angeschlossen.
Ein anderer Archetyp sind die Geschirr-Horter, die sich gerne mit ihrer regelmäßigen Schüssel Cereals zum Fernsehschauen ins Privatzimmer zurückziehen und dann versäumen, die Schale auf dem Weg zur Toillette praktischerweise wieder in der Küche abzustellen. Dieser Personenkreis macht sich bei den Mitbewohnern spätestens dann negativ bemerkbar, wenn kleine Löffeln und Schüsseln für den eigenen Flockenhunger unauffindbar sind und man sich mit den steinhart eingetrockneten Milch(+Zucker)resten am Schalenboden abmühen muss, was besonders erfreulich ist, da Dein Horter-Mitbewohner immer dann einen Megaberg Geschirr aus seinem Zimmer anschleppt, wenn du mit dem Spülen dranbist.
Ein besonders prekärer Fall ist der Klo-Verscheisser: -Meist auswärtige WG-Gäste, die nie den kontrollierenden Blick dafür entwickelt haben, ob die braunen Reste ihrer übelriechenden gastrischen Funktionen noch sichtbare Reste in der Kloschüssel , -meist kurz über der Wasserlinie, hinterlassen haben. Es ist mir bis jetzt noch nicht gelungen, eine psychologische Motivation hinter diesem Verhalten zu erkennen: Ist es eine "Nach mir die braune Flut"-Scheissegal-Haltung, eine generelle Nachlässigkeit, die sich durch den Verschmutzungsgrad ihrer eigenen Klos belegen liesse, oder sogar eine pathologische Lust am skatologischen Verschmutzen fremder Eigentums- und Putzsphären ?
Für eine weitere Unsitte sorgen die Nicht-Lüfter, die geschlechtsspezifische Sonderformen annimmt. Bei den Jungs ist es eine generelle "Ich steh zu meiner Raucherei"-Haltung, die es nicht durch das stille Eingeständnis des Lüften-Müssens zu untergraben gilt, während Mädchen gerne mal frieren, sobald ein Fenster nur eine Sekunde lang für Zug sorgt, aber dann ihrem Zimmer dadurch die minimale Sauerstoffdosis zukommen lassen, indem sie nach dem Austehen ungeniert ihre in der Nacht vermuffelte Zimmerluft in den Wohnungsflur entlassen. Ein Nebenerscheinung des Nicht-Lüftens ist das Überheizen, dass sich vor allem dann einstellt, wenn die Mädels dem Irrglauben aufsitzen, dass man sich auch noch im Januar bauchfrei kleiden muss oder wenn die Wohnung "warm" gemietet ist. Seltsamerweise stellen genau diese Mädchen keinen Zusammenhang zwischen ihren chronischen Atemwegserkrankungen und ihrem Heiz/Lüft-Verhalten her.
Es gibt eine Unzahl weiterer Typen; z.B. den Nicht-Sauber-Spüler, der einem immer dann das Adrenalin in die Adern treibt, wenn man Gäste hat und nur Gläser findet, deren Kalkbelag sie mit Milch gefüllt erscheinen läßt oder an denen undefinierbare Essensreste, die Aufmerksamkeit der Gäste erregen ("Äh, -kannst du mir ne neue Gabel geben?"). Auf den Klassiker Daneben-Pinkler gehe ich deshalb nicht ein, weil das eh ein alter Hut ist und diese Diskussion mittlerweile mit einer verdächtigen weiblicher Vehemenz geführt wird, die den Anschein erregt, die Frauenschaft wolle von ihrer notorischen Badunordentlichkeit ablenken, die sich darin äussert, dass diverse Fläschchen und Bürsten von denen büschelweise Haare abstehen, auf dem Waschbeckenrand balancieren, Wattepads (gerne nass und braun verschmutzt) überall herumliegen und Dutzende bunte Spraydosenkappen in den Ecken Staub fangen.
Steigt man eine Ebene tiefer, -in die Welt der Privatzimmer, so zeigen sich wieder andere Unordentlichkeitstypen: Ich selbst gehöre zu den Klamotten-auf-einen-Haufen-Werfern, der Anfälligkeit für das zweite Stadium des In-den-Schrank-Stopfers zeigt. Ein anderer Typus ist der Kronkorken-Ascher, der es gut meint, aber doch eigentlich wissen sollte, dass diese kunstvoll bis an die physikalischen Grenzen gefüllten Notaschenbecher gerne von Blättern, Schuhen und nach Anderem greifenden Händen umgeworfen werden. Interessant sind auch Zeitungsstapler, die damit ja einen Grundzug an Ordentlichkeit beweisen, doch sich eher ein Eigentor damit schiessen, indem sie kostbare Quadratmeter ihres Zimmers den Meter-Stapeln der Süddeutschen Zeitung opfern, die mittlerweile so groß und schwer geworden sind, dass deren Beseitigung mit einen hohen persönlichen Aufwand und großer Mühseligkeit verbunden ist.
Der Platten- und CDs-Offen-Rumlieg-Lasser ist eine mildere Form der Unordentlichkeit. Da das Mobilisieren von Tonträgern in ihrer Aufbewahrungshüllen und das Überführen derselben an ihre Lagerungsorte, eine nicht unerheblich taktil aufwändige Tätigkeit darstellt, sammeln sich meist unzählige CDs und Schallplatten um die Abspielgeräte und verstauben oder landen in den falschen Hüllen. Erschwert wird das Aufräumen dieser Gegenstände durch notorisch kaputte CD-Hüllen-Scharniere oder fest in Plattenkoffern zusammenstehende Plattenpacken in denen natürlich die korrespondierende Leerhülle wieder unsichtbar verschwindet, damit man sie, -einzeln blätternd, am Ende des Stapels findet (meistens zerknittert).
Seltenere Typen sind Bett-Esser, in deren Betten man überall von Krümeln gestupfelt wird und man überraschend Teller unter Kopfkissen findet. Dies ist eine elegante Überleitung zu den Taschentuch-Verteilern, deren Pathologie damit beginnt, dass sie verknüllte Tempos (womit auch immer vollgemacht) im Spalt zwischem Matratze und Wand zwischenlagern. Dieses Angwohnheit treibt dann später Blüten, unter der die allgemeine WG-Bevölkerung zu leiden hat, wenn man überall in der Wohnung verteilt hartgewordene Tempoknäuel findet oder nach dem erst so erfreulichen Tip: "Das Feuerzeug ist in meiner rechten Manteltasche" zwar kein Feuerzeug findet, dafür aber in ein Ensemble vollgerotzer Tempos greift.
Die verschiedenen Typen sind unzählig und die Hälfte der hier beschriebenen, ist mir jetzt erst beim Schreiben eingefallen. Ich bin mir sicher, es gibt noch jede Menge anderer Typen….sicher soviele, dass ein Buch zusammenkommen könnte.


Valerian und Aurelius zocken Counterstrike an - Fragmente eines Tondokuments
Valerian (26.11.2001)

Es scheint, als wäre Valerian dran mit Zocken..

Valerian: Den einen habe ich gut fertig gemacht, …der andere eben…
Aurelius: Du hast zwei getötet, -ja klar…..Achtung!
Valerian: uaah, fuck!…..der war ein bischen schneller.
Aurelius: mmh
Pause. Vereinzelte Feuerstösse sind zu hören
Valerian: …..hinterher……gut gespielt
Valerian: aaah…überrascht! (enttäuscht)
Aurelius: murmelt unverständlich
Valerian: mein eigener, oder ?
Geräusche einer kurzen tödlichen Salve
Valerian: uuah gediegen! Gesehen?
Aurelius: Mmmh! (bejahend)
Valerian: Aus der Ecke und unten hochgeschossen, -ey fett, das muss ich auch können.
Aurelius (isst was): Mmm, musst in die Hocke gehen , hier mit String.
Raschelndes Geräusch, Chipstüte? Murmeln
Pause…Essgeräusche.
Valerian: Weisst du was es geben müsste ? Man müsste sehen, wer am Ende, die meisten Verfolger (wenn man draussen ist, kann man verfolgerkameramässig, einem (meist guten) Spieler über die Schulter schauen) in Total-Zeit, ne, dass da, die sich schön bewegen….da, der ist voll gut..
Aurelius: Los ! Lauf!
Valerian: Meine Güte…gemurmel…mit der (Waffe?) habe ich schon ein paar umgenietet..
Aurelius: mmm…mensch bring ihn doch um
Valerian: oh nein ! (laut)
Aurelius: Zu schlecht…..und net in die Hocke gegangen
Valerian: aber wieso in die Hocke ? …..ach so stimmt.
Geräusche eines Feuergefechts
Valerian:…ach den hatte ich doch so schön gesehen
Tonprotokoll Ende


Passwords, Numbers and my fucking memory span
Valerian (29.10.2001)

Habt Ihr schon mal gezählt, wieviele Passwörter, Geheimnummern und Zugangsdaten Ihr im Kopf habt ?
Gehört Ihr nämlich nicht zu den sorglosen Unwissenden, die für alles Mögliche das selbe Passwort einsetzen, ihr Geburtsdatum verwenden oder sich die Passwörter auf nen gelben Post-It-Zettel schreiben, dann kann einen diese Sache an schlichte Kapazitätsgrenzen bringen. Mich bringt es oft ins Schwitzen, denn gerade die seltener gebrauchten Passwörter sorgen dann für peinliche Situationen, wenn ich ratend vor dem Terminal in der Videothek stehe oder versuche, notfalls mit meiner schweizer EC-Karte zu bezahlen.Versuche ich mal aufzuzählen:
Ich merke mir zwei verschiedene Mail-Passwörter, wobei ich die Zahl meiner Emailaccounts hier nicht genau spezifizieren werde, ich habe zwei Passwörter für zwei Drum and Bass-Foren, die mir jetzt beim Schreiben dieses Artikels gerade nicht mehr präsent sind und ein weiteres Passwort für zwei weitere Kommunikations-Sites. Dann kommen die Passwörter des Datababes-Servers, des Cip-Pool-Servers, des Cip-Pool-Mac-Servers, mein Cip-Pool-NT-Passwort und das Passwort für T-Online am Rechner meiner Mutter. Für meine finanziellen Angelegenheiten unterhalte ich drei verschiedene Konten, die jeweils eine Geheimzahl für die Kundenkarte und für die EC-Karte haben; meine zwei Kreditkarten haben ebenfalls eigene Geheimnummern, damit ich mit Ihnen zur Not auch Geld am Automaten abheben kann. Das wären also schon mal 8 verschiedene Nummern, dazu kommen noch Passwörter und Zugangsdaten für die Online-Banking-Option.
In der Unibibliothek brauche ich für die Fernleihe ein eigenes Passwort, in der Videothek ein weiteres. Um meine T-Net-Box, -meinen Anrufbeantworter, abzuhören, muß ich eine Geheimnummer eingeben, der PIN meines Handys ist wieder ein anderer. Würde ich jetzt noch beginnen, meine mails zu verschlüsseln, meinen Rechner der Kryptographie anheim zu geben und meine Eltern würden ihr Haus mit einer nummergesteuerten Schliessanlage sichern, würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden. Wohin soll das alles in Zukunft mit technischen Segnungen wie Smart Krimskrams, "denkenden Häusern " oder all den blöden Kundenkarten führen? Muß ich dann ein Passwort eingeben, um den Kühlschrank zu öffnen oder die Heizung anzustellen.
Da bin ich richtig froh, daß zumindest mein Fahrrad kein Zahlenschloß mehr hat. Das mit Zahlenschloß hat man mir geklaut.


Serie: Vermeindliche Traumberufe vs. Realität - Der DJ
Valerian (17.10.2001)

Fragt man einen DJ, wie und warum er zum Plattenauflegen gekommen ist, so erhält man weitausschweifende Historien, die von Leidenschaft für hochspezielle Musikrichtungen, Erweckungserlebnissen und von sagenumwobenen Plattensammlungen handeln und die das Haupt des Erzählers von soviel Liebhaberei und Menschenfreundlichkeit mit einem Heiligenschein zu kränzen scheinen. Doch jeder weiss: die DJs sind DJs wegen den Pussies, -pardon: Mädchen, die mit großen Augen und feuchten....nein: Mädchen, die mit feuchten Augen und großen...nein: einfach Mädchen, die dem DJ Zuneigung schenken und ihm durch geschicktes Schöne-Augen-machen, schlangenhaftes Sexytanzen vor der Bühne oder durch Komplimente über den Abend und die Musikauswahl signalisieren, was für ein toller Hecht er ist. Seit einigen Jahren schon haben in der Hipness-Skala die Doppel-Technics die E-Gitarre als Artefakt zum Frauenrumkriegen abgelöst und mit einem DJ im Freundeskreis oder sogar als Partner erntet man immer Anerkennung und neidische Blicke der Konkurrentinnen um das Alpha-Männchen. Die männlichen Szenepeople zollen einem immer Respekt und Anerkennung und meistens läuft man als DJ nach allen Seiten zurückgrüssend und meistens ohne zu bezahlen (es ist eine Ehre, einen DJ im Publikum begrüssen zu dürfen) an der Schlange schmachtender Mädchen, die vor der Kasse warten müssen, vorbei, wobei man zu einem ausgiebigen Shakehands/GimmeFive mit dem allseits gefürchteten Türsteher dennoch stehen bleibt und noch die eine oder andere Katze aus der Schlange mit einem gezielten Fingerzeig der Macht in den Club schleust. Geht man als DJ in die Megaclubs der Weltmetropolen, so kann man easy aufs Mischpult hoch und z.B. Goldie oder Grooverider kurz abklatschen oder Ellen Allien busseln. Meistens kriegt man dann noch die neustem Dubs geschenkt oder wird mindestens zur wilden Aftershow-Vip-Orgie in den luxuriösen Backstagebereich eingeladen.....
Tja leider stimmt das nicht ganz und im Gegenteil zum bisher fabulierten, hat die Tätigkeit eines DJs ganz gravierende Nachteile. Man stelle sich mal eine Analogie vor: DaimlerChrysler bietet Dir an, für Geld bei Ihnen zu arbeiten. Vorbedingungen sind allerdings, dass du Deine eigene Maschine mitbringst und vorweisen kannst, dass du tolle Teile machen kannst (zur Probe musst du vorher ein paar mitbringen, die dann aber der Abteilungsmeister meistens wegwirft oder nie zur Kenntnis nimmt). Hast du endlich mal die Chance zu zeigen, dass du gute Teile machen kannst, darfst du einmal im Monat zur Nachtschicht anrücken, wobei du aber Deine eigenen Rohstoffe mitbringen mußt. Deine Schicht beginnt um 22.00 Uhr, zwar kannst du die Teile, die du zwischen 22 und 24 Uhr anfertigst, wegwerfen, weil sie niemand haben will, aber wenn du Glück hast, jubeln Dir gegen 4 Uhr ein paar Kunden zu und du darfst unter großer Beteiligung die Maschine anhalten, das Teil rausholen, nochmal reinlegen und den Arbeitsprozess von vorne beginnen. Das passiert meistens, wenn ein Aufseher "Rewind" ruft.
Falls du mal ne Weile keine neuen Rohstoffe gekauft hast, dann darfst du keine Teile mehr produzieren und du wirst arbeitslos und hast Dir die ganzen Rohstoffe und die Maschine umsonst gekauft, es sei denn, die Firma hat eine "Oldschool"-Abteilung, wo Dein Fachwissen gefragt ist.

Ausserdem ist es tatsächlich so, dass man als DJ gar keine Zeit hat, sich um die anwesenden Grazien zu bemühen, denn man muß ja schliesslich arbeiten, während man beobachtet, wie der beste Freund die Chance nutzt und dank der tollen Stimmung gaaanz losgelöst mit den süßen Mädels tanzt und alle Zeit der Welt hat, sie in den Schweiss-trocknet-Pausen damit zu belabern, was für ein toller DJ gerade auflegt und dass man sein bester Kumpel ist und sozusagen die Platten aussucht etc. Wenn der Abend aus ist, müssen die DJs noch bis zum Schluß bleiben und sich gegen die unmöglichen und beleidigenden Wünsche besoffener Deppen wehren ("Spiel mal Adriano Celentano..") und den Moment abwarten bis man endlich seine mickrige Gage bekommt. Zu diesem Zeitpunkt hat schon jedes potentiell interessierte Mädchen die Lust verloren, in einem leeren Club und den feixenden Gesichtern ihrer Clique ausgesetzt auf den DJ zu warten, der erstmal 30kg an Schallplatten, die noch nicht einmal ein Cover oder Titel haben (sondern einfach nur weiss bedruckt sind), zu seinem Auto schleppen muß (Busse fahren ja bekanntlich um diese Uhrzeit nicht mehr). Investiert man die gewaltigen Unsummen an Geld, die die Aufrechterhaltung eines einigermassen akzeptablen DJ-Status mitsichbringt, in Transkontinentalreisen, so hätte man sicher schon die ganze Welt gesehen. Die Wochenenden verbringt man in üblen Clubs anstatt mit Freunden spazieren zu gehen oder das Gelernte der Woche zu repetieren. Muss man umziehen, braucht man neben einem Großraumtransporter auch neue Bandscheiben und so leicht wie einen DJ kann man keinen Menschen in den Selbstmord treiben, in dem man nur einen schweren Koffer klaut.
Irgendwo muss also was dransein, wenn die DJs mal wieder von Leidenschaft und hehren Idealen sprechen...oder doch nur wegen den Pussies ?


Buy, Buy, Baby
Tarwin (28.05.2001)

Nein, es geht hier nicht um Sex. Kein Ambrosia aus Körperöffnungen. Wer wie ich immer zur falschen Zeit einkaufen geht, weiß, daß es für uns Kassenansteher, Gemüseabwieger und Fleischereifachverkäuferinwarter nur eine Flüssigkeit gibt, die wir so richtig lieben: Schweiß. Und wer kennt es nicht? Man steht da in der Schlange, wartet, daß die Paprika vermessen und abgewogen wird und langsam schlängelt sich ein scharfer Duft in die Nase, bohrt dort unverschämt und verursacht Kopfschmerzen. Also, schaut man sich um, erwartet einen Hundi, das Pfützi gemacht hat oder Bubi, der Pipi gemacht hat. Weit gefehlt. Nach einigen scannenden und suchenden Augenblicken, fällt der Blick auf den Ursprung allen Unheils: es ist der ca. 20 cm kreisrunde, dunkle Fleck unter dem Arm einer der Verkäuferinnen. Fröhlichst flötet sie ein „gutenTag“.
Einkaufen ist die Hölle und sie ist meist heißer als alles, was einen in Dantes Reich erwarten könnte. Die Frage „Darf es noch etwas sein?“ scheint manche Damen an der Fleischtheke geradezu dazu herauszufordern, jetzt erst recht noch etwas besonders kompliziertes zu bestellen,das erst noch geholt, ausgepackt und von Hand geschnetzelt werden muß. Oder wie ist es mit den Typen, die sich erst„Einviertelpfundaufschnitt“ durch die Maschine jagen lassen und dann fragen: „da ist aber kein Rind dabei?“. Im Film käme jetzt ein Schnitt und unten wäre eingeblendet: „Eine Stunde später...“. Leider ist das nicht so, wenn man „Live“ dabei ist.
Ach, ich vergaß beinahe noch meine Lieblings-Spezies. Die Damen, die sich – weil es so praktisch ist – den ganzen Wagen mit Gemüse voll laden und erst am Ende ihres Grünzeug-Einkaufes an die Waage kullern. Nur haben die schon etwas älteren Damen schon mit ihrem Gedächtnis zu kämpfen und absolut keine der Nummern mehr im Kopf, die man jetzt laut Preisschild drücken sollte. Was macht man also? Ja, genau! Man sucht unter Zuhilfenahme des schwebenden Zeigefingers nach den Symbolen, die irgendwie dem Gemüse auf der Wage am ähnlichsten zu sein scheint. Da werden schon mal Karotten zu Paprika und Kopfsalat zu Weißkohl, aber wen kümmert es? Hauptsache, daß der Single mit den Bananen (die für alle Bananen kaufenden Deppen, wie mich, auf „die Eins“ programmiert sind) noch ein wenig länger anstehen muß. Den kann man dann auch fragen, welche Nummer die Strauchtomaten im Angebot haben; damit es schneller geht, wird der auch bestimmt gehen und nachschauen.
So richtig schlimm wird es dann aber erst, wenn jemand vergessen hat, etwas abzuwiegen oder wenn – sagen wir mal – einfach nur der verdammt schlecht haltende Aufkleber abgegangen ist. Oft erlebt man dann eine sportliche Höchstleistung. Eine Steh-Auf-Übung der Extraklasse, die um so spannender wird, desto besser die Kassen-Box ausgefüllt ist. Also, ich hab da mal erlebt, daß sich die Kassenfrau furchtbar über einen Typen aufgeregt hat, der vergaß, seinen Salat zu wiegen; sie fluchte als hätte jemand ihr heimlich die Jungfräulichkeit geraubt (*schauder*) und schließlich bemühte sie sich, aus dieser Box raus zu kommen. Ohrenzeugen berichten bis heute, sie hätten ein Geräusch gehört, das dem eines Korken gleicht, der aus der geschüttelten Sektflasche fliegt.
Aber ich bin mir sicher, das sind nicht alle Stories, die man vom Einkauf erzählen kann und wenn ich es mir recht überlege, dann ist Einkaufen doch irgendwie spannend...


Warum Oralsex kein Hindernis für die Evolution ist
Valerian (30.04.2001)

Ich gebe zu, der Gedanke ist etwas abstrus, doch hoffe ich, er unterhält Euch und pflanzt mal wieder einen unnötigen Gedanken in diverse Köpfe:
Oralsex ist doch eigentlich eine interessante, evolutionbiologisch raffinierte Sache. Seit Jahrtausenden werden Fellation und Cunnilingus praktiziert und es hat bis jetzt noch nicht dazu geführt, dass die Menschen den klassischen Geschlechtsverkehr vernachlässigen (von Einzelfällen abgesehen), da dieser für beide in seinem gleichzeitigen Vergnügen doch angenehmer ist. Natürlich ist auch Oralsex eine sache, die in der Regel beiden Partnern spassmacht, doch das rein körperliche Vergnügen liegt je nachdem bei einem Partner als Schwerpunkt vor (Ihr wisst schon, was ich meine, -ich will nur nicht allzu explizit von Sex schreiben).
Man denke doch aber mal dergestalt quer, wie es denn wäre, wenn für die oralsexgebende Person der Orgasmus des in diesem Falle passiven Partners mit ganz wunderbaren körperlichen Sensationen verbunden wäre. Die Eichel des Mannes könnte anstelle der Ejakulation pulsieren und wie beim Essen von Fugu-Fisch-Fleisch oder einer tollen Brause im Mund der/des Fellatoren/in im Mund prickeln oder wie beim Kosten von Kokain ein sanftes Taubheitsgefühl verursachen. Die Klitoris der Frau könnte einen Nektar absondern, der in seinen milden psychedelischen Wirkungen Ambrosia und Hanföl überlegen ist. Ja ich weiß, das ist ein recht versponnener Gedanke, doch führt man ihn weiter, stellt sich die Frage, was dann mit der Fortpflanzung passiere. Würden die Menschen nur noch blasen und lecken und das Kindermachen vergessen ? Wenn man in Zukunft die gentechnischen Möglichkeiten zur Verbesserung des menschlichen Körpers großzügig einsetzt, wird man dann vor den Genitalien haltmachen und zwar nicht im Sinne von größer/härter/glatter, sondern im Sinne endogener Veränderungen auf Basis der Sinnesrezeptoren und Nervenzellen ?

Jedenfalls hat die Natur dafür gesorgt, dass wir für unsere Fortpflanzung gerne sorgen (zumindest kräftig so tun, als ob wir uns fortpflanzen wollen) und das hängt natürlich auch mit den rein körperlichen Freuden von Zärtlichkeit/Sex und Orgasmus zusammen.
Was würde passieren, wenn es bei den Menschen feste Brunftzeiten wie bei den Tieren gäbe ? Man könnte den größten Teil des Jahres sich dem effizienten Fortkommen in Beruf, Studium und Forschung widmen und für 1-2 Monate im Jahr würde eine ritualisierte Hölle von Orgien über das Land hereinbrechen. Das Leben wäre eine langweilige Mischung aus 10 Monaten Rentnerdasein und zwei Monaten Loveparade/Christopher Street Day/Ibiza und Erstsemesterparty in einem. Zumindest in den Clubs wären das Jahr über dann nur noch Leute, die wegen der Musik vorbeikommen und früh nach Hause gehen. Was ist dann eigentlich mit den Feuerwehrleuten, Polizisten und Angestellten des Gesundheitswesen ? Müssen die dann während der Brunftzeit mit Medikamenten ruhiggestellt werden, damit sie noch ihre berufliche Pflicht erfüllen können ?
Genug der Utopie jetzt..input ende.


Partygeschichten 2 - KONTAKT DER DRITTEN ART
somacheck (01.04.2001)

........so begab es sich, ungelogen, in einem Pub, in den uns nicht sein wohlklingender Name FLAVA lockte, sondern seine kundenorientierten Öffnungszeiten, dass wir, d.h. meine zwei landeskundigen Bekanntschaften und ich, Zeugen einer der wohl seltensten und fremdartigsten Begebenheiten wurden, welche die westliche Zivilisation nur Auserwählten zuteil werden lässt. Oder besser gesagt eine Begebenheit, die nur wenigen zugemutet wird, um nicht den winzigen Rest des Vertrauens den die Bildzeitungen, einzelnen Socken und Wonderbras dieser Welt noch nicht aus den zumindest annehmbar funktionierenden Hirnen spülen konnten, zu verspotten. Mit einer weichen Couch verschmelzend, betrachteten wir, wie sich in zwei Metern Entfernung am gegenübeliegenden Tisch für ein paar schwer geladene Teenager scheinbar ein Traum erfüllen sollte. Wir sahen nicht ohne Neid - wie sich jedoch herausstellen sollte zu Unrecht - wie sich auf das pickelige Pack drei blendend hübsche Mädchen tänzelnd zubewegten. Nicht genug damit, dass sie die Kerle eines Blickes würdigten; sie gingen geradewegs auf diese zu - Longdrinks in der Hand - und begannen sie offensichtlich anzubaggern. Dabei strahlten sie einen kindlich naiven Charme aus, dem wohl selbst ein mit Naomi Campbell verheirateter Eunuch nicht hätte widerstehen wollen. Diejenigen unter euch, deren Chromosomensatz nicht komplett doppelt ist, haben sicherlich ein tiefes, gelegentlich verleugnetes Verständnis für meine Annahme, zumindest ein netter Small- talk - wenn man nicht vor Verlegenheit stammelnd im Boden versinkt - müsste doch drin sein. Doch das Leben straft mich lügen. Die Jungs wechseln ein paar Worte mit den attraktiven Besuchern - wobei es bleiben sollte. Man stelle sich vor das nette Gespräch dessen warm-up gewöhnlich in einigen Sekunden gelaufen ist - wenn die Gesprächspartner nicht überrascht von der unerwartet langweiligen Art des Gegenübers plötzlich wichtige und besonders eilige, gerade eingefallene Termine kriegen, was sie nicht taten - endete. Die Jungs schnappten ihre Kappen und liessen halbvolle Gläser zurück, als sie wie von der Terrantel gestochen den Pub verliessen. Ihre Eile verlor sich schlagartig nachdem sich die Türe des Pubs hinter ihnen geschlossen hatte. Um ihrem seltsamen Benehmen scheinbar einen Gegenakzent zu setzen begannen sie sich alters- und zustandsgemäss zu Verhalten und schlenderten grölend, herumturnend und taumelnd die Straße abwärts, die mit fragenden, ungläubigen Blicken hinter dem Fenster klebenden Mädchen keines Blickes würdigend. Entwürdigend. Nur selten hat man die Gelgenheit die Vielfalt des menschlichen, zwischengeschlechtlichen Kontakts so deutlich und erschreckend in Erinnerung gerufen zu bekommen, würde Heinz Sielmann vielleicht sagen, oder etwas anzüglicheres. Mir fällt freilich nichts anzüglicheres ein; das versteht sich von selbst oder von etwas anderem oder wird missverstanden, ganz nach Belieben.
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Partygeschichten 1
magensaeure (01.04.2001)

Es trug sich im letzten Jahr auf bzw. vor der bombastischen Meditation in Sinsheim zu. Ich und ein Reisebus voll anderer D&B- Freaks aus meiner heimatlichen Umgebung um Albstadt hatten uns bereits um 1700 Stunden in unserm kleinen Stammclub getroffen für ein gebührendes Warm up getroffen, bevor wir um sieben die gut dreieinhalbstündige Busfahrt antraten. Rund 50 Leute zwischen 18 und 24, die nichts ausser Party und edelsten Breakbeats erwarteten; vielleicht könnt ihr euch ja annähernd vorstellen was bereits während der Busfahrt abging. Als mein kleiner Körper also so um 22.30 Uhr in der Schlange vor den verschlossenen Türen der Messehalle stand und Einlass begehrte, hatten meine Pupillen bereits die Grösse von Bowlingkugeln und dementsprechend fühlte ich mich auch. Frierend und über irgendwas Belangloses diskutierend (der ein oder andere kennt diese willenlose Gespräche in diesen Zuständen evtl.) warteten wir also. Ich, meine 50 Mark teure Karte in den Händen, steh da und bin am plappern, bababa , -nicht zu bremsen in meinem Redefluss, und als ich meinen Monolog beende, schau ich in meine Hände und da wo vorher meine Eintittskarte war, sind nur noch zig winzige Papierschnipsel. Scheisse! Was war das denn? Ohne es irgendwie zu merken, hatte ich grad meine Berechtigung, an dieser mehr als geilen Party teilzunehmen, vernichtet. Schnell der Blick zum Türsteher, der sich aber bereits bepisste , weil er natürlich alles mit angeschaut hat und sich köstlich zu amüsieren schien. Der Guteste war dann aber so nett mich so reinzulassen, ich also nicht noch mal nen Fuffi zahlen musst, gab mir aber schulterklopfend den Rat den Rest des Abends doch "langsam zu tun". Tat ich natürlich nich, tut ja aber auch nichts zur Sache.


Die alltäglichen Peinlichkeiten - Männer vs. Frauen
NicolaSix (23.01.2001)

Frauen, ach wie ist das manchmal schön, ein Mädchen zu sein:
Die meisten Jungs denken echt, man wäre ein ätherisches Geschöpf und verlassen sich auf einen, als die gute, vernünftige, stilvolle Lady, während sie selbst lautstark rumfurzen und wettrülpsen, als läge ihnen nur an dem Respekt ihrer Kiff- und Rumhängkumpanen.
Dabei ist das manchmal bei uns Mädels auch nicht anders; zwar tue ich mich schwer, einen anständigen Rülpser rauszubringen aber "alte freundin XY" kann das schon beeindruckend gut. Der Punkt ist, dass wir im Gegensatz zu den Männern (und ich hoffe, ich kann auch für andere DoppelX-Chromosomenträgerinnen sprechen..) uns eben schwertun, uns säuisch in der Öffentlichkeit darzustellen. Vielleicht werden wir dann irgendwie entzaubert und zu Schlampen degradiert, was uns den Verlust eben dieses ätherischen Frauen-Nimbus einbringen würde.
Drum schützen wir meistens unsere kleinen Sauereien und tauschen sie höchstens im vertrauten Klatschbasenkreis aus. So eine Webseite wie die Datababes, gibt natürlich die Gelegenheit, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern, denn eigentlich finde ich es garnicht so gut, daß man als Frau (vielleicht ist das auch unterschiedlich) diesen Nimbus des guten braven Mädchen hat. Ich glaube, daß Jungs und Mädels eigentlich nicht so unterschiedlich sind und daß die Betonung dieser Unterschiede für jede Menge Verwirrung und falsche Vorstellungen sorgt.
Z. B. geben wir Frauen uns echt viel Mühe mit der Auswahl der richtigen Unterwäsche, wenn wir zu einem "Vielleicht-Spentthenightwithyou-Date" gehen, während die löchrigen verwaschen Billig-BHs von H&M auf der Wäscheleine bleiben und wir trauen uns oft genausowenig wie die feigen Jungs, im Club oder auf PH/FH-Parties einen süßen Jungen anzusprechen, weil wir aus irgendeinem kleinmädligen Grund entweder furchbar zum Erröten neigen oder überhaupt jeglicher Souveränität Verlust gegangen sind. Sowas gibt man natürlich nicht in der Öffentlichkeit zu, denn es könnte ja einen als schwach und leicht zu haben entlarven. Außerdem sehen wir manchmal überhaupt nicht ein, daß WIR einen Jungen ansprechen. Das Dumme ist nur, daß die Jungs genauso denken.. Peinlich ist auch, daß ich mich einerseits über meinen ungepflegten Informatikmitbewohner aufrege, der seine muffigen T-Shirts Marke verwaschen tagelang trägt, ich aber andererseits letztens vergessen habe, mir morgens vor dem Weg in die PH die Zähne zu putzen.
Der Punkt ist einfach, daß wir Mädchen, -genauso wie die Jungs, die ihre Banalität in die Welt hinausrülpsen, unsere schmutzigen kleinen Geheimnisse haben. Angefangen von stinkigen Wäschebergen über Pickel am Po bis hin zu kleingeistigen Eifersuchtsanfällen Marke Bravo-Girl. Da können Männer vom Mars kommen und Frauen von der Venus, aber beide fliegen meistens in der selben Rakete Touristenklasse.


Krähenbesuch
Valerian (15.01.2001)

Letztens ist etwas Abgefahrenes passiert. Ich bin gerade auf dem Weg von der Küche in unser Wohnzimmer; hier in unserer Wohnung in Konstanz, die ich mit einem Mitbewohner teile. Ich höre etwas in meinem Zimmer rascheln, aber es klang irgendwie anders als jene Geräusche, die meine zahllosen verstreuten Blätter und Zettel machen, wenn der Wind durch sie fährt.
Ich schaue also in mein Zimmer und sehe ungefähr gleichzeitig mit dem Aussetzen meines Herzschlages eine Krähe auf dem Teppich sitzen, während eine zweite auf dem Fensterbrett sitzt und lauthals "Kroahh" krächzt. Wir alle haben Hitchcock-Filme gesehen und ich war ernsthaft erschrocken. Das hat sich schnell wieder gelegt und als Junge vom Dorf und Sohn eines Biolehrers war ich eher fasziniert und amüsiert von dem frechen und seltenen Besuch. Die Krähe hat sich wohl auch ein wenig erschreckt und flatterte auf meinen Schreibtisch, wo sie, wie ich später sah, einen ordentlichen Klecks auf diverse Klebefolien ließ, die ich eigentlich für die nächsten Datababes-Flyer verwenden wollte. Dann wurde das Vieh wieder mutiger, - warf ein Parfümfläschchen um und kramte in meiner Pfennigsammlung. Ich konnte die Krähe gerade noch davon abhalten, mit einer teuren Wahlessenmarke im Schnabel zu verschwinden. Mit einem Stück alten Toastbrot lockte ich sie dann ins Wohnzimmer (eigentlich war sie da einem Hund recht ähnlich, bis auf die Tatsache, daß ein Hund vier Beine hat..), wo sie sich dann auf die leeren Hanuta-Packungen stürzte, die Aurelius und ich am Vorabend nach einem Süßigkeitenwahn reichlich zurückgelassen hatten.
Praktischerweise hatte ich eine Kamera im Anschlag, um dieses seltsame Erlebnis für meinen Mitbewohner und die Nachwelt zu dokumentieren. Ihr könnt Euch also die Krähe in Action ansehen, wenn Ihr auf den Button oben rechts am Rand des Artikels klickt.
Irgendwann wurde es mir zu bunt und weil die Krähe garnicht mehr gehen wollte (sie ist dazu übergegangen, an Kippenschachteln und meinen Schuhen zu picken), mußte ich sie aufs Fensterbrett locken und sie mit einem Riesenstück Toast dazu bringen, auf den Mauervorsprung vorm Fenster zu hüpfen. So konnte ich das Fenster schließen und hatte meine Ruhe. Die Krähe pickte erst noch ein paar Mal gegen das Fenster; -es scheint ihr recht gut bei uns gefallen zu haben.
Als ich später das Haus verließ, um zur Bank zu gehen, krächzten die beiden Krähen von einem benachbarten Haus herunter, als ob sie mich erkennen und grüßen würden.


Ketten-SMS
DocArzt (13.01.20010)

Heute Morgen um 7:42 Uhr piepst mein Handy, um mir mitzuteilen, dass irgendein Arschloch mir eine SMS geschickt hat. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich gar nicht erfreut darüber war mitten in der Nacht durch eine SMS geweckt zu werden. Nun gut, ich schaute nach und siehe da es ist eine Ketten-SMS, ja richtig gelesen, diesen Bullshit gibt's jetzt auch schon auf dem Handy!
Hier der Text der SMS: "(ketten-sms) sende diese sms an 5 ganz liebe menschen u. in 4 tagen erfährst du wer dich liebt.unterbrichst du die kette wirst du ewig pech haben-ehrlich!". Zum Glück glaube ich so was nicht, hab mich also beim Absender beschwert, dass er mich geweckt hat und bin wieder ins Bett gegangen, dort hat dann allerdings die Rechnerei angefangen. Wer profitiert von so einer Ketten-SMS? Die Mobilfunkanbieter! Also rechnen wir mal ein kleines Bisschen:
Nehmen wir, an eine SMS kostet im Schnitt DM 0,25 und nur zwei Leute, die die Ketten-SMS bekommen schicken sie auch weiter. Also einer schickt die SMS los, das bringt den Mobilfunkanbietern immerhin schon 1,25 Mark. Schicken zwei Leute die SMS an fünf Freunde weiter kommen 2,50 Mark dazu, also sind wir schon bei 3,75 Mark. Jetzt spinnen wir die Sache mal weiter und sagen das ganze erreicht 10 Ebenen. Dann haben wir schon: 1.280+640+320+160+80+40+20+10+5+2,5+1,25 = 2558,75 Mark. Und 10 Ebenen sind nicht viel, wenn man sich überlegt wie schnell man eine SMS weiterleiten kann, sagen wir also wir erreichen 25 Ebenen. 41.943.040+20.971.520+10.485.760+5.242.880+2.621.440+...+5+2,5+1,25 = ca.83.880.000 Mark. Hoppla...
Mal davon abgesehen, dass es gar nicht so viele Handynutzter in Deutschland gibt, kommt da doch eine ganz passable Summe zusammen. Ok, ihre UMTS Lizensen können die Telekoms und Vodafones und wie sie auch immer heißen noch lange nicht damit bezahlen, aber die Summe lässt einen doch ganz schön staunen. Denkt man weiter darüber nach kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass die Ketten-SMS von den Mobilfunkanbietern ins leben gerufen wurde. Herzlichen Glückwunsch von hier aus an den Menschen, dem das alles eingefallen ist. So wird einem auch klar wieso die SMS morgens kommt. Die Menschen stehen im Stau, sitzen im Bus oder am Frühstückstisch, die wenigsten arbeiten schon, haben also Zeit um die SMS zu lesen und weiterzuleiten. Und so kommt innerhalb kürzester Zeit ein ganz passables Sümmchen zusammen. Vielleicht ist das ganze auch etwas übertrieben und ich sehe das alles viel zu paranoid, dann sollten sich die Mobilfunkanbieter allerdings Gedanken über ihre Marketingabteilung machen.


Heisses Bad
Valerian (19.12.2000)

Ich bin kein Bäderfreund. Ich will schnell duschen und langweile mich für gewöhnlich bei einem Bad, so daß ich es meistens nach, -dem Wasserverbrauch nach, ungerechtfertigt kurzer Zeit wieder verlasse. Ich halte heisse Bäder für Mädchenkram und in einer Familie angesiedelt mit Bettflaschen, Wollsocken und Angoraunterhosen. An diesem Wochenende mußte ich das revidieren.
Die Datababes-Party vom Freitag in den Knochen und -wohl eher- in den Gehirnzellen, gönnte ich meinem erschöpften Körper ein heisses Bad, zündete von der Party übriggebliebene Kerzen an und sorgte mit einem berüchtigten "Badezusatz" aus CH/Frauenfeld für weitere Entspannung. Nach kurzer Zeit entdeckte ich, daß im trüben Licht dieses Dezembernachmittags, das durch das Badfenster hereinfiel, der auf der Wasseroberfläche treibende Schaum topographische Form annahm und sich aus meiner Perspektive, Hügel, Täler, Seen und Flüsse erkennen liessen. Ich war völlig begeistert und schuf mit minimalen Bewegungen der Hände und anderer länglicher Körperteile neue Flüsse, Deltas und Ebenen und portionierte aus ungestaltem Schaum neue Gebirgsketten und Sierras aller Art. Als mir das Spiel zu langweilig wurde, modulierte ich den Ton eines vom Duschhahn stetig fallenden Wassertropfens, indem ich dessen Aufprallwinkel leicht mit dem Knie abänderte, so daß der Tropfen nicht mehr mit vollem "Platsch" sondern abwechselnd mit helleren "Plitschs" ins Wasser traf. Vergeblich versuchte ich daraus Melodien zu formen, was doch eine recht gewagte Vorstellung war und irgendwann einer schnellen Machbarkeitsstudie in meinem Kopf zum Opfer fiel.
Später dachte ich darüber nach, welch science-fiction-artiges technologisches Rätsel wohl ein heisses Bad in der heutigen Form (Einlassen+Seife, dann reinlegen, später ablassen) für einen Mongolenkönig des düsteren Mittelalters bedeutet hätte. Wahrscheinlich sowas wie Woody Allens Orgasmatron in "Der Schläfer". Vielleicht ist es genau die Deprivation von anderen Reizen (siehe auch die Idee der Entspannungstanks), die einen im Bad zu recht interessanten Gedanken kommen läßt. Jedenfalls war das an diesem Tag genau das Richtige und solange die Badewanne halbwegs sauber ist, kann so ein heisses Bad tatsächlich Entspannung pur bedeuten.

 
Zahnarzt
T-Mow (12.12.2000)

Jaja, Leute was soll ich sagen... auch n harter Kerl wie ich hat mal Schiß. Hab ich gerade gestern und heute wieder gemerkt. Ich hatte nämlich heute nen Termin beim Kieferchirurgen, zweck Rausmetzgern zweier Zähne der Weisheit. Hab schon zwei im August rausgekriegt. Tja, und da ich mir nicht so gerne mit nem Skalpell aufm Kieferknochen rumschaben, mit nem Bohrer am Zahn rumfräsen und mit nem Meißel den Kopfinhalt durchhämmern lasse, hatte ich doch schon wieder am Vorabend ein leicht beklemmendes Gefühl im Bauch. Naja und im Kiefer auch. So nen Termin zu machen dauert bei mir immer schon ne halbe Ewigkeit. Erstmal muß die Notwendigkeit der jeweiligen Sache mir einleuchten, und irgendwann aus ner leichten geistigen Verwirrung bzw. Umnachtung heraus, hab ich dann auf einmal ne Notiz im Kalender, und dann steh ich da und kanns nicht fassen, was ich getan hab. Aber zurück zum eigentlichen Ereignis. Ich hab dann nen Abend vor dem besagten Termin extra noch ne Galgenmahlzeit zu mir genommen, so richtig was leckeres, schließlich wird man ja nach der Prozedur erstmal zwangsweise zum Suppenkasper. Naja, und da der Termin auf Montag lag, hab ich am Wochenende auch nich so die Sau rausgelassen, denn Leute laßt euch sagen, es ist gut wenn die Abwehrkräfte bei sowas im grünen Bereich liegen, und vorm Aufbruch noch mal den Mund desinfizieren is auch nich schlecht. Das übelste is nämlich, wenn sichs nachher entzündet... und deshalb is nach dem mutwilligen, blutigen Fastkieferbruch auch ne Woche Pause von allen Milchprodukten angesagt, weil 1a Nährboden für Bakterien aller Art. Aber zurück zur Angst... ich zieh mir dann immer deutschen Hiphop rein, so Eins Zwo oder Beginner am liebsten, die machen mich lockerer und lässiger. Hilft in vielen Lebenslagen. Und da so ein Mundraumklempner ja nich gerade mit der Zahnfee zu vergleichen ist, sollte die Mucke auch in ausreichender Lautstärke beim eigentlichen Eingriff am Start sein, so walk- oder discmanmäßig, dann erscheint einem die physische Gewalteinwirkung auf die Kopfhaltung schon fast wie zur Musik nicken. Oder man wählt was fett elektronisches, damit die Bohr- und Fräsgeräusche direkt zur Musik passen. Okay, und an sonsten hat ja jeder seine Mittel und Wege n bißchen ruhiger zu werden. Ich sah dem ganzen nun also relativ gefaßt entgegen und konnte auch ganz gut einpennen. Der Termin war direkt früh morgens, kurz nach Praxis-Arbeitsbeginn. Ich also um 8 Uhr raus aus den Federn, total verpennt noch so mitten in der Nacht, also zack unter die Dusche und noch was gegessen, und gerade den Mund voll, da klingelt das Telefon. Ich also ran da, und ne echt nette Frauenstimme dran. Und was teilt die mir mit, Leute? "Es tut uns leid, Herr Ritz, aber der Doktor hat eben angerufen, er hat sich die Grippe eingefangen, wir müssen den Termin bis Januar verschieben." DER ARZT IST KRANK!!! Mir war halb zum Lachen und halb zum Weinen zumute, einerseits Freude, weil kein Gemetzel, andererseits hab ichs jetzt immer noch vor mir, und werde nochmal das ganze Nervenzirkus durchmachen müssen. Tja, aber das ist die Ironie des Lebens, die passiert mir ständig, ich werd euch davon noch mehr erzählen, später... Bis dahin, nen Gruß an alle Schisser.

 
Weihnachtszeit
Valerian (11.12.2000)

Jetzt ist mal wieder diese berühmte Weihnachtszeit angebrochen, in welcher wir mit süßlicher JingleBells-Stimmung nur so gepudert werden, bis uns allen Lust auf ein paar schöne freie Tage mit Freunden und Verwandten vergangen ist.
Die Stadt und ihre Geschäfte glauben uns einen Gefallen zu tun, indem überall Lichterketten unsere Augen irritieren und besinnliche Musik unsere Einkäufe anheizen soll. Schon mal aufgefallen, daß die Leute vor Weihnachten sich besonders agressiv durch die Fußgängerzonen bahnen und Kinder besonders perfide ihren Anspruch auf die neue Playstation oder das almighty Handy den Eltern klarzumachen versuchen? Doch das sind ja allerseits bekannte Phänomene, die wir hinnehmen und ob unseres Uni- und Jobstresses und der Sorge um eine gute Sylvesterparty ausblenden. Zum Glück wird in meiner Familie auf die große Schenkerei verzichtet und es entfällt die verzweifelte Suche nach Präsenten für Tanten, Großeltern und Angeheiratete. Außerdem überkommt mich immer eine gewisse Scham, wenn gütige Großeltern, den armen Studentenenkel mit reichlich Bargeld (auch fürs fleissige Studieren) beglücken und man selbst am 24. ein paar Socken vom Wühltisch mitgenommen hat, die Zeit fürs Verpacken nicht mehr gereicht hat und man jenes Geld fürs brav Studieren (zumindest hat es oft diese Konnotation) schamlos für kurzlebige Schallplatten und Ingridenzien menschlicher Gedankenbeschleunigung ausgibt.
Manch einem meiner Altergenossen droht ja auch eine bleierne Zeit in Butzenglaselternhäusern fernab jeglicher kultureller Entspannung in jener verlorenen Provinz aus der man entstammt. Die lieben Eltern gehen dann um 22 Uhr ins Bett und man selbst hat die Wahl in Dorfkneipen alte Schulfreunde zu treffen, die längst guten Gewissens CDU wählen oder in alten Aufsatzheften zu blättern, die in staubigen Kisten im Keller lagern. Da sind jene schon fast zu beneiden, die ob totaler Entfremdung von ihren Eltern oder bedingt durch das moderne "Ich fliege über die Tage mit meinem Lebensabschnittsgefährten nach Fuerteventura" von jeglichen Weihnachtspflichten gegenüber ihren alten Herren entbunden sind und mit älteren Freunden gemütlich Essen gehen.
Die Weihnachtszeit ist auch immer verbunden mit mehr oder weniger pathetischen Betrachtungen über die Ereignisse des zu Ende gehenden Jahres. Das reicht von stillen Tränen über verlorene Lieben, verpasste Chancen und verbockten sozialen Herausforderungen, über das Memorieren schönster Erlebnisse (Strand, Party, Küssen, lauen Nächten und legendären Räuschen) bis hin zu den handfesten "Die besten Platten des Jahres"-Hitlisten.
Was sind Eure Lieblingsplatten des Jahres?
Was die Top-Lacher des Jahres (Aus der Daum!)?
Was waren die besten Parties?
Die Top-Konzerte?
Schreibt uns das ins Forum. Wir sind gespannt.

Valerian liebt Pikachu
Valerian (01.12.2000)
Das Meinungsspektrum unter meinen Altersgenossen ist weitgespannt: die einen amüsieren sich darüber, daß dieses Geschöpf und seine Genossen Gegenstand von Talkshows mit besorgten Psychologen und Eltern sind, anderen ist Pikachu, aus einer adulten Geisteshaltung heraus, völlig egal und andere haben noch nie etwas von ihm gehört.
Pikachu ist der kleine gelbe Hauptvertreter der Gattung Pokemon, er hat Zauberkräfte, kurze Beine und Arme, einen pummeligen Leib und gibt mit hoher krächzender Stimme Lautfolgen wie "Huiiiih" oder "Aaahiiia" von sich.
Ich muß gestehen, ich bin verliebt in ihn. Ich hätte ihn gerne als Haustier und Gefährten. Wenn ich versuche, einige faszinierende Merkmale an ihm zu benennen, dann lobe ich seine von Emotionspsychologen ausgewogen konstruierte Ratio zwischen Körpergröße und Extremitätenkürze, dann preisse ich die von japanischen Mangaexperten entworfenen Augen und den goldigen ewig freundlichen Mund. Er ist das Resultat kühler Berechnung. Ich stelle mir ein Designteam in Tokio vor, die in einem Hochhausloft, grüne, rote und gescheckte Pikachus verworfen haben, um einen tigerentengelben Prototypen begeisterten Kids zu präsentieren.

Obwohl ich Pikachu nur einmal live im Fernsehen, beim genervten Warten auf die Simpson, gesehen habe, gehen mir seine glockenhellen Kampfschreie, -irgendwo zwischen Kinderjubel und Katzenmiau, nicht mehr aus den Ohren.
Wäre er mein Haustier, so würde er mich in die Uni begleiten und "Huuiija" rufen. Bevor er sich abends in sein Pokemonkörbchen bettet, würde er beim allabendlichen Pokemontanz auf meinem Schreibtisch das Glas Milch umkippen, welches ich mir gerne zum Artikelschreiben am Computer bereitstelle.
Mein Therapeut meint, die Begeisterung für dieses Fabelwesen drücke mein Bedürfniss nach Kindern und herzlicher Liebe aus. Ob die Krankenkasse mir nicht vielleicht eine dieser sündhaft teuren Pokemon-Plüschtiere auf Krankenschein überlassen kann ? Meine Kollegen von der Webagentur machen sich immer lustig und schicken mir immer lustige Flash-Filme vom Dirty Pokemon, das andere Pokemons fickt, doch irgendwie deute ich diese pubertären Versuche, meine Zuneigung zu diesem reinen Geschöpf der Lächerlichkeit preiszugeben, als hilflose Abwehrmechanismen ihrer einsamen Seelen. Dafür können sie ja ihre Wap-Handys, Palm Pilots und MP3-Player spazieren führen, denen sie mit dem neusten Software-Update liebevolle Fürsorge zukommen lassen. Manche sprechen mit Ihrem Computer definitiv verdächtig: Los, komm schon….boot mal schneller, oder: Heute spinnt er ein wenig. Manche gönnen auch dem Computer eher mal eine Defragmentierung ("Das braucht er jetzt") als der Freundin eine Rückenmassage.
Allerdings muß ich zugeben, daß ich es auch nicht schlecht fände, wenn ich den Pikachu auch noch als Telephon verwenden könnte. Flauschig am Ohr wärs ja.

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